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Ringgräben und Schwarze Erde

Archäologen weisen frühe Kulturen im Regenwald Amazoniens nach

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Amazonien vor Kolumbus war kein menschenleerer Regenwald, in dem nur kleine Gruppen von Jägern und Waldbauern lebten. Seit gut 20 Jahren finden Archäologen immer mehr Siedlungsspuren von zumindest gebietsweise großen Bevölkerungsgruppen.

Einer der ersten Forschungsreisenden, der Berichte der Indianer über Städte und Straßen am Xingu-Fluss im südlichen Brasilien ernst nahm, war der Brite Percy Fawcett. Er war von der Existenz der Stadt Z überzeugt, in der er das fehlende Bindeglied zwischen den Kulturen Ägyptens und Perus sah. Der offenbar lästige Eindringling kam 1925 wahrscheinlich durch Kalapo-Krieger zu Tode. Die Erzählungen aber blieben. Und vor rund 20 Jahren beschloss der US-Archäologe Michael Heckenberger ihnen nachzugehen. Städte fand er zwar nicht, aber Ringgrabenanlagen, Dämme, Wälle und kilometerlange befestigte Straßen, die zentral gelegene Siedlungen mit Satellitendörfern verbanden. Mehrere Tausend Menschen mussten einst in jedem Siedlungskomplex auf Dutzenden Quadratkilometern gelebt haben. Die Raumplanung lässt auf lokale Autoritäten schließen.

Weiter westlich, im bolivianischen Tiefland, liegen die Llanos de Moxos. Diese regelmäßig überschwemmte Savannenlandschaft war schon in vorkolumbianischen Zeiten dicht besiedelt. Dörfer entstanden auf künstlichen Hügeln, die Felder wurden als Hochbeete angelegt und für die Trockenzeit Wasserreservoirs angelegt. Diese Landschaft erforscht seit Jahren auch das Deutsche Archäologische Institut. Eine ähnliche Kulturlandschaft schließt sich in der benachbarten Acre-Region Brasiliens an. Hier entdeckten Archäologen Strukturen aus Gräben und Erdwällen, sogenannte Geoglyphen, die wahrscheinlich religiösen Zwecken dienten.

Eine Forschergruppe um Jonas de Souza von der Universität von Exeter (England), richtete ihr Augenmerk auf den Oberlauf des Rio Tapajó. Dort sind die Bedingungen wie am Rio Xingu. Die Archäologen vermuteten deshalb ähnliche Siedlungen. Da die Gegend ziemlich unwegsam ist, begannen sie die Untersuchungen mit dem Studium von Satellitenaufnahmen. Sie identifizierten 81 bisher unbekannte potenzielle Fundstellen. 24 davon wählten sie aus, um vor Ort näher nachzusehen. Tatsächlich befinden sich dort Spuren einstiger Siedlungen mit reichhaltigem archäologischem Material. Die Erdbauten haben die Form von Kreisen, Ovalen und Vierecken und wurden vermutlich mehrfach umgestaltet.

Die Siedlungsreste liegen teilweise im Urwald, einige wurden in jüngerer Zeit für die Rinderhaltung gerodet. Dadurch sind die potenziell von Zerstörung bedroht. Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Siedlungen teilweise durch Gräben und Wälle geschützt wurden und zwischen 1250 und 1500 besiedelt gewesen waren. Die Fruchtbarkeit ihrer Felder verbesserten die damaligen Bauern mithilfe der sogenannten Terra Preta, einem Gemisch aus Humus und Holzkohle.

Für de Souzas Gruppe ergab sich nach Abschluss ihrer Untersuchungen die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass im Regenwald noch mehr präkolumbianische Siedlungsreste liegen. Dazu machten die Forscher aus der Verteilung der sicheren Fundstätten und der bekannten Vorkommen der Terra Preta eine Hochrechnung. Danach müssten zwischen Mojos und Xingu, einem Streifen von etwa 400 000 km2, noch Hunderte unbekannter einstiger Siedlungen indigener Bauern existieren. Vermutet werden Ballungen ähnlich den Komplexen am Xingu und Tapajó. Aber erst nähere Untersuchungen vor Ort oder von Luft- und Satellitenbildern könnten diese Vermutung bestätigen.

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