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Ironiebefreit

Campino wurde für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen

  • Von Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Auschwitz, das heißt das, was zum industriell betriebenen Massenmord an den europäischen Juden führte, taugt nicht dazu, zum ritualisierten Lippenbekenntnis zu werden, das uns so leicht, gedanken- und folgenlos über die Lippen kommt wie das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Irgendwann, so ist zu befürchten, kommen nicht nur die Touristen nach Auschwitz, um sich am vergangenen Grauen nur noch zu gruseln, irgendwann, erhält man für Sätze, die auszusprechen keinen Mut, keine Zivilcourage erforderte, das Bundesverdienstkreuz. Und das nur, weil man sich in einer Preisrede dergestalt geäußert hat, dass in der Musik beim Antisemitismus die Grenze überschritten sei.

Andreas Frege (55), dem Sänger der Band Die Toten Hosen, besser bekannt als Campino, könnte genau das passieren: Der Sohn eines Richters und einer Oxford-Absolventin und Enkel eines früheren Präsidenten des Bundesverwaltungsgerichts könnte mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden, weil er bei der Verleihung des Musikpreises »Echo« Selbstverständliches gesagt hat und wohlfeil Ekel vor den geschmacklosen Texten der beiden Rapper Felix Blume (Kollegah) und Farid Hamed El Abdellaoui (Farid Bang) zeigte. Dafür bekam er Applaus von den Medien und vom bürgerlichen Publikum, das Farid Bang und Kollegah mit ihren Texten provozieren wollten. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein (allein die Einrichtung dieses Amtes ist Beleg für die Reduzierung des Gedenkens an die Shoa auf das reine Lippenbekenntnis) hat Campino für die Auszeichnung vorgeschlagen. Campino habe mit seiner Rede bei der Verleihung des »Echo« »vielleicht sogar langfristig unsere Gesellschaft verändert«, meinte Klein zur Begründung.

Klein meinte das vermutlich vollkommen ironiebefreit. Campinos Ehrung dagegen wäre nicht ganz ohne Ironie. Farid Bang und Kollegah könnten sich voller Stolz auf die Schulter klopfen: Neben dem »Echo« hätten sie dann noch eine weitere Auszeichnung ad absurdum geführt.

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