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Im Nirgendwo

Eleanor Friedberger

Wenn sonst nichts geht, darf es ausnahmsweise auch mal eine Indie-Disco sein. Bei Eleanor Friedberger war’s der Gothic-Club »Rebound« in Athen, in dem sich unbekannte baltische Bands, die an The Cure, Christian Death oder Joy Division erinnern, die Klinke in die Hand geben, derweil schwarz gekleidete Menschen mit ernsten Gesichtern den Chicken Dance tanzen.

Eigentlich war die aus Illinois/USA stammende Musikerin nach Griechenland gereist, um die Lebensspuren ihrer Großmutter ausfindig zu machen. Künstlerisch inspirierend war diese Suche dann leider nicht, der Besuch des Indie-Clubs aber sehr wohl. Friedberger lauschte, tanzte, ließ im finsteren »Rebound« die Arme durch die Luft kreisen. Wieder daheim, setzte sie sich an die Aufnahmen zu ihrem vierten Album.

»Rebound«, so sein Titel, erinnert tatsächlich an die 80er Jahre. An düster-depressiven Postpunk à la Joy Division fühlt man sich jedoch keineswegs erinnert, was angesichts allzu oft kopierter Hits dieser und ähnlicher 80er-Bands gar nicht schlecht ist.

Friedberger ist schon lange dabei. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Matthew begeisterten beide als Experimentalpopduo The Fiery Furnaces von 2000 bis 2011 ihre Fans mit angeschrägten Nerd-Pop-Miniaturen. Anlässlich ihres zweiten Soloalbums »Personal Record« von 2013 sagte die Multiinstrumentalistin einmal: »Die besten Songideen kommen mir, wenn ich mit dem Fahrrad über New Yorks Brücken brettere.« Ein herrlich verspieltes, zwischen luftigem Art-Pop, Minutemen-Postpunk und quirligem Folkrock angesiedeltes Album ist »Personal Record« - mindestens so eigensinnig wie die neue Platte. Die ist natürlich auch sehr schön, klingt aber vollkommen anders. Vor allem schwebt sie die meiste Zeit. Das Hitpotenzial einiger nachdenklicher Songs versteckt sich gekonnt. Hier und dort hört man ein einsames Gitarrenriff, die digitalen Drumbeats verbleiben diskret im Hintergrund. Songwriting und Melodieführung sind subtil bis raffiniert, nicht selten denkt man an dezentere Stücke von Fleetwood Mac, Laurie Anderson oder Prefab Sprout. Auch das wunderbare Softpop-Album »Kaputt« von Destroyer kommt einem in den Sinn.

Melancholische Keyboards balancieren an mediterranes Himmelssphärenblau gemahnende Sounds, darüber singt die 41-Jährige mit ihrer klaren, sanft-sonoren melodiegebenden Stimme über Missverständnisse, Lebenszweifel, Wunschmaschinen und Sehnsuchtsorte. Sie lebt, liebt, sucht, verschwendet sich, sitzt zwischen den Stühlen. Und klingt dabei ein weiteres Mal wissend, lebensklug, heiter und traurig zugleich. Und wie die auf und durch allerlei Wolken gleitende Musik ist auch Friedberger als Erzählerin nicht ganz leicht zu fassen und immer ein wenig im Verschwinden begriffen. »It’s nice to be nowhere«, singt sie. »Nice to be nowhere with you«.

Eleanor Friedberger: »Rebound« (French Kiss)

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