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AfD verliert Oberbürgermeisterwahl in Gera klar

Stichwahlen in fünf kreisfreien Städten und drei Landkreisen: LINKE-Bürgermeisterin Wolf siegt in Eisenach, in Jena und Suhl werden Amtsinhaber abgewählt

  • Lesedauer: 4 Min.

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Erfurt. Die AfD bleibt ohne Oberbürgermeisteramt in einer kreisfreien Stadt in Deutschland. Bei der Stichwahl um das Rathaus in Gera unterlag der AfD-Kandidat Dieter Laudenbach am Sonntag deutlich dem parteilosen Oberbürgermeister-Kandidat Julian Vonarb. Nach Ende der Auszählung erreichte der 60 Jahre alte Laudenbach 30,2 Prozent der Stimmen. Der Unternehmens- und Finanzberater Vonarb regiert mit 69,8 Prozent der Stimmen nun künftig Thüringens drittgrößte Stadt. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen war die von der CDU unterstützte parteilose Amtsinhaberin Viola Hahn abgewählt worden.

Bei den Stichwahlen in fünf kreisfreien Städten und drei Landkreisen wurde am Sonntag auch andernorts in Thüringen der personelle Wechsel gewählt.

Nur die Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt, Andreas Bausewein (SPD), mit 58,5 Prozent und der kreisfreien Stadt Eisenach, Katja Wolf (LINKE), mit 58 Prozent behaupteten ihr Amt in der Stichwahl gegen Herausforderer von CDU und SPD. Im Altenburger Land sowie den Städten Jena und Suhl wurden die Amtsinhaber abgewählt. In den Kreisen Sonneberg und Gotha, wo die Amtsinhaber nicht antraten, verlor die CDU zwei Landratsposten an Kandidaten aus dem Lager von SPD und LINKE.

Die CDU sieht sich nach der Abstimmung gestärkt. Seine Partei stelle nun die Landräte in 9 der 17 Landkreise, erklärte CDU-Chef Mike Mohring in Erfurt. »Wir sind auch in den Städten Thüringens wieder da.« SPD-Landesgeschäftsführer Michael Klostermann sprach von einem »gemischten Ergebnis« für die Sozialdemokraten. »Das Ergebnis in Jena tut uns weh.« Klostermann verwies auf nun sieben Landräte in Thüringen entweder mit SPD-Parteibuch oder von der SPD unterstützt. Auch in ländlichen Kleinstädten wie Kölleda, Bad Sulza und Ohrdruf hätten SPD-Kandidaten die Stichwahlen gewonnen.

Die AfD bezeichnete den Einzug ihres Kandidaten in die Stichwahl in Gera als Erfolg. Er habe gegen alle anderen Parteien ankämpfen müssen, die zur Wahl seines parteilosen Mitbewerbers aufgerufen hätten, erklärte AfD-Landessprecher Stefan Möller.

In Jena konnte die FDP, die nicht im Thüringer Landtag vertreten ist, an vergangene Zeiten anknüpfen: Ihr Kandidat Thomas Nitzsche (FDP) löste mit 63,3 Prozent Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD) ab, der nur 36,7 Prozent erreichte. Die FDP hatte in der Vergangenheit 16 Jahre lang bis 2006 den Oberbürgermeister in der Universitäts- und Industriestadt gestellt.

In Suhl wurde der amtierende Oberbürgermeister Jens Triebel (parteilos) abgewählt. Er lag mit 47,6 Prozent der Stimmen hinter seinem CDU-Herausforderer André Knapp (CDU) mit 52,4 Prozent. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen, als sich vier Kandidaten um das Oberbürgermeisteramt in Suhl bewarben, hatte Triebel noch vorn gelegen.

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (LINKE) hat bei der Thüringer Kommunalwahl ihr Amt verteidigt. Sie erreichte bei der Stichwahl am Sonntag 58 Prozent. Ihr Herausforderer, SPD-Landesgeschäftsführer Michael Klostermann, kam auf 42 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 39,3 Prozent. Wolf war 2012 die erste und bisher einzige Oberbürgermeisterin der LINKEN in Thüringen geworden, als sie den heutigen Thüringer CDU-Generalsekretär Raymond Walk mit 51,6 Prozent knapp bezwang.

Im Kreis Altenburger Land löst Uwe Melzer (CDU) die bisherige Landrätin Michaele Sojka (LINKE) ab. Damit verlor die LINKE eine ihrer erst vor sechs Jahren erkämpften kommunalen Bastionen. Melzer erreichte 68,8 Prozent der Stimmen, während Sojka nur auf 31,2 Prozent kam. Sie hatte bereits im ersten Durchgang der Thüringer Kommunalwahl vor zwei Wochen nur knapp die Stichwahl vor dem AfD-Kandidaten Andreas Sickmüller erreicht.

Im Kreis Gotha votierten die Wähler für einen Wechsel von der CDU zur SPD. Neuer Landrat wird Onno Eckert (SPD) mit 67 Prozent. Der CDU-Bewerber Holger Kruse kam auf 33 Prozent. Der bisherige Landrat Konrad Gießmann (CDU) hatte aus Altersgründen nicht mehr kandidiert. Im Kreis Sonneberg punktete der von LINKE und SPD unterstützte Hans-Peter Schmitz bei der Landratswahl. Er erreichte in der Stichwahl 56,2 Prozent. Danny Dobmeier (CDU) kam auf 43,8 Prozent. Amtsinhaberin Christine Zitzmann (CDU) war nicht erneut angetreten.

Die Wahlbeteiligung bei den Stichwahlen für Landräte und Oberbürgermeister betrug 37,8 Prozent. Sie war damit höher als bei den meisten früheren Stichwahlen seit dem Jahr 2000. 2012 hatten sich 38,1 Prozent der Wähler an den Stichwahlen beteiligt, 2006 waren es 31,1 Prozent und im Jahr 2000 34,9 Prozent. Die Spanne an diesem Sonntag reichte von 46,7 in Jena bis zu 29,9 Prozent im Kreis Gotha.

Zu den Stichwahlen am Sonntag waren 790.000 Thüringer aufgerufen. Nach einer Wahlrechtsänderung im Jahr 2015 konnten auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Agenturen/nd

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