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Warten auf Berlin

Ramelow: Thüringen will mehr Projekte für Langzeitarbeitslose, doch der Bund ist am Zug

Erfurt. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) will das Angebot an öffentlich geförderten Jobs für Langzeitarbeitslose in Thüringen deutlich aufstocken. Er setze auf das von der Bundesregierung angekündigte Geld für zusätzliche Vermittlungen in gemeinnützige Beschäftigung, sagte Ramelow der dpa in Erfurt. »Wir sind einsatzbereit. Jetzt muss nur noch das Geld aus Berlin kommen.« Er verwies auf die Erfahrungen mit dem von der rot-rot-grünen Regierung Ende des Jahres 2015 aufgelegten Landesprogramm, das derzeit etwa 1200 geförderte Stellen für Langzeitarbeitslose in Thüringen biete.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte vor einigen Wochen in Aussicht gestellt, dass es für bundesweite Vermittlungsprojekte eine Anschubfinanzierung von knapp zwei Milliarden Euro geben solle. Ramelow sagte, trotz der in Thüringen gesunkenen Arbeitslosigkeit sei der Arbeitsmarkt zweigeteilt. Menschen, die oft seit Jahren ohne Job seien, hätten es schwer, eine Anstellung zu finden. »Die Mauer für Langzeitarbeitslose wird immer höher. Wir müssen einen Arbeitsmarkt auch für sie schaffen.« Arbeitsmöglichkeiten gebe es reichlich im Freistaat.

Der LINKE-Politiker nannte als Beispiele Lebensmitteltafeln oder Vorleseangebote für ältere oder kranke Menschen. »Das sind Dinge, die immer zu kurz kommen.« Die Arbeit in diesen Bereichen könnte Menschen nicht nur ein faires Einkommen, sondern auch Selbstbewusstsein durch berufliche Integration geben.

Zahlen der Landesarbeitsagentur zufolge gab es im April in Thüringen rund 21 700 Langzeitarbeitslose. Damit war jeder dritte Arbeitslose länger als ein Jahr ohne reguläre Beschäftigung. Nach Einschätzung des Chefs der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, ist es unrealistisch zu glauben, dass alle Langzeitarbeitslosen eine realistische Chance auf Inte-gration in den ersten Arbeitsmarkt haben. Dem stünden auch individuelle Hindernisse entgegen. Senius plädierte ebenfalls für spezielle Angebote für Langzeitarbeitslose - allerdings erst, wenn andere Integrationsbemühungen keinen Erfolg hätten. Die Verdrängung regulärer Beschäftigung müsste dabei verhindert werden.

Derweil scheint sich der Mangel an Nachwuchs in Thüringer Betrieben weiter zu verschärfen. Während die Zahl der Bewerber für Lehrstellen weiter zurückgeht, melden die Betriebe im Freistaat gleichzeitig mehr Ausbildungsstellen. Auch das geht aus Zahlen hervor, die die Landesarbeitsagentur dieser Tage bekannt gab. Demnach meldeten sich für das im Herbst beginnende Ausbildungsjahr bislang 8339 Bewerber bei den Thüringer Arbeitsagenturen - 274 weniger als ein Jahr zuvor. Zugleich sei aber die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze um 443 auf 11 755 Stellen gestiegen. »Unternehmen müssen bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften mehr denn je ihren Fokus auch auf leistungsschwächere Schüler richten«, erklärte Agenturchef Senius. dpa/nd

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