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Mit dem Defibrillator zu Olympia

Nach einer Herzoperation will die Leichtathletin Katharina Bauer ihre Karriere als Stabhochspringerin fortsetzen

  • Von Holger Schmidt, Leverkusen
  • Lesedauer: 4 Min.

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Nach ihrem Triumph als deutsche Hallenmeisterin fiel am 17. Februar alles von Katharina Bauer ab. Sie brach in Tränen aus. »Dieser Titel hatte für mich viel mehr Wert als jeder normale Sieg«, sagt die Stabhochspringerin. »Denn nur ich wusste ja, was ich in dem Jahr vorher alles durchmachen musste.«

Dass sie schon seit ihrer Kindheit an Herzproblemen leidet, hat die 27-Jährige bisher nur Menschen in ihrem engsten Umfeld anvertraut. Nun, nachdem ihr am 17. April ein subkutaner Defibrillator eingesetzt wurde, geht sie an die Öffentlichkeit und erzählt ihre bewegende Geschichte. »Ich möchte für mich persönlich frei sein und nicht Versteckspielen. Und ich möchte es selbst erzählen, damit nichts Falsches geredet und geschrieben wird«, sagt sie. »Außerdem möchte ich mit meinem Beispiel Mut machen. Es gibt viele Menschen mit Herzproblemen. Und ich möchte zeigen, was mit mentaler Kraft möglich ist.«

Als Siebenjährige wurden bei Bauer 6000 bis 7000 Extra-Herzschläge pro Tag diagnostiziert. Eine erste Verödung des Ortes, der die Extraschläge auslöste, misslang 2009 bei der damals 19-Jährigen. Nachdem die Zahl der Extraschläge 2017 sogar auf 15 000 gestiegen war, folgte ein zweiter Versuch, der gelang. »Ich wurde vier bis fünf Stunden lang operiert, bei örtlicher Betäubung. Das hat tierisch gebrannt, und war ein komisches Gefühl«, berichtet Bauer. »Aber ich habe die ganze Zeit das EKG im Blick gehabt. Und gesehen: Es wird besser. Deshalb war ich überglücklich und kam völlig strahlend aus dem OP-Saal. Meine Eltern, die vor dem OP warteten, waren ganz erstaunt.« Danach habe sie »ein komplett neues Lebensgefühl« verspürt, meint Bauer.

Anfang 2018 erhielt sie im Trainingslager in Südafrika aber den schockierenden Anruf. »Ich war wieder hoch auf 15 000 Extra-Schlägen. Die Ärzte sagten: Wir müssen operieren, sonst wird es gefährlich«, erzählt die gebürtige Wiesbadenerin. »Falls meine Schübe, die etwa vier Sekunden andauerten, auf 30 Sekunden angestiegen wären, wäre es lebensgefährlich geworden. Dann hätte der plötzliche Herztod eintreten können.«

Das Einsetzen eines Defibrillators, der im Notfall mit Stromschlägen eingreift, war plötzlich unumgänglich. »Es war nicht schön, das zu hören. Mit dem Thema Tod konfrontiert zu werden, ist eine vollkommen neue Perspektive auf das Leben«, sagt die Team-Europameisterin von 2014. »Einen Defibrillator zu tragen, war für mich nie eine Option, aber ich hatte keine Wahl. Es war vollkommen klar: Wenn ich leben will, muss ich das tun.« Allerdings seien die fünf Tage zwischen der Entscheidung und der Operation »ganz schrecklich« gewesen. »Ich spürte auf einmal jede Sekunde mein Herz poltern und wollte es einfach nur hinter mich bringen.«

Dass sie überhaupt so lange mit dem Problem leben konnte, schreibt Bauer »mentalen Heilungsprozessen« zu. »Ich habe viel Mentaltraining gemacht, Yoga und Meditation. Und ich habe mit meiner Mutter gearbeitet, die Hypnose-Coach ist«, erzählt sie. »Ich hatte das alles erstaunlich gut im Griff.«

Das hilft ihr auch jetzt. Ihre Karriere will sie in jedem Fall fortsetzen. »Ich weiß: es ist noch nicht vorbei«, sagt Bauer, die Internationales Management studiert hat. »Wenn es jemand schafft, dann ich. Mein Ziel ist Olympia 2020. Ich wäre dann die erste Stabhochspringerin mit Defi bei Olympia.«

Ob sie vielleicht sogar die erste Sportlerin überhaupt wäre, der das gelänge, weiß sie nicht mit Sicherheit. »Die Ärzte haben mir versichert, dass ihnen kein vergleichbarer Fall von Leichtathleten bekannt ist«, sagt sie. »Es gibt daher keinerlei Erfahrungswerte. Ich bin quasi das Versuchskaninchen.«

Da die Operation gut verlief, darf Bauer aber schon seit Ende vergangener Woche wieder trainieren. »Heute bin ich sehr glücklich damit. Ich spüre das Gerät noch, es fühlt sich an wie ein großer Stein. Der Körper muss sich erst einmal an den Fremdkörper gewöhnen«, erklärt sie. »Aber ich fühle mich mit jeder Faser meines Körpers gesund.« dpa/nd

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