Werbung
  • Politik
  • Massentierhaltung in der Kritik

Protest mit Kreuzen in Ferkelrosa

Landwirt plant bei Rostock Maststall für 8000 Schweine

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Mit ferkelrosa bemalten Kreuzen, in X-Form wie die gelben Protestsymbole der Atomkraftgegner, bekundeten Bürgerinnen und Bürger in und um den kleinen Ort Suckwitz im Raum Mecklenburger Seenplatte schon vor Jahren: Wir wollen den Stall nicht, in dem der Landwirt Thomas Schulz jährlich 25 000 Schweine mästen möchte. Der Mann hatte seine Absicht, eine Mastanlage mit Platz für 8000 Schweine zu schaffen, im Herbst 2011 publik gemacht. Wenige Tage später bildete sich eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben, formierte sich Protest, der ungebrochen anhält und jetzt auch bei einer offiziellen Anhörung laut wurde.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu), das den Bau des Schulz-Vorhabens genehmigen müsste, hatte dazu eingeladen. Vorweg: Eine Annäherung der Standpunkte gab es nicht. Vielmehr bekundeten die Gegner des Projekts, was sie von der Mästerei befürchten: Gestank, Lärm, Belästigung durch Lkw-Verkehr und infolge all dessen das Fortbleiben von Urlaubern, die den »sanften Tourismus« lieben und deshalb gern den Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide besuchen. Nicht weit davon entfernt soll die Mastanlage entstehen. Das macht beispielsweise jenen Menschen Angst, für die das Anbieten von Ferienquartieren eine wichtige Einnahmequelle ist.

Viele Arbeitsplätze würde das Projekt nicht in die Region bringen. Wie zu erfahren war, ist geplant, drei Vollzeit- und vier Teilzeitbeschäftigte sowie Saisonarbeitskräfte in der Anlage zu beschäftigen. In das Projekt sollen laut Stalu vier Millionen Euro investiert werden.

Abgelehnt wird das Projekt nicht allein von Zimmervermietern, sondern von vielen weiteren um die Umwelt besorgten Einwohnern. Mitgetragen werden deren Befürchtungen von Naturschutzverbänden wie dem BUND. Er befürchtet bei der Konzentration so vieler Schweine, wie sie bei Suckwitz zu erwarten ist, eine Beeinträchtigung der Luftqualität. Auch seien nahe Gewässer bedroht. Denn es sei anzunehmen, dass der Landwirt auf Flächen unweit eines Sees und eines Bachs zum Düngen Gülle ausbringt, also ein Gemisch aus Schweinekot und -urin. Im Flüsschen wären junge Bachmuscheln gefährdet; eines der letzten Vorkommen jener seltenen Art, mahnt der BUND.

Nach dessen Angaben sind 250 offizielle Einwände gegen den Bau der Mastanlage erhoben worden. Das Staatliche Amt spricht von 117 solcher Eingaben gegen das Vorhaben von Thomas Schulz. Er äußerte sich nicht auf der Anhörung, hatte schon vorher erklärt, alle Vorschriften einzuhalten, so zitiert ihn der NDR. Und: Als Chef seines 1991 gegründeten Familienbetriebes wolle er sich neben dem Ackerbau »ein zusätzliches Standbein schaffen«, um sich und seine Kinder für die Zukunft wirtschaftlich abzusichern.

Eine Zukunft ohne Schweinemastanlage wünscht den Menschen und der Natur in Suckwitz und Umgegend die Linksfraktion in Mecklenburg-Vorpommerns Landtag. »Das Vorhaben muss abgelehnt werden«, fordert ihr agrarpolitischer Sprecher Wolfgang Weiß mit Blick auf die Anhörung der Genehmigungsbehörde. Eine so große Mastanlage, wie sie der Landwirt bauen will, gehöre nicht in die Nachbarschaft eines Naturparks. Sie stehe den Entwicklungszielen der umliegenden Gemeinden entgegen und schaffe Probleme bei der Reinhaltung von Grund- und Oberflächengewässern. Zudem habe »die vorgesehene Haltung der Mastschweine auf Spaltenböden mit Tierwohl wenig zu tun«, gibt der Abgeordnete zu bedenken.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken