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Karotten machen Kängurus wild

Das Gemüse wirkt auf die Tiere wie Schokolade auf den Menschen

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.

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Karotten machen Kängurus wild

Die Fotos auf Shane Lewis’ Facebookseite sehen grausig aus: Ein tiefer Kratzer an der Schulter, eine Wunde am Bauch, Kängurus, die Menschen anspringen. Kennt man nur die Bilder, so würde man die australischen Beutler für gefährliche Raubtiere halten. Dabei grasen sie normalerweise behäbig in der Sonne. Dass die Beutler sich in Morisset 120 Kilometer nördlich von Sydney in »Bestien« verwandelt haben, liegt vor allem an Karotten. Denn diese füttern ihnen die Touristen, um sie für Selfies an sich heranzulocken. Urlauber sind schon dabei ertappt worden, den Tieren Fast Food oder Chips einzuverleiben.

Karotten sind reich an Carotin und enthalten mehrere Vitamine - für Menschen sind sie eine kalorienarme und gesunde Gemüsesorte. Doch bei Kängurus sieht die Sache anders aus. Sie ernähren sich eigentlich ausschließlich von Gras, Blumen und Blättern. Ähnlich wie Kühe fressen sie ihre Nahrung, würgen sie wieder hoch und kauen sie erneut, bevor sie vollständig verdaut werden kann. Karotten stehen normalerweise nicht auf diesem eher simplen Speiseplan. Doch das Gemüse mundet den Tieren ganz besonders. Kein Wunder, denn aufgrund des Zuckergehalts wirken Möhren laut einem Tierexperten auf Kängurus wie Schokolade auf Menschen.

Inzwischen sind die Tiere so heiß auf ihre tägliche Dosis Karotten, dass sie eine Abhängigkeit entwickelt haben und sich ähnlich wie ein Drogenjunkie verhalten, so der Sender ABC. »Inzwischen werden jeden Tag Leute getreten und gekratzt«, sagt Lewis, der einen Shuttle-Bus betreibt und Urlauber vom Bahnhof zum Kängurutreffpunkt bringt. »Eine Frau musste mit 17 Stichen im Gesicht genäht werden - vom Auge bis zum Kinn.«

Das Problem seien inzwischen auch die Touristenmassen. Jede Woche kämen rund 2000 Menschen. »Und die Kängurus brauchen keine 2000 Karotten oder Bananen, Brot, Chips und Kekse«, sagt Lewis. Der Australier hat eine Aufklärungskampagne gestartet und zeigt Urlaubern Fotos der Verletzungen. Auch ein Schild warnt davor, die Tiere zu füttern. »Das Füttern von menschlicher Nahrung ist schädlich für die Gesundheit der Kängurus«, heißt es. Dass menschliche Nahrung die Tiere krank machen kann, ist bekannt. Die Lumpy Jaw Disease oder Nekrobazillose kommt bei Kängurus in Zoos oder Wildgehegen häufig vor. Die Krankheit führt zu Entzündungen im Mundbereich und wird von Nahrung ausgelöst, die im Mund der Beutler kleinere Verletzungen verursacht, in denen sich Bakterien breitmachen. Werden die Verletzungen nicht behandelt, können die Tiere sterben.

Inzwischen beschäftigt der Känguru-Tourismus sogar das Parlament des Bundesstaates New South Wales. Greg Piper, der lokale Abgeordnete für Morisset, schilderte dort die Situation und warb dafür, Schilder in mehreren Sprachen aufzustellen und mehr Wildhüter in die Region abzustellen. Der Politiker produzierte ein Video, das er auf sozialen Medien teilte, um deutlich zu machen, wie sehr die Situation inzwischen entgleist ist. Er schrieb dazu, dass er die Leute nicht davon abhalten wolle, die Kängurus zu besuchen, aber dass es eine koordinierte Antwort geben müsse, »um die Kängurus sowie die Menschen, die sie besuchen, zu schützen«.

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