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  • Treffen kroatischer Faschisten

Proteste gegen Ustaša-Aufmarsch

Im österreichischen Kärnten fand eines der größten Faschistentreffen Europas statt

  • Von Michael Bonvalot, Wien
  • Lesedauer: 3 Min.

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Quer über die Straße hat jemand die Worte »Smrt fašizmu« gemalt, »Tod dem Faschismus«. Es ist die berühmte Losung der jugoslawischen Partisanen. Tausende Faschisten werden im Lauf des Tages daran vorbeigehen müssen. Viele wirken wütend, als sie die Aufschrift sehen.

Es ist einer der größten faschistischen Aufmärsche Europas, der jedes Jahr Mitte Mai im österreichischen Bleiburg stattfindet. Um die zehntausend Personen sollen es in diesem Jahr gewesen sein, die sich in dem kleinen Ort an der Grenze zwischen Kärnten und Slowenien versammelten.

Für kroatische Faschisten hat Pliberk, wie Bleiburg in der Sprache der slowenischen Minderheit heißt, fast mythologische Bedeutung. Hier fand eine der letzten großen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkriegs statt - für die Faschisten endete sie mit einer bitteren Niederlage.

Zehntausende Personen flüchteten 1945 vor den jugoslawischen Partisanen nach Norden. Hauptsächlich waren es Militärs und Anhänger der kroatischen faschistischen Ustaša. In Bleiburg wollten sie sich britischen Truppen ergeben. Allerdings »unter der Voraussetzung, dass der Kampf gegen die Partisanen fortgesetzt würde«, wie der Historiker Hrvoje Klasić gegenüber der österreichischen Tageszeitung »Standard« erklärt. Der Plan ging nicht auf, Partisaneneinheiten konnten die Faschisten gefangen nehmen. Nach verschiedenen Quellen wurden danach 50 000 bis 70 000 Personen von den Partisanen exekutiert. Die harte Abrechnung kam nicht von ungefähr. Der katholisch-kroatische Faschismus der Ustaša hatte unter Juden, Roma, Serben und politischen Gegnern brutal gewütet. Allein im Konzentrationslager Jasenovac hatte die Ustaša bis zu 100 000 Menschen ermordet.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens griffen die rechten Parteien des unabhängigen Kroatien den Mythos Bleiburg neu auf. Vor allem die aktuell regierende Kroatische Demokratische Union (HDZ) tat sich dabei hervor. Die Schwesterpartei von CDU/CSU war dementsprechend auch 2018 wieder mit höchsten Funktionären in Bleiburg vertreten, darunter Parlamentspräsident Gordan Jandroković und Verteidigungsminister Damir Krstičević.

Offiziell handelt es sich beim Aufmarsch in Bleiburg um eine katholische Gedenkveranstaltung. Der Ustaša-Faschismus war katholisch, Priester fungierten sogar als Kommandanten im KZ Jasenovac. Die Verbindungen zwischen Klerus und Faschismus sind bis heute eng, die Messe wurde in diesem Jahr von Želimir Puljić gehalten, dem Bischof von Zadar. Auch die österreichische katholische Kirche ist involviert: Sie gibt die Erlaubnis, dass die kroatischen Amtskollegen ihre Feier abhalten dürfen.

Die tausenden Faschisten zeigen unterdessen bei der Messe und dem anschließenden Marsch zum Gedenkfeld ihre Gesinnung ganz offen. Überall sind Symbole der faschistischen Ustaša-Bewegung zu sehen. Die konkurrierenden kroatischen Rechtsaußen-Parteien zeigen ihre Logos. Immer wieder gibt es Hitler-Grüße.

»Das läuft ganz offen ab. Shirts mit Wehrmachtshelm, SS-Tätowierungen, Ustaša-Embleme. Alles unter den Augen der Polizei«, erzählt Dagmar Schindler. Sie ist stellvertretende Obfrau des KZ-Verbands, einer der großen Opferverbände. »Auffallend ist auch die starke Präsenz von kroatischen Exil-Strukturen aus Österreich und Deutschland«, ergänzt ein Aktivist, der den Aufmarsch bereits seit Jahren beobachtet. Die europaweite Bedeutung betont auch der AK Bleiburg/Pliberk, der intensiv zum Aufmarsch recherchiert hat. Dort wird über die Anwesenheit von Blood-and-Honour-Strukturen wie auch von ungarischen Faschisten berichtet.

Gegen den faschistischen Aufmarsch protestierten in Bleiburg rund 100 Personen aus Österreich, Slowenien und Kroatien. Schindler kündigt an, dass es im kommenden Jahr deutlich mehr werden sollen: »Das war ein Anfang. Doch 2019 wird der Protest wesentlich breiter und internationaler werden.«

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