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  • Berlin
  • »Tag der sozialen Arbeit«

Problemkiez Villenviertel

Am »Tag der sozialen Arbeit« zog eine Ravedemonstration durch Grunewald

  • Von Christian Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

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Große Villen in kleinen Straßen, die nach Komponisten benannt sind, ein Blick auf Satellitenbilder zeigt viele Pools - wer hier demonstriert, will, dass es weh tut. »In Grunewald liegt der Mietpreisdurchschnitt bei 14 Euro den Quadratmeter. Das Quartiersmanagement Grunewald setzt sich dafür ein, dass hier die Mietpreise sinken und Anreize geschaffen werden, damit den Prekarisierten auch mal ein bisschen frische Waldluft um die Nase säuselt«, so einer der ersten Redebeiträge auf der Demo der »Hedonistischen Internationale« am Dienstagnachmittag in Grunewald.

Das »Quartiersmanagement Grunewald« ist selbstverständlich ein Scherz. Gegründet wurde es eigens für die Demonstration, die an diesem 1. Mai, dem »Tag der sozialen Arbeit«, durch den »Problembezirk Villenviertel« in Grunewald zieht.

Etwa 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich laut den Veranstalterinnen und Veranstaltern eingefunden, um zu demonstrieren und zu tanzen. Robert Rating, von der Chanson-Punk-Band »The Incredible Herrengedeck«, der die Demonstration mit vorbereitet hat, freut sich über die hohe Beteiligung. Die Polizei vermeldet via Twitter, dass »mehr Teilnehmer als ursprünglich erwartet vor Ort« seien, und weist auf Verkehrsbehinderungen hin. Überhaupt nimmt die Polizei die Aktion ernst. Jede Menge Bereitschaftspolizei, Kräfte in zivil und sogar ein Hubschrauber sind hier im Einsatz.

Als um kurz nach 14 Uhr Hunderte von Demonstrierenden aus der Bahn steigen, staut sich die Menschenmenge im S-Bahnhof Grunewald. Penible Vorkontrollen verzögern das Ankommen. Erste Anwohnerinnen und Anwohner sind genervt. »Es ist mir egal, was hier los ist. Es ist einfach nur lästig«, schimpft ein älterer Mann, der zwischen jungen Aktiven, Exautonomen und Partypublikum hindurchläuft. Verglichen mit der durchschnittlichen Berliner Demonstration geht es etwas bunter zu, Leute sind teilweise kostümiert, von einem Lautsprecherwagen dröhnt wahnsinnig laute Elektromusik. Die Stimmung ist ausgelassen und vergnügt. Viele, die sich untereinander als Genossinnen und Genossen anreden, sind hier, weil sie den Maifestspielen in Kreuzberg nicht mehr viel abgewinnen können. Ein Redebeitrag schlägt in die gleiche Kerbe: »Wir haben keine Lust auf Rucksackkontrolle im Görlitzer Park. Wir brauchen Platz zum Tanzen. Wir möchten eine soziale Stadt, überall!« Die Demonstration ist dennoch so geplant, dass alle noch rechtzeitig zur 18-Uhr-Demonstration in Kreuzberg sein können.

Der politische Ansatz in Grunewald könnte als krawalliges Kabarett bezeichnet werden. Auf einem Schild steht: »Niemand hat es verdient, reich zu sein. Solidarität mit Grunewald.« Am Rand der Demonstration werden Parolen gesprüht: »Miete rauf - Hartz IV runter«. Behelmte Polizeikräfte begleiten die Demonstration daraufhin mit Spalier. Festnahmen konnte die Polizei bis Redaktionsschluss nicht bestätigen.

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