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Alternative für Deutsch

AfD-Landratskandidat Steffen Kubitzki hat Schwierigkeiten mit seiner Muttersprache

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 5 Min.

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Politiker, die ein wenig schlicht wirken, die gibt es in allen Parteien. Selten jedoch fällt so deutlich ins Auge, dass jemand für eine politische Funktion ungeeignet ist, wie das bei Steffen Kubitzki (AfD) der Fall ist. Dieser Mann wäre nicht einmal ansatzweise in der Lage, die Arbeit des Landrats im Spree-Neiße-Kreis zu erledigen. Trotzdem könnte er theoretisch am kommenden Sonntag Landrat werden und damit erster AfD-Landrat überhaupt. Mit knapp 29 Prozent der Stimmen in der ersten Runde am 22. April hat es der 54-Jährige in die Stichwahl geschafft. Sein Kontrahent ist Landrat Harald Altekrüger (CDU), der 40 Prozent erreichte.

Praktisch scheint Kubitzki keine Chance zu haben, wirklich Landrat zu werden. Im schlimmsten Fall würde er alle seine Anhänger noch einmal mobilisieren und vor Altekrüger landen, falls dessen Wähler der Abstimmung am Sonntag massenhaft fernbleiben. Es wäre ein hässliches Signal aus der Lausitz. Doch in einem solchen Szenario müsste die Wahlbeteiligung so gering ausfallen, dass die Wahl nicht gilt. Denn bei der Landrätedirektwahl in Brandenburg gibt es ein Quorum. Der Sieger muss mindestens 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten auf sich vereinen. Schafft er das nicht, zählt das Votum der Bürger nicht und über den neuen Landrat entscheiden die Kreistagsabgeordneten.

Am 22. April lag die Wahlbeteiligung in Spree-Neiße mit 43 Prozent noch vergleichsweise hoch, weil zeitgleich Bürgermeisterwahlen in den größeren Städten Forst und Guben stattfanden. Bürgermeisterwahlen stoßen gewöhnlich auf mehr Interesse, und so ist es auch diesmal in Forst und Guben gewesen. Am kommenden Sonntag, zeitgleich mit der Landratsstichwahl, werden die Bürgermeisterstichwahlen stattfinden. Darum fragt sich mancher, ob die mögliche linke Strategie, der Landratsstichwahl fernzubleiben, nicht in die Hose gehen und Kubitzki zum Landratsposten verhelfen könnte.

Also lieber den CDU-Mann Altekrüger als das kleinere Übel ankreuzen? Altekrüger ist früher Lehrausbilder im Maschinen- und Anlagenbau gewesen, dann Bereichsleiter beim TÜV und schließlich Bürgermeister der Kleinstadt Drebkau, bevor er vor acht Jahren den Landratsposten übernahm. Er wird als ein im persönlichen Umgang durchaus sympathischer Mann beschrieben, der sich rühmt, die Verschuldung des Landkreises von 46 Millionen Euro auf Null heruntergefahren zu haben.

Wenn sich Linke fragen, ob sie in den saueren Apfel beißen, in der Stichwahl den CDU-Politiker anzukreuzen, um den AfD-Kandidaten zu verhindern, so finden sie in Altekrügers Wahlversprechen durchaus ein paar angenehme Sätze. Mal abgesehen von seinem Ja zur heimischen Braunkohle, das sich nicht mit der Beschlusslage der Linkspartei deckt. Immerhin möchte Altekrüger elternbeitragsfreie Schulbusse und für den ländlichen Raum eine weiterführende Schule, und zwar vorzugsweise eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Außerdem sichert er zu: »Ich werde mich weiterhin dafür engagieren, dass Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit keine Chance haben. Menschen in Not zu helfen ist ein Grundprinzip humanitären Handelns.«

Es ist im Kreistag einige Male vorgekommen, dass CDU und LINKE gemeinsam gestimmt haben. Trotzdem gibt es von den Sozialisten keinen Aufruf, in der Stichwahl Altekrüger anzukreuzen. Warum? Weil dem Landrat vorgeworfen wird, mit seiner Politik der ruhigen Hand in den vergangenen acht Jahren die vorhandenen Probleme nicht gelöst zu haben. So könnte die Gesamtschule für den ländlichen Raum längst fertig sein, heißt es.

Das erklärt die salomonische Formulierung des LINKE-Kreisvorsitzenden Matthias Loehr, der selbst Landratskandidat war und am 22. April mit 16,5 Prozent als Drittplatzierter ausgeschieden ist. Loehr sagt: »Steffen Kubitzki (AfD) konnte im zurückliegenden Wahlkampf weder verdeutlichen, warum er ein geeigneter Kandidat ist, noch hat er auch nur eine entfernte Vorstellung von den Aufgaben eines Landrates. Seine Wahl ist für Spree-Neiße keine Alternative!«

Punkt. Mehr gibt es nicht als offizielle Stellungnahme. Keine Wahlempfehlung für Altekrüger. Nur den selbstverständlichen Hinweis, dass Kubitzki nicht in Frage komme.

Derweil versuchte Kubitzki, ein paar LINKE-Anhänger zu sich hinüberzuziehen. Ausdrücklich riet er seinen Helfern, beim Einwerfen von Werbematerial in die Briefkästen, wenn sie einen Linken als Nachbarn haben: »Haut gleich drei Flyer rein, vielleicht kriegen wir'n irgendwie rum.«

Nur ein Beweis für die Inkompetenz von Kubitzki ist die hemdsärmelige Rede, die der Richtmeister aus der Kraftwerksbranche am 14. April bei einer Kundgebung des asylfeindlichen Vereins »Zukunft Heimat« in Cottbus hielt. Im Internet gibt es ein Video von diesem Auftritt. Da ist zu sehen beziehungsweise zu hören, dass der Herr von der Alternative für Deutschland seine Muttersprache nur mangelhaft beherrscht. Perfektes Hochdeutsch muss nicht sein. Dialekt kann volkstümlich wirken. Doch bei Kubitzki hapert es mit der Grammatik. »Ihr da oben, hört uff mit die Scheiße in Syrien«, schimpft er über die USA, Großbritannien und Frankreich, die völkerrechtswidrige Raketenangriffe verübten. Aufgeregt kramt er in seinen Zetteln, um Worte der Ex-Bundestagsabgeordneten Vera Lengsfeld (CDU) aufzusagen. Doch er vermag seine Schmiererei nicht zu entziffern und muss das Zitieren abbrechen. Beim Ankündigen einer Demonstration der AfD weiß er die genaue Uhrzeit nicht mit Bestimmtheit.

»Man hat versucht, uns natürlich als Rechte hinzustellen. Aber die Sache funktioniert ja nicht mehr«, beschwert sich Kubitzki. »Jetzt versucht man, die Kandidaten hinzustellen - für blöd.« Wenigstens gibt der 54-Jährige zu, kein begnadeter Redner zu sein. Er ist das krasse Gegenteil davon. Die Masse jubelt ihm in Cottbus trotzdem zu, wenn er sich siegesgewiss gibt. Aus Prinzip!

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