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  • Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markl

Was trägt die Braut?

Die Monarchie in Großbritannien ist zurzeit beliebter denn je – Republikaner haben es da schwer

  • Von Sascha Zastiral, London
  • Lesedauer: 5 Min.

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Fans des Hochzeitpaares vor Schloß Windsor
Fans des Hochzeitpaares vor Schloß Windsor

Die Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markle am kommenden Samstag beherrscht in Großbritannien die Berichterstattung. Was wird die Braut tragen? Welche Farbe wird der Hut von Königin Elisabeth II. haben? Wo kann man sich die Hochzeit live anschauen?

Bei dem ganzen Hype könnte man vergessen, dass das Königshaus in Großbritannien auch Kritiker und Gegner hat. Die Labour-Abgeordnete Emma Dent Coad zum Beispiel: Sie machte erst kürzlich mit der Äußerung Schlagzeilen, die Krönung von Prince Charles zum König würde »der republikanischen Sache helfen« und den Niedergang der Monarchie beschleunigen. Die rechtslastigen Boulevardblätter des Landes gaben sich empört.

Es war nicht das erste Mal, dass sich Dent Coad kritisch über das Königshaus geäußert hat. Beim Labour-Parteitag in Brighton im vergangenen Jahr kritisierte sie die hohen Unterhaltskosten der königlichen Familie und bezeichnete die meist wohlwollende BBC-Berichterstattung über die Royals als »Teil einer Propaganda-Maschine«. Dent Coad machte sich über die Hubschrauber-Flugkünste von Prince Harry lustig und bezeichnete das Königshaus als »lächerlich«. Das Brisante daran: Dent Coad ist die Abgeordnete des gehobenen Londoner Stadtteils Kensington, in dem unter anderem die Prinzen William und Harry leben. Das kam bei vielen Briten überhaupt nicht gut an. Die Politikerin erhielt etwa 400 Morddrohungen und musste zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen treffen, um sich und ihre Mitarbeiter zu schützen. »Das war wirklich abscheulich«, sagte Dent Coad dem »Guardian«. »Ist es denn nicht erlaubt, andere Ansichten zu haben?«

Auch Labour-Chef Jeremy Corbyn ist ein bekennender Republikaner. Doch der hält sich mit seiner Meinung in dieser Frage derzeit zurück. Die Royals seien in der Öffentlichkeit derzeit zu beliebt, als dass es sich lohne, für die Einführung einer Republik zu kämpfen, sagte Corbyn dazu einmal.

Ganz anders Republic, die wohl wichtigste Gruppe, die sich für die Abschaffung der Monarchie einsetzt. Sie hat laut eigenen Angaben 4000 Mitglieder. Ihr zentrales Ziel beschreibt Republic so: »Wir möchten, dass die Monarchie abgeschafft wird und die Queen durch einen gewählten, demokratischen Staatschef ersetzt wird.« Ein gewählter Staatschef könnte in Krisenzeiten intervenieren und dabei helfen, die Krise zu überwinden, argumentiert die Gruppe. Die Königin könne das nicht, da sie zu strikter Neutralität verpflichtet sei. Ein Beispiel seien die chaotischen zwei Wochen nach dem Leave-Votum beim EU-Referendum vor zwei Jahren gewesen: Ein gewählter Staatschef hätte einschreiten und die Unsicherheit und Ungewissheit verringern können, glauben die Vertreter der Gruppe. Aus dem Buckingham Palace habe man in dieser Zeit hingegen nicht ein Wort gehört.

»Wir sagen aber nicht, dass der Umstand, dass die Monarchie teuer ist, ein Grund dafür ist, sie abzuschaffen«, sagte der Geschäftsführer von Republic, Graham Smith, kürzlich dem »Guardian«. »Die Tatsache, dass sie so teuer ist, ist ein Symptom dafür, dass sie nicht rechenschaftspflichtig und geheimnistuerisch ist.« Smith betrachtet das als Amtsmissbrauch mit dem Ziel, sich einen Vorteil zu verschaffen. Oder schlicht: Korruption. »Und die ist in das System eingebaut.« Auch die Republic-Aktivisten glauben, dass ein König Charles III. der Anfang vom Ende der Monarchie werden könnte.

Im Moment schwimmen die Royals auf einer Popularitätswelle. In den vergangenen 25 Jahren haben meist um die 70 Prozent der Briten die Monarchie unterstützt, nur rund ein Fünftel der Befragten gab an, eine Republik zu unterstützen. In einer Umfrage, in der die Befragten wählen sollten, ob sie lieber Charles oder William auf dem Thron sehen würden, stimmten allerdings nur 22 Prozent für Charles; 51 Prozent wollten, dass William der Nachfolger von Queen Elisabeth II. wird. Das offenbart allerdings auch schon das zentrale Problem, das in das System Erbmonarchie eingebaut ist: Charles möchte König werden, also wird er es auch werden - ganz gleich, was sich die Öffentlichkeit wünscht.

Ein King Charles III. könnte für die Monarchie tatsächlich zum Problem werden. Denn der unbeliebte Thronfolger ist bereits in der Vergangenheit aufgefallen, indem er versucht hat, die Politik des Landes zu beeinflussen. 2015 erwirkte der »Guardian« nach einem zehnjährigen Rechtsstreit das Recht, Briefe zu veröffentlichten, die Charles 2004 und 2005 an den damaligen Premier Tony Blair und an mehrere Minister geschrieben hatte. Die konservative Regierung von David Cameron unternahm damals alles, um die Veröffentlichung der Briefe zu verhindern. Denn deren Inhalt ist brisant.

In den Briefen äußerte sich Charles zu allen erdenklichen Themen, vom Fischfang über Bildung zur Restaurierung eines Marktes in London. Auch sprach er sich für die Einführung einer Abschussquote für Dachse aus. Charles’ Versuche, Einfluss auf die Politik zu nehmen, erscheinen kleinlich und bisweilen tollpatschig. Doch sollte der Prince of Wales damit weitermachen, wenn er einmal den Thron bestiegen hat, könnte er damit eine Verfassungskrise auslösen. Denn der Monarch ist gemäß Tradition in politischen Fragen zur absoluten Neutralität verpflichtet - ohne Wenn und Aber.

Die öffentliche Meinung ist schon einmal gekippt: nach dem Tod von Princess Diana 1997. Ihr Unfalltod hat das Land in tiefe Trauer gestürzt. Abertausende von Menschen legten Kerzen, Blumen und persönliche Briefe am Kensington Palace (dem Wohnsitz Dianas) und am Buckingham Palace nieder. Doch das Königshaus reagierte scheinbar anteilnahmslos auf die Nachricht vom tragischen Ende der charismatischen Diana. Königin Elisabeth II. blieb in ihrem schottischen Schloss in Balmoral. Erst nach Tagen ging das Königshaus auf die Forderung der Öffentlichkeit ein und beflaggte Buckingham Palace auf Halbmast. Die Briten erlebten ein Königshaus, das sich steif, kaltherzig und unnahbar gab - ganz so, wie Kritiker es immer dargestellt haben.

Eine von einem US-Sender in Auftrag gegebene Umfrage ergab damals, dass einer von vier Briten die Abschaffung der Monarchie forderte. Das Königshaus stellte kurz darauf zahlreiche PR-Profis ein, deren Aufgabe es war, den Prestigeverlust der königlichen Familie zu reparieren. Doch bis sich deren öffentliches Ansehen erholt hat, dauerte es Jahre.

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