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Botschafterin für Israels liberale Jugend

Nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest wird die israelische Künstlerin Netta angefeindet

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

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Es gibt Termine, die zufällig aufeinander fallen, direkt nichts miteinander zu tun haben und sich doch beeinflussen. Die Künstlerin Netta Barzilai feierte am Sonnabend ihren Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon, während in ihrem Heimatland Israel die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Staates auf ihren Höhepunkt zusteuerten. Dass eine 25-jährige Israelin einen internationalen Musikwettbewerb gewinnt, passte manchem in seine politische Agenda. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte Netta kurzerhand zu »Israels bester Botschafterin«.

Das hat durchaus seine Berechtigung: Netta verkörperte mit ihrem schrill-bunten ESC-Auftritt den liberalen Teil der israelischen Jugend. Ihr Siegertitel »Toy« lässt sich als Äußerung zur Metoo-Debatte lesen. »Ich bin nicht dein Spielzeug, du dummer Junge!«, singt die 1993 in der Stadt Hod Hascharon Geborene selbstbewusst. Das passt nicht allen: Im Internet sieht sich Netta mit zweierlei Anfeindungen konfrontiert. Die Einen beleidigen sie aufgrund ihres Körpergewichts. Dicke Menschen hätten auf der Bühne nichts zu suchen. Netta reagiert darauf souverän, bezeichnet sich selbst ironisch als »fettes Mädchen«.

Andere Anfeindungen haben eine antisemitische Schlagseite. Israels Regierung würde ihre liberalen Haltung gegenüber LGBT-Menschen und der queeren Kultur gezielt inszenieren, um im Nahostkonflikt abzulenken. Netta habe dies mit ihrem ESC-Auftritt für Israel verkörpert.

Wie absurd dieses Argument ist, zeigt sich an der konsequenten Haltung der Künstlerin, die vor ihrem Durchbruch in Tel Aviv Musik studierte und nebenbei als DJ und Sängerin in Clubs und bei Hochzeiten jobbte: Netta stellte nach ihrem Sieg klar, dass sie sich für die Gleichberechtigung aller Menschen ausspricht, explizit auch, was deren sexuelle Orientierung betrifft. Dazu passt, dass ihr Siegertitel aus der Feder von Doron Medalie stammt. Dieser hatte 2013 mit »Tel Aviv, Ya Habibi, Tel Aviv« die inoffizielle Hymne der queeren Community der Stadt komponiert. Die feiert nun Netta, auch wenn das nicht allen passt.

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