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Russland leitet den Ölfluss um - nach Fernost

Weniger Lieferungen nach Europa wegen der Sanktionen / EU-Länder kaufen mehr in den USA ein

  • Von Bernd Schröder
  • Lesedauer: 2 Min.

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Russland, der weltgrößte Rohölförderer und seit vergangenem Jahr auch Spitzenexporteur, ist nunmehr auch Top-Lieferant Chinas und hat damit Saudi-Arabien abgelöst. Der Rollenwechsel ist Ausdruck der chinesischen Bemühungen, sich unabhängiger von Seetransporten zu machen. Russland hofft, einen größeren Teil des schnell wachsenden chinesischen Ölmarktes zu erobern - zu Lasten des bisherigen Hauptabnehmers von russischem Öl: Europa. Hauptgrund sind die 2014 verhängten und schrittweise verschärften Sanktionen des Westens, die Investitionen in russische Ölprojekte erschweren und die Lieferung von Fördertechnologien verbieten.

China importiert den Großteil des russischen Öls über Pipelines. Hinzu kommen Tankerlieferungen aus den Pazifikhäfen Kosmino, De-Kastri und Prigorodnoje. Bei der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline des staatlichen russischen Betreibers Transneft bringt ein Abzweig Öl von den sibirischen Förderstätten über 3800 Kilometer nach Daqing, dem Zentrum der chinesischen Erdölindustrie. Die Trasse war 2011 eingeweiht worden; zu Neujahr 2018 ging eine Erweiterung ans Netz, die die Transportkapazität auf 600 000 Fass (à 159 Liter) täglich oder 30 Millionen Tonnen im Jahr verdoppelt hat.

Vor der Fertigstellung der Pipeline war das Öl noch wesentlich teurer per Bahn herangeschafft worden. Nach der endgültigen Fertigstellung soll russisches Öl auch über das Terminal in Nachodka nach Japan und Südkorea verschifft werden.

Die russischen Pipeline-Exporte nach China sind im ersten Quartal 2018 um 43 Prozent auf rund 750 000 Fass pro Tag gestiegen, wie Daten von Transneft zeigen. Dagegen sind laut einem Bloomberg-Bericht die Rohölexporte per Schiff aus den westlich gelegenen Häfen Russlands am Schwarzen Meer und in der Ostsee zwischen Januar und Mai um 19 Prozent zurückgegangen, auf 1,86 Millionen Fass pro Tag. Der Rückgang betrifft vornehmlich Lieferungen in die EU. Daher könnten europäische Raffinerien nach Ansicht von Beobachtern versuchen, Teile des ausbleibenden russischen Öls durch Rohöl aus dem Nahen Osten und den USA zu ersetzen. Laut vorläufigen Zahlen haben die Exporte von US-Rohöl und -Kondensat nach Europa im April ein Allzeithoch von rund 550 000 Fass pro Tag erreicht haben. Händler erwarten, dass das Wachstum in diesem Jahr anhalten wird. Gingen 2017 noch sieben Prozent aller US-Ölexporte nach Europa, könnten es in diesem Jahr bereits zwölf Prozent sein.

Russlands Strategie, wegen der sich verschlechternden Beziehungen zum Westen seine Exporte nach China auszuweiten, könnte die globalen Ölflüsse dauerhaft verändern. Auch Europa könnte unversehens an einem Scheideweg stehen. Denn die Einfuhren von russischem Öl sind nach wie vor erheblich: 2017 machten sie 29 Prozent der EU-Importe aus. Die USA rangierten mit 1,75 Prozent unter ferner liefen.

Münzenbergforum

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