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Der dunkelste Tag

DGB erinnert mit Gedenkfeier an 85. Jahrestag der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg (DGB) hat am Mittwoch mit einer Gedenkkundgebung an die Besetzung der Gewerkschaftshäuser vor 85 Jahren und den gewerkschaftlichen Widerstand gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft erinnert. »Der 2. Mai ist der dunkelste Tag in der Gewerkschaftsgeschichte in Berlin und Brandenburg«, sagte der Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach, vor dem ehemaligen Sitz der DGB-Vorgängerorganisation Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund (ADGB) in der Inselstraße in Mitte. Niemals werde man die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter vergessen, die unter Einsatz von Freiheit, Gesundheit und Leben den Widerstand gegen die Nationalsozialisten organisiert hätten, so Hoßbach. Auch heute gelte es wieder, die Demokratie zu verteidigen. »Wenn einzelne Gruppen angegriffen werden, wie jüngst mit den Angriffen auf Kippa-Träger geschehen, müssen wir sofort reagieren«, sagte der Gewerkschafter.

Am 2. Mai 1933 stürmten bewaffnete Einheiten von SA und SS in Berlin und im gesamten Reichsgebiet koordiniert die Gewerkschaftshäuser. Sie verhafteten Gewerkschaftsfunktionäre und verschleppten sie in Konzentrationslager. Viele von ihnen wurden gefoltert und ermordet. Das gesamte Vermögen der Gewerkschaften wurde enteignet. Nach der Erstürmungsaktion gab es bis zum Ende des NS-Regimes 1945 in Deutschland keine freien Arbeitervertretungen mehr.

Der Politologe Stefan Heinz von der Freien Universität Berlin erläuterte während der Gedenkfeier in einem Vortrag, dass die Zerschlagung der Gewerkschaften einen wichtigen Schritt für die Zementierung der nationalsozialistischen Herrschaft darstellte. »Der 2. Mai 1933 markiert den Schlusspunkt einer ganzen Welle von Repressionen gegen Gewerkschafter«, sagte Heinz. Die freien Gewerkschaften waren den Nationalsozialisten wegen ihrer politischen Verbindungen zu den Sozialisten und Kommunisten ein Dorn im Auge, erläuterte Heinz. »Die Gewerkschaften wurden zerschlagen, weil sie als potenzieller Widerstandsfaktor gegen das System galten.« Der Wissenschaftler forscht unter anderem zur Geschichte der Verfolgung und des Widerstandes im Nationalsozialismus sowie zu Geschichte und Politik von Gewerkschaften.

Annelie Buntenbach, Mitglied des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes, betonte in ihrer Gedenkrede die Wichtigkeit des Einsatzes für Toleranz und Demokratie in der Gesellschaft. »Der 2. Mai sollte für uns auch eine Mahnung sein, dass man sich neuen und alten Faschisten konsequent entgegenstellen muss, mit allem Engagement«, sagte Buntenbach. Gewerkschafter müssten eine aktive Rolle bei der Verteidigung der Menschenwürde spielen. »Wenn wir uns für mehr Mitbestimmung am Arbeitsplatz einsetzen, stärken wir damit einen essenziellen Part der demokratischen Gesellschaft«, sagte Buntenbach.

Im Zuge der Gedenkveranstaltung wurde auch die Ausstellung »Für eine starke Republik! Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 1924 - 1933« in den Räumen in der Inselstraße eröffnet. Das 1924 gegründete Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold war eine überparteiliche Kampforganisation zum Schutz der Weimarer Republik. Viele Gewerkschafter und Sozialdemokraten zählten zu den Mitgliedern. Ziel der Organisation war es, die von radikalen Kräften auf der Linken und der Rechten bedrohte Weimarer Demokratie mit Wort und Tat zu verteidigen. Etwa drei Millionen Mitglieder setzten sich für den Bestand der Republik zumeist gegen nationalsozialistische und kommunistische Angriffe zur Wehr. Fast 100 Reichsbannerangehörige verloren bei Straßenschlachten und durch gezielte Attentate ihr Leben.

Die als Wanderausstellung konzipierte Schau des Bundesverbandes Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. dokumentiert auf 20 Tafeln mit historischen Dokumenten und Fotos den umfassenden Einsatz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold für die Demokratie in der Weimarer Republik.

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