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Wenn Romantik nicht mehr reicht

Die deutschen Basketballklubs wollen mehr Geld ranschaffen. Für Tradition ist kaum Platz

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.

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Marco Baldi redet seinen eigenen Verein gern mal kleiner als er ist. Alba Berlin könne finanziell nicht mit München und Bamberg mithalten, betont er oft. Ganz falsch ist das nicht. Eine totale Chancenlosigkeit wäre aber auch übertrieben. Unter die besten vier der Basketball-Bundesliga BBL zu kommen sei ein hehres Ziel, so Baldi. »Wir wollen Spieler entwickeln und das mit guten Ergebnissen vereinen - wenn es möglich ist. Das hat in diesem Jahr sehr gut geklappt«, fasste der Manager kurz vor dem Playoff-Start an diesem Sonnabend die Klubphilosophie und deren Umsetzung in der bisherigen Spielzeit zusammen. Am Ziel habe sich aber nichts geändert.

Das Wort Meisterschaft - zehn Jahre nach der letzten - nimmt Baldi nicht in den Mund, auch wenn Alba hinter dem FC Bayern Vorrundenzweiter wurde und 19 der letzten 20 Spiele gewann. Sogar Bamberg und München wurden bezwungen, aber Baldi warnt lieber vor dem Viertelfinalgegner Oldenburg: »Diese Mannschaft ist sehr erfahren, das macht viel aus. Unser Team ist dagegen sehr jung.« Noch so ein Beispiel des Understatements, denn die Stützen des Teams wie Peyton Siva (27) und Luke Sikma (28) sind längst keine Junioren mehr. Und Trainer Aito (71) kann ohnehin keiner mehr überraschen.

Ein bisschen mehr Mut, etwas forschere Ansagen, eine breitere Brust würde man Albas Manager Baldi also schon mal wünschen, wenn es gut läuft für seine Mannschaft. Doch solche Töne liefert er lieber ab, wenn er über die BBL als gesamte Liga spricht. Jüngstes Beispiel ist der umstrittene Entschluss der Klubvereinigung, dass ab 2019 alle Erstligisten einen Jahresetat von mindestens drei Millionen Euro aufweisen müssen, um die Spiellizenz zu erhalten. Das ist ein großer Sprung, denn bislang lag die Untergrenze bei zwei Millionen Euro. Kein Wunder also, dass die Änderung von sechs Vereinen abgelehnt worden war - darunter die Ostklubs Rockets Erfurt, Science City Jena und der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) aus Weißenfels. Keiner von ihnen hat bisher die neue Marke geknackt, Erfurt ist sogar abgestiegen. Ob der direkte Wiederaufstieg und in der Anschlusssaison eine deutliche Etaterhöhung gelingen können, ist fraglich, vor allem, da Vereine im Osten oft argumentieren, dass das Sponsorenumfeld nicht so ausgeprägt und finanzkräftig sei wie etwa in Bayern oder Baden-Württemberg, wo allein sieben der 18 BBL-Klubs zu Hause sind.

Das Argument will Marco Baldi nicht stehenlassen: »Bamberg hat das achthöchste Budget in ganz Europa, obwohl da auch kein riesiger Markt vorhanden ist. Auf der anderen Seite ist Berlin sehr groß, aber hier konkurrieren mehr als 100 Erstligisten um die Gunst der Fans. So hat jeder Verein seine Probleme und versucht sie auf seine Art zu lösen« Die Frage des potenten Umfelds sei daher relativ.

Ganz klar ist für Baldi aber, dass gemeinsame Anforderungen nötig seien, denn jede bedeutsame Liga habe sich in den vergangenen Jahren ausschließlich über Standards weiterentwickelt, angefangen von der NBA, aber auch die Euroleague oder die Fußball-Bundesliga. Damit stelle man sich zwar selbst Hürden auf, die einer größeren Anstrengung bedürfen und mehr Investitionen erfordern, die seien aber essenziell, um eine Stagnation zu verhindern. »Nur so sind wir Anfang des Jahrtausends auch aus den Schulturnhallen raus - und in große Arenen reingekommen. Das gab dann endlich ein ordentliches Fernsehbild und einen größeren Anreiz für die Zuschauer«, gibt Baldi ein Beispiel für eine gelungene erzwungene Weiterentwicklung der Basketball-Bundesliga.

Traditionsmannschaften wie Bayer Leverkusen oder Brandt Hagen sind dabei jedoch auf der Strecke geblieben. Dafür kämpft nun der FC Bayern München auch in dieser Sportart um Deutsche Meisterschaften. Quakenbrück war zwischenzeitlich auch mal mit oben dabei, war aber von einem Mäzen abhängig und flog aus der Liga, als der sich zurückzog. »Eine Gefahr, dass sich Klubs durch die Etaterhöhung jetzt übernehmen, sehe ich nicht, denn die war vorher schon da. Das hängt immer davon ab, wer welche Risiken eingeht und wie die Kontrollgremien funktionieren«, so Baldi.

Übrigens ist selbst bei den Ostklubs die Ablehnung der neuen Pläne nicht einhellig. So sagte MBC-Beiratschef Jörg Hexel jüngst: »Für uns ist das eine Riesenherausforderung, aber auch eine Riesenchance. Mir kann niemand sagen, dass es nicht möglich wäre, den Etat dementsprechend zu erhöhen. Nur müssten sich dazu eben die finanzkräftigen Sponsoren zum MBC bekennen.« Das Überleben des Traditionsklubs weiterhin dem Engagement kleiner und mittelständischer Unternehmen zu überlassen, während die großen Firmen lieber im Fußball investieren, sei dann eben nicht mehr möglich, so Hexel.

So ist dann auch Baldi überzeugt, dass in Sachsen-Anhalt oder Thüringen genügend Finanzkraft vorhanden ist. »Wir haben vier oder fünf Vereine in der Liga, die das Budget noch nicht erreicht haben. Aber ich bin ganz sicher, dass sie da auch hinkommen werden«, sagt der Berliner Manager. Speziell für die Weißenfelser hegt Baldi große Sympathien: »Ich respektiere den Klub sehr, weil er sein Niveau immer gehalten hat, egal in welcher Liga er spielte. Die Leute sind auch dageblieben, als es mal nicht so lief.« Das allein könne aber auf Dauer nicht reichen. »Ich bin durchaus Sportromantiker. Wenn es mit Romantik klappt, ist das super. Wenn sie aber nicht reicht, um genügend Leute zu begeistern und sich weiterzuentwickeln, ist der Sport relativ hart: Dann steigt man ab. Das erleben wir auch im Fußball, wo Kaiserslautern gerade in die 3. Liga abgestiegen ist.«

Die BBL müsse permanent Ambitionen schüren: »Schließlich reden wir von einer Eliteliga.« Und die will sich - früheren Beschlüssen zufolge - auf Dauer hinter dem Fußball als Nummer zwei im Land etablieren und die beste europäische Basketballliga sein. Schaut man nach Spanien, Russland oder in die Türkei, dürften dafür aber selbst drei Millionen Euro pro Klub kaum reichen.

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