Werbung
  • Sport
  • Finale der Deutschen Eishockey Liga

Tränen, Titel und Transfers

Die Münchner Eishockeyspieler werden doch noch Meister gegen die Eisbären Berlin. Beide Klubs nehmen nun Änderungen vor

  • Von Jan Schröder, Florian Lütticke und Manuel Schwarz, München
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Eishockeykönige sehnten sich im Hattrick-Rausch nur noch nach Party, Bier und lauter Musik. »Wir reißen München ab«, sagte Torhüter Danny Aus den Birken euphorisiert vom famosen Playoff-Finale und gab die Marschrichtung beim EHC Red Bull München vor. Dass die Truppe nach drei Spielzeiten vor einem Umbruch steht, spielte in der Nacht zu Freitag keine Rolle. »Jetzt feiern wir erst mal«, sagte Nationalspieler Yannic Seidenberg nach dem entscheidenden 6:3 gegen die Eisbären Berlin.

Lange wird sich Trainer Don Jackson für seinen nun schon achten Meistertitel aber nicht feiern lassen, denn im Sommer wird die Truppe in wichtigen Teilen erneuert. Sogar der beste Spieler der Finalserie, Jon Matsumoto, erhält keine Vertragverlängerung und verlässt München angefressen. Der als wertvollster Spieler der Hauptrunde geehrte Keith Aucoin beendet mit 39 Jahren die Karriere. Und auch für den umstrittenen Steven Pinizzotto, der wie Matsumoto in den Endspielen gegen Berlin überragte, ist kein neuer Vertrag vorgesehen.

Dominik Kahun hätten die Münchner gerne behalten, aber der 22-jährige Olympiasilbermedaillengewinner versucht sein Glück in Nordamerika. Ob die dritte Meistersause seine letzte war, wurde der Stürmer gefragt. »Kann sein, ja«, antwortete Kahun noch auf dem Eis mit Weißbier und Zigarre in den Händen.

Die vier Angreifer müssen nun ersetzt werden, schließlich waren der tiefe Kader und die offensive Extraklasse die Schlüssel zum Erfolg. »Diese Playoffs waren mit Abstand die größte Herausforderung«, sagte Trainer Jackson. »Aber wir hatten die richtigen Typen dafür.« Der Meistergarant aber blieb der Rekordtrainer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), Don Jackson selbst. Als München die 3:1-Führung nach Siegen aus der Hand gegeben hatte und kurz vor dem »Drama dahoam« stand, versammelte er seine Schützlinge am Donnerstag in der Kabine für eine »unglaubliche Ansprache«, wie Seidenberg berichtete. »Da sind ein paar Tränen geflossen. Zuerst beim Don, dann musste ich mich zusammenreißen. So ging es allen Jungs. Dann waren wir bereit.«

Aggressivität und Entschlossenheit, dazu eine konsequente Chancenverwertung und ein kühler Kopf nach dem 0:1-Rückstand: Im entscheidenden siebten Spiel ließ München den Berlinern keine Chance. »Der Charakter passt«, lobte Kapitän Michael Wolf, der mit der Übernahme eines Schuhladens in Füssen warten will und im Alter von 37 Jahren noch Lust auf ein weiteres Profijahr hat.

Um die nächste Saison machten sich die Münchner keine Sorgen, Umbruch hin oder her. »Der Prozess ist nie zu Ende, man will immer mehr«, sagte Nationalspieler Patrick Hager, der wie einige seiner Vereinskollegen auch noch die WM in Dänemark spielen möchte. »Wir haben hier eine Gewinnerkultur«, meinte Mads Christensen, dem das Kunststück gelang, nach drei Triumphen mit den Eisbären 2011 bis 2013 nun in München einen zweiten Hattrick nachzulegen.

Ohne Krönung steht dagegen Trainer Uwe Krupp vor einem Abschied von den Eisbären Berlin - und womöglich sogar auch aus der DEL. Kurz nach der Finalniederlage will der Klub über Krupps Zukunft entscheiden, der tschechische Spitzenclub HC Sparta Prag wirbt bereits intensiv um den 52-Jährigen.

Seine Vertragssituation sei »ungelöst«, sagte Krupp nach der Niederlage. »Ursprünglich wollte ich in Berlin bleiben, aber es ist eine lange Saison gewesen. Wir werden jetzt schauen, wie es sich in den nächsten Tagen entwickelt.« Er denke, dass es »relativ schnell« gehe, erklärte der frühere Bundestrainer. Die Eisbären wollen sogar schon bei der Saisonabschlussfeier an diesem Sonnabend bekanntgeben, ob sie mit oder ohne Krupp planen, sagte Geschäftsführer Peter John Lee. Während der Saison wollte die sportliche Führung öffentlich nicht über einen neuen Vertrag reden. Nun müsste es schon eine überraschende Wende geben, sollte der Trainer doch noch verlängern.

Nach der Niederlage in München war Krupp zunächst bemüht, seine Spieler zu loben: »Heute geht es um Vizemeisterschaft. Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Sie haben so viel Charakter gezeigt und so viel gekämpft.« Und doch reichte es für die Berliner gegen das Überteam aus München nicht zum ersten Triumph seit 2013. Auch Krupp wartet damit in der DEL weiter auf seinen Premierentitel - mit Köln unterlag er zweimal im Finale.

Dennoch bekundete Sparta Prag öffentlich das Interesse an einer Verpflichtung. Der Kontakt mit Krupps Agenten sei bereits hergestellt, sagte ein Sprecher am Freitag der Zeitung »MF Dnes«. »Wir sind an seinen Diensten interessiert, aber bisher ist noch nichts entschieden.«

Die Berliner sind zumindest zurück in der deutschen Spitze und auch für die Champions League qualifiziert. Der große personelle Umbruch im vergangenen Sommer hatte die Eisbären stark gemacht. Unter dem kurz zuvor verpflichteten Sportdirektor Stéphane Richer kamen sieben Neuzugänge, die sich allesamt als Bereicherungen erwiesen.

Nun muss er einen neuen Torhüter suchen, denn Petri Vehanen beendet seine Karriere. »Es ist Zeit, das Kapitel zu beenden«, twitterte der 40-Jährige. Damit wird es kommende Saison einen neuen Eisbären-Stammkeeper geben - und womöglich auch einen neuen Trainer. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen