Werbung

Özil zum Kaiser!

Andreas Koristka fragt, wer in der besten Bundesrepublik aller Zeiten die Rolle der britischen Royals spielen könnte

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Ehe ist nach wie vor die romantischste Art, jemandem, den man aufrichtig liebt, zu sagen, dass man mit ihm gemeinsam mehr staatliche Zuschüsse für die Riester-Rente bekommen möchte. Kein Wunder also, dass die Menschen immer wieder fasziniert sind, wenn zwei Menschen bereit sind, diesen bedeutsamen Schritt zu gehen. Aber über die Anziehungskraft, die die royale Hochzeit in Großbritannien ausgelöst hat, kann man dennoch verblüfft sein. Dieser Hype ist nicht einfach dadurch zu erklären, dass viele Mädchen hierzulande immer noch davon träumen, ein Mal Prinzessin zu sein und viele Jungs gerne den Mut aufbringen würden, zum nächsten Fasching als SS-Scherge zu gehen.

Die Monarchie im Vereinigten Königreich verleiht Großbritannien eine ganz eigene unverwechselbare und würdevolle Aura. Dieser Effekt wird auch nicht durch die zahlreichen Skandale getrübt: Diana ließ sich von einem Betrunkenen heimfahren, Charles sieht aus, als hätte er Mundgeruch und Harry brach nun ganz offen mit der liebgewonnenen Tradition der Inzucht. Doch die Briten scheinen ihren Royals all diese Schwächen zu verzeihen. Ganz im Gegenteil, sie lieben das Königshaus heiß und innig wie ein angeschickerter Rotschopf einen amerikanischen B-Promi in der Hochzeitsnacht lieben würde.

Es ist doch allzu schade, dass unsere ansonsten ganz ausgezeichnete Bundesrepublik (sie ist die allerbeste, die wir jemals hatten) solch einen Glamourfaktor nicht zu bieten hat. Ein hervorragendes Beispiel dafür, dass das traurig ist, ist die Abkanzelung der Fußballspieler Özil und Gündogan, die sich zum Bundespräsidenten aufmachen mussten, um sich für die Frechheiten zu entschuldigen, die sie dem deutschen Fußballfan in seinem Vaterlandshunger und Bierdurst angetan hatten. Klar, Steinmeier hat die beiden Kümmeltürken bestimmt richtig hart rangenommen wie bei einer verbalen Blutgrätsche von hinten. Der BuPrä hat sicherlich böse geguckt und alles. Er hat bestimmt das gesamte Repertoire gebracht, das unsere Fußballpatrioten und die Bild-Zeitung erwarten durften. Und man kann auch sicher sein, dass zumindest Özil ob der Ansprache richtig große Augen gemacht hat. Aber wäre es nicht doppelt und dreifach schön gewesen, wenn die beiden Erdogan-Fans nicht zu Steinmeier sondern zu »Ihro Majestät dem Deutschen Kaiser« einbestellt worden wären? Das klingt nach Wichtigkeit, Würde und Schafott. Es wäre so viel passender gewesen.

Doch die Frage bleibt, wie man die deutsche Monarchie wieder aufbauen könnte. Der Adel jedenfalls scheint nach der zu Guttenberg-Geschichte verbrannt. Es müsste schon jemand anderes her. Es drängt sich sogar eigentlich nur einer richtig auf, aber weil Thomas Gottschalk schon so alt ist, würde es dann wahrscheinlich doch wieder Angela Merkel machen. Sie würde es sicher nicht aus Überzeugung tun, eher aus einem preußischen Pflichtgefühl heraus. Dafür müsste sie sich aber zukünftig auch nicht mehr mit nervigen Koalitionsverhandlungen herumschlagen. Das neue Amt würde Merkel also sicherlich entgegenkommen. Und bei ihrer politischen Flexibilität wäre es für sie sicherlich kein großes Problem, wenn sie (wie in Großbritannien) die Regierungserklärungen des Regierungschefs vorlesen müsste. Sogar dann, wenn das in ein paar Jahren Alice Weidel wäre.

Das Problem ist nur, dass die Ehe Merkel-Sauer - nach allem, was wir wissen - kinderlos geblieben ist. Wer sollte nach Merkels Tod (Gott behüte!) die Amtsgeschäfte übernehmen, wenn nicht ihr erstgeborenes Kind? An wen sollte sie die extra für sie geschaffenen Insignien der Macht, die güldene Damenhandtasche und den mit kostbaren Edelsteinen bestückten Hosenanzug übergeben? Aber auch dafür ließe sich sicherlich eine Lösung finden. Annegret Kamp-Karrenbauer müsste nur noch ihre Bereitschaft signalisieren.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen