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Komplettierung einer Magistrale

Karl-Marx-Allee soll weitere Pavillons erhalten - dem liegt eine 60 Jahre alte Idee zugrunde

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 2 Min.

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1970 haben Thomas Natschinski und seine Bandkollegen der »Mokka-Milch-Eisbar« an der Karl-Marx-Allee mit dem gleichnamigen Popsong ein musikalisches Denkmal gesetzt. Die legendäre Bar gibt es so nicht mehr, doch der Pavillon mit der Glasfassade neben dem Kino »International« beherbergt auch heute noch ein Lokal.

Fünf in ihrer Erscheinung ähnliche Bauten sind im Bereich des sogenannte II. Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee zwischen 1961 und 1964 entstanden - ursprünglich geplant waren 1959 elf. Sie sollten zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz das Gesicht dieser Nord-Süd-Ausfallstraße prägen, und sie standen - das war damals sehr modern - für die räumliche Entkopplung der Wohn- von den Einkaufsbereichen. Darauf machte der Bauhistoriker Thomas Flierl am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus Mitte aufmerksam. Flierl ist zugleich Projektkoordinator für Berlins UNESCO-Welterbe-Bewerbung für Karl-Marx-Allee, Hansaviertel und Corbusierhaus (»Doppeltes Berlin«) und warb an diesem Abend für einen behutsamen, intelligenten Umgang mit dem denkmalgeschützten Gesamtareal.

Die in den 1960er Jahren beiderseits des Boulevards erbauten Pavillons erfüllten nicht die ihnen zugedachte Schaufensterfunktion. In ihnen sollte, wie Flierl erinnerte, die DDR-Volkswirtschaft mit ihren modernen Konsumgütern um Käufer werben und zum Flanieren einladen. Und sie sollten dem Boulevard etwas Weltstädtisches geben. Dass es nicht so kam, lag an den hohen Kosten, am knappen Warenangebot und der Konzentration auf die Neugestaltung des Alex. So entstanden außer der Mokka-Milch-Eisbar nur der Kosmetiksalon »Babette« (heute Bar) neben dem Café Moskau, das Blumenhaus Interflor und der Modesalon Madeleine am U-Bahnhof Schillingstraße (»Camp 4«), der Salon Kunst im Heim (Galerie Captain Petzel), das Schuhaus Zentrum (Fahrrad Flöckner). Es sind Zweigeschosser mit Glasfassaden.

Demnächst beginnt der Umbau der Straßenverkehrsinfrastruktur der »neuen« Karl-Marx-Allee. Seit 2010 entwickelt der Bezirk Mitte eine zukunftsfähige städtebauliche Perspektive für diesen Bereich. Wobei Konsens sei, die ursprüngliche Planung der Pavillons wieder aufzugreifen und zu Ende zu bauen, erklärte Bezirksbaustadtrat Ephraim Gothe (SPD), der zu dem Abend eingeladen hatte. Strategischer Partner dafür sei die WBM Wohnungsbaugenossenschaft Mitte, der Grundstückseigner.

Vorgesehen ist, die Allee zwischen Schillingstraße und Alex mit sechs Pavillonbauten in ähnlicher Typologie (T- oder L-förmig, als Riegel oder Kubus), aber zeitgemäßer Interpretation »nachzurüsten«. Fünf Architekturbüros haben dazu erste Entwürfe eingereicht. Entscheidend für deren Realisierbarkeit ist die künftige Nutzung. WBM-Bereichsleiter Fred Sommermeier stellte klar, dass es hier um Gewerbeimmobilien gehe, für die die Refinanzierung ausschlaggebend sei. Julia Dobbert vom Nachbarschaftsrat pochte auf Mitsprache, die Anwohner wollen möglichst wenig Kommerz, wünschen sich ein Wohngebietszentrum und mehr Kultur.

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