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Viel Rauch und Frust in Babelsberg

Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen kam es beim Landespokalfinale zu Ausschreitungen

  • Von Marie Frank, Babelsberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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An diesem sonnigen Montagnachmittag ist in Babelsberg alles anders als sonst: Im sonst so friedlichen Potsdamer Stadtteil dominieren neben Tausenden Fußballfans vor allem Polizisten das Bild - zu Fuß, zu Pferde und motorisiert stehen sie an jeder Ecke. Der Grund für die ganze Aufregung: das Brandenburger Landespokalfinale zwischen den beiden Viertligisten SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus.

Nun ist so ein Amateurfinale zwar aufregend für alle Beteiligten, üblicherweise jedoch durchaus kein Grund für derart verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Anders jedoch bei Cottbus und Babelsberg: Waren sich die beiden Vereine noch nie sonderlich grün, ist das Verhältnis spätestens seit vergangenem Jahr von Gewalt und Hass bestimmt. Bei einem Regionalligaspiel im April 2017 stürmten einige Fans von Energie den Platz im Karl-Liebknecht-Stadion und versuchten, die Fankurve der Babelsberger anzugreifen. Im Cottbusser Gästeblock gab es zudem Hitlergrüße sowie antisemitische Gesänge.

Die Stimmung vor dem erneuten Aufeinandertreffen der beiden Rivalen ist dementsprechend angespannt. Die Partie am Montag wurde vom veranstaltenden Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) zum »Sicherheitsspiel höchster Stufe« erklärt. Trotz massiver Einlasskontrollen lässt sich das Einschmuggeln von Pyrotechnik jedoch offensichtlich nicht verhindern - mit verheerenden Konsequenzen: Wegen des Zündens von Bengalischen Feuern im Babelsberger Fanblock muss die Partie zu Beginn der zweiten Halbzeit unterbrochen werden. Kevin Weidlich erzielt schließlich in der 85. Minute den 1:0-Siegtreffer für Cottbus. Wenig später werfen einige vermummte NullDrei-Anhänger kurz nach dem Schlusspfiff Rauchbomben und Böller auf den Rasen sowie in Richtung des Cottbuser Fanblocks.

Der FLB sagt daraufhin die Siegerehrung kurzerhand ab und verschiebt die Pokalübergabe auf kommenden Sonntag. Die Sicherheit der Beteiligten sei nicht mehr gewährleistet gewesen, begründet Verbandspräsident Siegfried Kirschen später die Entscheidung. Dabei habe er bis zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung gehabt, »dass diese wundervolle Atmosphäre anhält, die zu Beginn hier in diesem Stadion war.«

In der Tat hat alles zuvor lange nach einem friedlichen Spielverlauf ausgesehen. Mehr als 9000 Zuschauer verfolgen im ausverkauften Stadion eine eher ereignisarme Partie, die die Cottbuser dominieren. Als Lohn qualifizieren sie sich mit dem Pokalsieg wie im Vorjahr für die erste Runde des kommenden DFB-Pokals und sichern sich eine Prämie von 115 000 Euro. Das alles gerät angesichts der Ausschreitungen - die übrigens auch im Babelsberger Fanlager überwiegend auf Ablehnung stoßen - in den Hintergrund. »Leider hat sich heute gezeigt, wie der Fußball missbraucht werden kann«, so Kirschen, der das Verhalten eines Teils der Babelsberger Anhänger als »absolut skandalös« verurteilt.

Auch die beiden Trainer zeigen sich von den Ausschreitungen tief enttäuscht. Babelsbergs Almedin Civa spricht von einem traurigen Tag: »Ich entschuldige mich bei Energie Cottbus, dass sie ihre Siegerehrung nicht bekommen haben.« Das Verhalten einiger Fans sei ihm »peinlich«, jetzt müsse man über Konsequenzen nachdenken, auch er persönlich. »Das ist ein Zeitpunkt, wo man sich schon fragt: ›Ist das denn mein Verein?‹«

Der Trainer von Cottbus, Claus-Dieter Wollitz, lobt vor allem die Besonnenheit seiner Fans und gibt dem FLB eine Mitschuld an den Ausschreitungen: »Ich bin mir sicher, man hätte einen anderen Termin finden müssen, dann wäre es nicht so eskaliert.« Beide Vereine hatten zuvor aus Sicherheitsbedenken die späte Anstoßzeit um 17 Uhr kritisiert.

Babelsberg drohen als »Wiederholungstäter« empfindliche Strafen. Ob und wie der Einsatz von Pyrotechnik in Stadien verhindert werden kann, wird nun heiß diskutiert: »Von oben bis unten bekommen wir das Problem nicht in den Griff«, kritisiert Siegfried Kirschen und wünscht sich vor allem mehr Polizeikräfte. »Es ist nicht möglich als Veranstalter, Pyrotechnik vollständig zu verhindern«, glaubt hingegen der Sicherheitsbeauftragte von Babelsberg, Christian Lippold. Für Trainer Civa ist klar: »Wenn man sagt, man kann nichts gegen diese Menschen tun, kann man den Laden auch gleich dicht machen.«

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