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Lob der Kritiker

DGB-Chef Reiner Hoffmann münzt eine Klatsche in eine Stärke um

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Es ist das zweitschlechteste Ergebnis für einen DGB-Vorsitzenden seit 1990, mit dem Reiner Hoffmann am Montag in Berlin für weitere vier Jahre an die Spitze des gewerkschaftlichen Dachverbands gewählt wurde. 76,3 Prozent, das sind zehn Prozent weniger als seine Stellvertreterin Elke Hannack erhielt, der die rund 400 Delegierten des DGB-Bundeskongresses in Berlin die am Vortag beschlossene Frauenquote für sämtliche Gremien des Gewerkschaftsdachverbands gutschrieben. Schnell machte auf den Fluren des Kongresszentrums die Beobachtung die Runde, dass zum ersten Mal in der Geschichte des DGB eine Kandidatin mit CDU-Parteibuch die »Stimmenkönigin« geworden sei. Doch mit der Parteibindung von Hoffmann oder Hannack hat das Ergebnis wenig zu tun, mit den beiden Parteien aber sehr wohl. Denn Hoffmann, der 2014 mit einem Spitzenergebnis von 93 Prozent ins Amt gestartet war, hat diesen Kredit mit seinem Werbefeldzug für die Große Koalition verspielt.

Die große Abrechnung war bei der Aussprache zum Rechenschaftsbericht am Vortag zwar ausgeblieben, aber aus den Diskussionen der vergangenen Monate ist klar, dass er sich damit unter linken Gewerkschaftern unbeliebt gemacht hat. Hoffmann nimmt die Klatsche gelassen, münzt sie vielmehr zu einer Stärke seiner Organisation um: Er sei stolz, sagt er später vor Journalisten, auf solche Vielfalt unter dem Dach des DGB.

Das Vorstandsquartett komplettieren Stefan Körzell und Annelie Buntenbach, die mit über 80 Prozent wiedergewählt wurden. Buntenbach, im Vorstand für Sozialpolitik zuständig, dürften gewerkschaftlich organisierte Senioren einige Stimmen gekostet haben. Gewerkschaftssenioren, die besonders in der Eisenbahnergewerkschaft einigen Einfluss haben, versuchen seit Jahren, als eigene Gruppe mit besonderen Rechten satzungsmäßig verankert zu werden, wie es für Frauen und Jugend der Fall ist. Die Ablehnung ihrer Anträge beim DGB-Kongress lasten sie Buntenbach persönlich an.

Dabei ist die Sicht auf allen Gewerkschaftsebenen verbreitet, dass der DGB und seine Mitgliedsorganisation zu allererst die Interessenvertretung von Arbeitnehmern sind, Senioren daher keine herausgehobene Rolle spielen sollen.

In einem Rundumschlag skizzierte Reiner Hoffmann in seiner Grundsatzrede, welche Herausforderung die »Experten der Arbeitswelt« zu meistern haben. Welche Schwerpunkte der Vorstand in den nächsten vier Jahren setzen will, blieb dabei im Detail offen. Einiges wird bei dem bis Donnerstag tagenden Gewerkschaftsgipfel durch einzelne Anträge konkretisiert werden. Ausgangspunkt der Gewerkschaften ist jedoch der Gedanke, dass die neue digitale Arbeitswelt Chancen für die Beschäftigten bietet, die nicht zum Tragen kommen, lässt man die Entwicklung einfach nur weiterlaufen. »Bestimmte Spielregeln erodieren, wenn nicht neue Grenzen aufgebaut werden«, so DGB-Chef Hoffmann.

Und natürlich darf im Marx-Jahr in einer Rede des amtierenden Oberhaupts der deutschen Arbeiterbewegung auch eine aktuelle Interpretation des linken Vordenkers nicht fehlen: Wenn Marx von freier Entwicklung eines jeden als Bedingung für die freie Entwicklung aller sprach, dann bedeutet das für Hoffmann übersetzt in die Gegenwart »Tarifpolitik und ihre betriebliche Ausgestaltung durch Mitbestimmung«. Das sorge nicht nur für höhere Löhne und mehr Urlaubstage, sondern auch viele weitere qualitative Verbesserungen, wie etwa einen Anspruch auf Weiterbildung oder individuelle Lösungen, »die passgenau auf die individuelle Lebensplanung zugeschnitten sind«. Diese Betonung des Lebens neben der Arbeit durchzieht seit geraumer Zeit die gewerkschaftlichen Debatten. Applaus gab es denn auch von den Delegierten für das Ziel, mehr Zeitsouveränität der Beschäftigten durchzusetzen, um dadurch auch für eine bessere Verteilung der Arbeitszeiten zwischen Mann und Frau zu sorgen.

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