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Gentrifizierungsbeschleuniger Google

Nachbarschaftsinitiativen informieren in Broschüre über die Folgen der Ansiedlung von Internetunternehmen

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»Aus den Entwicklungen in San Francisco und Seattle lernt die Berliner Politik nicht«, sagt Olga Gerstenberger von der Kreuzberger Initiative »Lause bleibt«. Dort habe »der Zuzug der WebTech-Branche in die urbanen Gebiete zu massiver Verdrängung und einer rabiaten Umgestaltung der Innenstädte geführt«, so Gerstenberger weiter. Sie kämpft zusammen mit weiteren Initiativen gegen den kompletten Ausverkauf des Szenebezirks.

Am Mittwochabend stellten die Aktivisten im gentrifizierungsbedrohten Gewerbe- und Wohnkomplex Lausitzer Straße 10/11 ein Heft unter dem Titel »Keine guten Nachbarn: Google & Co - Informationsbroschüre für den Kiez« vor. Auf 36 Seiten soll die Kritik an der Ansiedlung von Strukturen der WebTech-Industrie in Wohngebieten mit Hintergrundinformationen zu Unternehmen, die in Berlin prominent aktiv sind, unterfüttern. Behandelt werden unter anderem der Suchmaschinengigant Google, der Online-Modeversender Zalando sowie dessen Mutterkonzern Rocket Internet.

»Es ist bezeichnend, dass die Unternehmen als Hubs und Acceleratoren fungieren, zunehmend aber auch als Immobilieninvestoren«, sagt Anne Huffschmid von »metroZones«, einer unabhängigen Vereinigung für kritische Großstadtforschung. Acceleratoren sind Institutionen, die Start-ups durch Coaching zu einer schnellen Entwicklung verhelfen. Einer dieser Hubs ist »Full Node Berlin«, wo Gründer aus der boomenden Blockchain-Technologiesparte unterkommen können. Es hat kürzlich im riesigen Postgebäude an der Skalitzer Straße eröffnet. Die Immobilie wurden von den Samwer-Brüdern gekauft, den Gründern von Rocket Internet.

Der öffentliche Protest im Kiez richtet sich vor allem gegen die für den Herbst vorgesehene Eröffnung des Google Campus an der Ohlauer Straße in einem ehemaligen Umspannwerk. Diesen Sommer soll er intensiviert werden. »Das ist nur die Spitze des Eisbergs einer tiefergehenden Kritik an der sozialunverträglichen Ansiedlung großer Tech-Konzerne im Kiez«, sagt Stefan Klein von der Initiative GloReiche Nachbarschaft. »Auch ohne Tech-Wirtschaft sind in Berlin steigende Mieten und Verdrängung Alltag. Vor allem die Nachbarschaften um den Görlitzer Park herum scheinen für die Ansiedlung von Hubs und Acceleratoren freigegeben.«

In San Francisco sei die Dystopie inzwischen Realität, 5300 Dollar Monatsmiete - derzeit umgerechnet knapp 4500 Euro - müsse dort bereits für eine Drei-Zimmer-Wohnung gezahlt werden, erklärt die Kulturwissenschaftlerin Huffschmid. Google betone zwar stets, der »Community« etwas zurückgeben zu wollen. »Es geht aber nicht um die Nachbarschaft, sondern um die Tech-Community«, konstatiert sie. Start-ups setzten die stattfindende Gentrifizierung nicht ursächlich in Gang, räumen die Aktivisten ein. »Sie ist aber ein Zeichen, dass sie dort die entsprechenden Arbeitskräfte finden.«

Überhaupt, die Arbeitskräfte. Die Unternehmen gäben sich »divers, alternativ und liberal«, so Gerstenberger. »Dabei herrscht auch hier der kapitalistische Alltag: prekäre Arbeitsverhältnisse, Leistungsdruck, Konkurrenz, sexistische und rassistische Vorfälle sind keine Ausnahme, sondern haben Struktur«, ist sie überzeugt.

Auch das Konzept der »Smart-City« wird kritisiert. Sie sei »ein Konstrukt, mit dem die Kommerzialisierung und Verwertung öffentlicher Infrastruktur mittels digitaler Technologien vorangetrieben wird - teilweise mit neuen Mitteln der totalen Überwachung«, sagt Konstantin Sergiou von »Bizim Kiez«. »Die Politik überlässt die Stadt den Konzernen als Experimentierfeld, ohne dass die Stadtgesellschaft ihr demokratisches Mitsprache- oder Verweigerungsrecht ausüben kann.«

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