Werbung

Faßberger verteidigen Hakenkreuzglocke

Niedersachsen: Unterschriftensammlung gegen einen Beschluss der Landeskirche Hannover läuft

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Auch 73 Jahre nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus wollen örtliche Eliten und zahlreiche Einwohner der niedersächsischen Gemeinde Faßberg (Landkreis Celle) an einer umstrittenen Hakenkreuzglocke in der dortigen Michaelkirche festhalten. Die 6000-Einwohner-Kommune ist von einem Bundeswehr-Fliegerhorst und einer nahe gelegenen Rheinmetall-Rüstungsschmiede geprägt.

Die mit dem seit 1945 offiziell verbotenen Nazisymbol verzierte Glocke steht seit Mitte 2017 im Rampenlicht. Damals war bekannt geworden, dass bundesweit noch in rund zwei Dutzend Kirchtürmen Glocken mit Hakenkreuzen, Hitlerabbildungen oder anderen Inschriften aus der Nazizeit in Betrieb waren. Während etliche dieser Glocken inzwischen stillgelegt und entfernt wurden und Kirchengemeinden eine intensive Aufarbeitung der eigenen Geschichte bis 1945 ankündigten, wurde die Faßberger Hakenkreuzglocke nach einer durch Bauarbeiten erzwungenen längeren Pause bei einem Gottesdienst im November 2017 wieder feierlich in Betrieb genommen.

Lesen Sie auch: Hakenkreuz von »Nazi-Glocke« entfernt – Kirchenvorstand in Schweringen hatte die Glocke behalten wollen und Streit in der Gemeinde entfacht

Unter dem Eindruck von Medienberichten, Vorstößen einer örtlichen zehnköpfigen Initiative um den Diplom-Ingenieur Hans-Dietrich Springhorn und einer Intervention der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover beschloss der Kirchenvorstand der örtlichen St. Laurentius-Gemeinde im Februar 2018 den Verzicht auf die Hakenkreuzglocke, die Aufarbeitung der örtlichen Nazivergangenheit sollte beginnen. Die Landeskirche sagte eine Geldspritze für die Anschaffung einer neuen Glocke zu. Dieser Beschluss stieß jedoch bei örtlichen Eliten und Honoratioren auf Widerstand. Anfang März initiierten konservative Akteure ein Begehren, mit dem ein Bürgerentscheid für den fortgesetzten Einsatz der Naziglocke »in der jetzigen Form und Nutzung« erzwungen werden soll. Anwesend beim Gründungstreffen war auch der örtliche Pastor Rudolf Blümcke.

Zu den treibenden Kräften der Initiative gehört der frühere örtliche CDU-Vorsitzende und CDU-Ratsherr Peter Podschun, ein ehemaliger Bundeswehroffizier und Rheinmetall-Manager. Er verkörpert, wenn man so will, den Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes in der Faßberger Kommunalpolitik. Die Unterschriftsbögen liegen in fast allen Läden des Ortes aus. Laut Springhorn dürfte bislang bereits knapp die Hälfte aller Wahlberechtigten den Aufruf unterzeichnet haben.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen