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Möglichst viel Schinkel

Programmwettbewerb zum Wiederaufbau der Berliner Bauakademie bringt Nutzungsideen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

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Seit Jahren prägen gewaltige bauliche Veränderungen die historische Mitte Berlins. Mit dem Wiederaufbau des einstigen Stadtschlosses als Humboldt-Forum einhergehend, schreitet auch die umstrittene Bebauung des Areals um den Schinkelplatz voran, bei der ausgerechnet die vom königlich-preußischen Hofbaumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) geschaffene Friedrichswerdersche Kirche schwere Bauschäden davontrug.

Wie ein Anachronismus in all der neu geschaffenen Pracht wirkt da das Konstrukt aus Baugerüsten und bedruckten Planen, das seit 2004 die äußere Form und Anmutung der einst ebenfalls von Schinkel geschaffenen Berliner Bauakademie am historischen Standort simuliert. Das Gebäude selbst gibt es seit 56 Jahren nicht mehr. Seit 2016 ist der Wiederaufbau als Nationale Bauakademie beschlossene Sache. 62 Millionen Euro hat der Bundestag dafür bewilligt. Am 3. Mai endete ein Programmwettbewerb zur inhaltlichen Ausrichtung dieser künftigen Einrichtung. Der Wettbewerb war vom Bundesbauministerium ausgelobt worden, die Durchführung oblag dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

»Im Grunde geht es darum, die letzte große Baulücke in der historischen Mitte Berlins architektonisch wie inhaltlich zu füllen«, erklärte Marco Wanderwitz (CDU), der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern für Bau und Heimat, am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse dieses Wettbewerbs. »Ich freue mich, dass wir mit der Entscheidung im Programmwettbewerb einen weiteren Schritt zur Wiedererrichtung der Bauakademie vorangekommen sind«, sagte er.

Das Preisgericht hat beschlossen, fünf gleichwertige Preise zu vergeben, um die thematische Breite der herausragenden Konzepte zu würdigen und damit eine umfassende Basis für die nun folgende öffentliche Diskussion zu schaffen, heißt es in der aus diesem Anlass veröffentlichten Mitteilung. Vergeben wurden darüber hinaus fünf Anerkennungspreise. Dotiert waren die Preise mit jeweils 54 000 Euro, die Anerkennungen mit jeweils 17 000 Euro. Bewertet worden waren unterschiedlichste Nutzungs- und Raumkonzepte für das Gebäude, für das lediglich die Kubatur des historischen Vorbilds, für das ein gültiger Bebauungsplan vorliegt, als äußerer Rahmen vorgegeben war.

In dem Programmwettbewerb für die »Wiedererrichtung der Bauakademie Berlin als Nationale Bauakademie« waren 78 Wettbewerbsbeiträge eingereicht worden. Er stand unter dem Motto »So viel Schinkel wie möglich«. Der Wettbewerb richtete sich an Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Kulturmanager sowie an Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Ingenieure.

Mit der Form eines Programmwettbewerbs haben die Auslober Neuland betreten. Es sei dabei darum gegangen, von vornherein jene Fehler zu vermeiden, die beim Humboldt-Forum begangen wurden, betonte Juryvorsitzender Florian Pronold (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium. So sei es zunächst darum gegangen, Ideen zur inhaltlichen Ausrichtung der künftigen Bauakademie, mögliche Nutzer und deren Vorstellungen zusammenzutragen. »Mit der Bauakademie soll mitten in Berlin ein Ort entstehen, an dem im Geiste Schinkels nachhaltiges Planen, Bauen und Stadtentwicklung in den verschiedenen Ausprägungen auf breiter Basis diskutiert und weiterentwickelt werden. Die fünf prämierten Konzepte spiegeln die Vielfalt der unterschiedlichen Funktionen einer künftigen Bauakademie wider.« Bereits verworfen habe man, dass der knappe Raum Platz für Archive oder die Unterbringung von Stipendiaten bieten werde. Als mögliche Nutzer gelten unter anderem die Technische Universität und das Goethe-Institut.

Die Berliner Bauakademie war 1832 bis 1836 nach einem Entwurf Schinkels als Lehranstalt des Bauwesens errichtet worden. Der Bau mit der berühmten Klinkerfassade galt wegen seiner funktionalen Gestaltung und seiner Konstruktion seinerzeit als richtungsweisend. Bei Kriegsende 1945 ausgebrannt, wurde das Gebäude 1962 abgerissen, um dem inzwischen wieder verschwundenen DDR-Außenministerium zu weichen.

»Die besondere Lage der Bauakademie macht sie zu einem der wichtigsten Stadtbausteine in der historischen Mitte Berlins«, sagte Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (parteilos für LINKE). Pronold ergänzte, dass in die Nutzungskonzepte für die Nationale Bauakademie auch die derzeit einsturzgefährdete Friedrichswerdersche Kirche einbezogen werden soll. Im Vordergrund stehe zunächst deren Sicherung.

Ende 2018 soll ein Wettbewerb um die bauliche Realisierung starten.

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