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Produktiver und ungerechter

Hans-Böckler-Stiftung fordert neue Arrangements für die Arbeitswelt der Zukunft

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Beruf des Lastwagenfahrers ist am Aussterben, meint so mancher Zukunftsforscher. Als Beleg dafür gilt, dass das autonome Fahren vor der Einführung steht. Derzeit wird in der Branche aber beklagt, dass rund 54 000 Lkw-Fahrer fehlen.

Das ist nur ein Beispiel dafür, dass die Welt der Arbeit zunehmend unübersichtlich wird. Grund genug für den DGB und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, einen »Atlas der Arbeit« zu erstellen, der die wichtigsten Entwicklungstendenzen aufzeigt. Mit vielen Daten und Fakten, Grafiken und kurzen pointierten Texten werden 26 Themengebiete aus der Welt der Arbeit anno 2018 präsentiert. Letzteres ist dabei wörtlich zu nehmen - es geht um Branchentarifverträge in Deutschland, um EU-Migration oder um moderne Sklaverei in Südasien.

Michael Guggemos, Geschäftsführer der Hans-Böckler-Stiftung, sprach in Anlehnung an Marx von einer »revolutionären Situation, was den Arbeitsmarkt betrifft«. Neue Produktivkräfte erforderten neue Produktionsverhältnisse, die wiederum erstere bedingen, erläuterte er bei der Atlas-Vorstellung am Montag in Berlin. »Die Digitalisierung, veränderte Ansprüche der Menschen an die Arbeit - Stichwort: Work-Life-Balance - und die Alterung der Gesellschaft verlangen neue Arrangements und neue Institutionen am Arbeitsmarkt.« Dabei verwies Guggemos auf den jüngsten Metallabschluss, der erstmals das Bedürfnis nach veränderten Arbeitszeiten in den Vordergrund rückte.

Als weiteres Beispiel nannte er die Plattformökonomie: Wenn kleine Internetfirmen schnell ihren Betriebssitz verlegen könnten, sei unklar, welchem Recht sie unterliegen. Von den Gewerkschaften beauftragte Juristen erarbeiteten derzeit einen Gesetzentwurf, wie sich das Bestellprinzip auf europäischer Ebene verankern ließe. Arbeitsrechtlich entscheidend wäre dann nicht mehr der Firmensitz, sondern der Auftragsort. Bis dahin ist es aber ein langer Weg. Ein erster Schritt könnte ein Labeling sein, wenn die Bundesregierung bei Aufträgen für einfache Programmierleistungen gute Arbeit und Mindestlohnzahlung fordern würde. In größeren Konzernen würden sich Betriebsräte dafür stark machen.

DGB-Chef Reiner Hoffmann verwies darauf, dass es bei den früheren Debatten über die Zukunft der Arbeit nur um Risiken und drohende Massenarbeitslosigkeit ging, heute hingegen um Chancen und Gestaltungsperspektiven. Zum Beispiel beim Arbeitsschutz: Während Belastungen durch schwere Lasten, Staub und Lärm deutlich reduziert wurden, seien psychosoziale Erkrankungen in Folge der Arbeitsverdichtung stark gestiegen. Hier gelte es einzugreifen. Oder bei der Verteilung der Wohlfahrtsgewinne. Beim Fahrdienst Uber, erläutert Hoffmann, gebe es nur 30 Prozent Stillstand - bei Taxibetrieben um 70 Prozent. Die gestiegene Produktivität komme aber nicht den Beschäftigten zugute, die sich als Scheinselbstständige ohne Sozialversicherung verdingen müssten. Stattdessen kassiere der Plattformbetreiber 20 Prozent Provision.

Den Koalitionsvertrag von Union und SPD findet Stiftungschef Guggemos angesichts der Veränderungen in der Arbeitswelt »nicht auf der Höhe der Zeit dessen, was erforderlich ist«. Dabei gehe es gerade um Machtfragen. So müssten die Kontroll- und Gestaltungsrechte der Betriebsräte deutlich gestärkt werden. Auch die Monopol- und Kartellkontrolle ist zu reformieren, da im finanzwirtschaftlichen Bereich durch die großen Vermögensverwalter wie BlackRock neue Kartellformen entstünden.

Der Atlas soll indes nicht Antworten und Lösungen liefern, sondern erst mal nur bei der Aufgabenstellung helfen. Wie Guggemos es formulierte: »Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft haben die Möglichkeit, die Zukunft der Arbeit zu gestalten. Voraussetzung ist das Wissen, was genau passiert, was in die richtige Richtung geht und was womöglich schiefläuft.«

Der Atlas der Arbeit findet sich im Internet unter: www.boeckler.de/atlas-der-arbeit

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