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Kiel hadert mit dem Modus

Wieder überlebt Erstligist Wolfsburg in der Relegation

  • Von Franko Koitzsch und Claas Hennig, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Trauer über den verpassten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga schlug beim Zweitligisten Holstein Kiel erst in Verbitterung und dann in eine Anklage um. »Es ist zweifelhaft, wenn der Bundesligist einen Rettungsring zugeworfen bekommt und man dem Dritten der 2. Liga die Chance nimmt, im deutschen Fußball ein Märchen zu schreiben«, klagte Kiels Mittelfeldspieler Dominic Peitz am Montagabend nach dem 0:1 im Relegationsrückspiel gegen den Bundesliga-16. VfL Wolfsburg. Diskussionen über den sportlichen Ausgang gab es nicht, über den Modus sehr wohl.

Die Relegation war nach längerer Pause im deutschen Fußball 2009 wieder eingeführt worden. In den zehn Duellen seither haben sich acht Mal die Bundesligisten und nur zweimal die Außenseiter (1. FC Nürnberg 2009, Fortuna Düsseldorf 2012) durchgesetzt. Seit sechs Jahren haben die Zweitligisten durchgängig das Nachsehen. Dieses Verhältnis werde auch so bleiben, meint Kiels scheidender Trainer Markus Anfang. Der künftige Coach des Bundesligaabsteigers 1. FC Köln bezweifelt den Sinn der Relegation im Milliardengeschäft Fußball, in dem die Wirtschaftskraft zwischen Erst- und Zweitligisten immer deutlicher auseinanderklafft. Holstein Kiel verfügte in dieser Saison über ein Jahresbudget von 6,2 Millionen Euro, Wolfsburg über mindestens 70 Millionen.

Die Folgen von gescheiterten Relegationen gehen mitunter an die Existenz von Zweitligisten. Nachdem der Karlsruher SC 2015 gegen den Hamburger SV kurz an der Bundesliga schnuppern durfte, ging es mit den Badenern steil bergab bis in die 3. Liga. Dies wiederholte sich nun in Braunschweig. »Wenn die ersten drei aufsteigen und die letzten drei absteigen, ist das eine andere Konstellation«, sagte Anfang. Doch darauf wird sich die Deutsche Fußball Liga nicht einlassen. Intern besteht Einigkeit: alles bleibt wie gehabt. Schließlich bringen Relegationen auch zusätzliche TV-Übertragungen - und somit Geld.

Was aus Kiel in seiner zweiten Zweitligasaison wird, ist ungewiss. Vermutlich wird die Erfolgsmannschaft auseinanderfallen. Der Trainer ist schon weg, Spieler wie Torschützenkönig Marvin Ducksch, Dominick Drexler oder Kingsley Schindler sind von anderen Vereinen heiß begehrt.

Einen Umbruch wird es auch in Wolfsburg geben - trotz der zweiten überstandenen Relegation nacheinander. Ob Trainer Bruno Labbadia diesen mitgestalten darf, hängt nun auch vom neuen Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke ab, dessen Verpflichtung am Dienstag bekanntgegeben wurde.

Eine weitere Spielzeit wie die beiden vergangenen darf sich der von VW alimentierte Klub wohl nicht leisten. Zumindest die finanziellen Möglichkeiten sind in Wolfsburg für jeden Trainer reizvoll. »Ich habe mir das nicht angetan, um es dann jemand anderem zu überlassen«, sagte Labbadia nach seiner Rettungsmission.

Dem 55-Jährigen waren die Strapazen der vergangenen Wochen nun deutlich anzumerken. Von Freude oder Euphorie wie 2015, als er den HSV ebenfalls in der Relegation gerettet hatte, war nichts zu sehen. Als »nüchtern« umschrieb er seine Gefühlswelt. »Das war meine schwierigste Aufgabe als Trainer.« dpa/nd

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