Werbung
  • Politik
  • Hausbesetzung für Geflüchtete

Aktivist*innen besetzen Wohnheim in Göttingen

Gebäude in der Fridtjof-Nansen-Straße 1 soll Geflüchteten und Prekären Wohnraum bieten / Stadt will verkaufen

  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sieben abgeschlossene Wohneinheiten mit Bad und Küche und 30 Einzel- und Doppelzimmer. Das leerstehende Wohnheim des Goethe-Instituts in der Fridtjof-Nansen-Straße 1 in Göttingen bietet viel Wohnraum in einer Stadt, in der Wohnraum Mangelware ist. Deswegen haben Aktivist*innen das Gebäude am Vorabend des 1. Mai besetzt.

Bis vor Kurzem wurde das Gebäude vom Göttinger Ableger des Goethe-Instituts genutzt. In den letzten Tagen zog das Kulturinstitut aber bereits vorzeitig in ein neues Gebäude um. Laut Angaben der Aktivist*innen von »Our House Nansen 1« hatte das Goethe-Institut aber eigentlich bis Ende Mai Zeit dafür. Nun nutzten die Besetzer die Gunst der Stunde.

Im Zuge der Besetzung verschafften sich die Aktivist*innen Zugang zum Gebäude, hängten Transparente auf und begannen dann eine Protestkundgebung vor dem Haus – inklusive Picknicktisch. Bis zum Nachmittag sicherte die Stadt zu, nicht zu räumen. Laut Informationen des Göttinger Tageblatt verhandelte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und der erste Göttinger Stadtrat Christian mit den Besetzer*innen. Sie wollen an dem im Stadtrat umstrittenen Verkauf festhalten. Der Bitte des Oberbürgermeisters das Gelände zu räumen kamen diese offenbar zunächst nicht nach, trotz Zusicherung das Thema erneut auf der Stadtratssitzung am Mittwoch zu behandeln.

Die Aktivist*innen fordern, dass in dem Gebäude Geflüchtete, die immer noch in einer Turnhalle in Göttingen untergebracht sind, und »unter prekären Bedingungen leidende Menschen« untergebracht werden. Eigentlich will die Eigentümerin des Hauses, die Stadt Göttingen, das Haus an einen privaten Investor verkaufen. Die Stadt versucht seit zwei Jahren den Gebäudekomplex zu veräußern.

Die Privatisierungspolitik der Stadt sei »verfehlt«, eine Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum für Geflüchtete und andere Wohnungssuchende sei mit einem Verkaufsverzicht »sofort« möglich. Dazu müsse die Stadt notwendige Renovierungsarbeiten übernehmen und den neuen Bewohner*innen eigene Mietverträge anbieten, schreiben die Besetzer*innen in einer Stellungnahme.

Laut einer Studie von Stadtforscher*innen im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung fehlen in der Universitätsstadt Göttingen 12.000 bezahlbare Wohnungen. Als solche definieren die Wissenschaftler*innen Wohnungen mit Mietpreisen, die nicht mehr als 30 Prozent des durchschnittlichen örtlichen Haushaltseinkommens übersteigen.

Bereits vor mehr als zwei Jahren hatten Aktivist*innen in der Universitätsstadt ein Haus für Geflüchtete besetzt. Am 5. November 2015 wurde das ehemalige DGB-Gebäude in der Oberen Maschstraße 10 in Beschlag genommen. Das Haus hatte zuvor sechs Jahre leer gestanden. Laut den Aktivist*innen war die Situation für Geflüchtete verheerend: »Das Erstaufnahmelager in Friedland war um ein fünffaches überbelegt, und es kamen immer mehr Menschen in Göttingen an. Als einzige Lösung wurden von offizieller Seite nur Massenunterkünfte forciert, die ein menschenwürdiges Ankommen und Wohnen unmöglich machen.« Nach langem Kampf konnte eine Räumung angewendet werden. Heute ist das OM10 »ein Raum für Veranstaltungen, Selbstorganisation, Protest gegen Leerstand und für Projekte wie die Fluchthilfe.« mwi/nfr

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!