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Alte Grundtugenden und neuer Geschäftsführer

Der VfL Wolfsburg besinnt sich vielleicht gerade noch rechtzeitig vor der Relegation auf den Zusammenhalt

  • Von Frank Hellmann, Wolfsburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am Sonntag hätte es für Bruno Labbadia zwei denkbare Besuchsziele gegeben. Zum einen hätte der Trainer des VfL Wolfsburg 275 Kilometer über die stauanfällige A7 nach Kiel fahren können, um ein letztes Mal den Gegner in der Relegation zu begutachten. Oder der 52-Jährige wäre am Nachmittag auf dem Vereinsgelände in das kleinere Zweitstadion gegangen, um die VfL-Frauen beim ersten von drei möglichen Titelgewinnen in dieser Spielzeit zu beobachten. Dort schafften die Frauen mit einem 2:0 gegen die SGS Essen zum vierten Mal nach 2013, 2014 und 2017 das, was den Männern nur einmal 2009 gelungen war: deutscher Meister zu werden.

Die Gratulation für den »fantastischen Job der Damen«, richtete Labbadia höflichkeitshalber schon am Samstagabend aus. Die Spionagetour im hohen Norden erledigte Assistent Eddy Sözer. Der Cheftrainer wollte am Wochenende lieber bei seiner Mannschaft bleiben. Vor allem gedanklich. Jetzt, wo spät, aber vielleicht doch nicht zu spät in einer merkwürdigen Gemengelage zwischen Trainer und Spielern, Fans und Verein wieder etwas zusammenwächst.

Mit dem 4:1-Pflichtsieg gegen einen weitgehend körperlos agierenden Absteiger 1. FC Köln ist am letzten Spieltag das Worse-Case-Szenario abgewendet. »Wir haben getan, was wir tun mussten: unser Spiel zu gewinnen.« Damit wächst die Zuversicht, nach Eintracht Braunschweig nun auch gegen Holstein Kiel die Versäumnisse einer beinahe saisonübergreifenden Fehlplanung auszubaden.

Zu der zarten Aufbruchsstimmung passt, dass sich am Muttertag die Indizien verdichteten, dass das Aushängeschild der VW-Fußball-Tochter bald nicht mehr führungslos ist. Jörg Schmadtke soll Geschäftsführer Sport werden. Vollzug mit dem 54-Jährigen, nach der Trennung vom 1. FC Köln ohne Anstellung, könne wohl bald vermeldet werden. Labbadia wusste davon nach dem Vormittagstraining jedoch noch nichts, sagte aber: »Klar ist, dass ein Verein in der Position einen guten Mann braucht.«

Auch hier ist der Frauenfußball unter dem VW-Dach ein gutes Beispiel: Mit dem langjährigen Trainer und Sportlichen Leiter Ralf Kellermann, der seit der Saison nur noch Manageraufgaben erfüllt, steht einer dem Bereich vor, der Kontinuität und Kompetenz verkörpert wie kaum ein anderer. Und vielleicht ist die aktuelle Mannschaft doch nicht so blutleer wie befürchtet. Am letzten Spieltag bot Josip Brekalo vor den Augen des im Trainerstab der kroatischen Nationalelf untergekommenen Ex-VfL-Lieblings Ivica Olic seine beste Saisonleistung und leitete die ersten drei Treffer durch Joshua Guilavogui (1.), Divock Origi (54.) und Robin Knoche (71.) ein, ehe das 19-jährige Talent selbst den Endstand besorgte (90.+1).

Dass der VfL-Vorsänger Chris Heise vor Anpfiff das Stadionmikrofon überreicht bekam, um in der erstaunlicherweise nicht ausverkauften Arena einen flammenden Appell herauszuschreien, schien für so etwas wie eine Verständigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gesorgt. Motto: Wir verzichten auf die zuletzt obligatorischen Schmähungen, dafür reißt ihr gut bezahlten Protagonisten euch endlich an den Riemen. Und wofür hat in der Autostadt ein Fußballlehrer angeheuert, dessen Retter-Stern vor drei Jahren über dem Karlsruher Wildparkstadion hell leuchtete. »Die Erfahrung ist unbezahlbar«, sagte Labbadia. Er glaubt genau zu wissen, was am Donnerstagabend im Relegationshinspiel am Mittelkanal und im Rückspiel am Pfingstmontag an der Förde zu tun ist, um am Ende mit dem Kinn über dem Strich zu bleiben.

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