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Facebooks Desaster

Unterschätzt Zuckerberg die Macht der Europäischen Union?

  • Von Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 3 Min.

Mark Zuckerberg, Chef des Internent-Konzerns Facebook stand am Dienstag dieser Woche im Europaparlament den Abgeordneten wegen des Umgangs seines Unternehmens mit Daten, wegen der monopolartigen Marktmacht von Facebook und des Umgangs mit Fakten, Hetze und Manipulation auf der Plattform Rede und Antwort. Eigentlich, so muss man resümieren, hat Zuckerberg gar nicht auf Fragen geantwortet. Er hat seine PR-Strategie erfolgreich durchgesetzt und beantwortete nur das, was er beantworten wollte. Nachfragen waren aufgrund der vorher festgelegten Dramaturgie gar nicht möglich.

Für die meisten Medien war Zuckerbergs Auftritt daher ein Erfolg für ihn und nicht für das EU-Parlament. Für Florian Güßgen, beim »Stern« für den Bereich Digitale Wirtschaft zuständig, war die Anhörung für das EU-Parlament eine Pleite. »Es hätte ein großer Moment für das Europäische Parlament werden können«, schreibt Güßgen auf stern.de. »Die Abgeordneten hätten ihre Kammer auf ein Niveau heben können mit dem US-Senat und dem US-Abgeordnetenhaus, beide Kammern des Parlaments in Washington haben Zuckerberg im April zum Skandal rund um Cambrigde Analytica und die Folgen befragt. Die Abgeordneten haben diese Chance vertan. Big time. Was sie mit Zuckerberg veranstaltet haben oder von Zuckerberg mit sich veranstalten ließen, war eine Farce. Sie haben ihn nicht gegrillt, nicht gedünstet, nicht einmal ins Schwitzen gebracht.«

Auf Twitter sei die Einschätzung von Zuckerbergs Auftritt schon während des Auftritts eindeutig gewesen, so Güßgen weiter. »Das Europäische Parlament hat sich blamiert. Wer auch immer für dieses Format der Anhörung verantwortlich ist - angeblich war es der Parlamentspräsident selbst - hat einen erschreckenden Dilettantismus offenbart. Aber auch die Abgeordneten selbst, die da mitgemacht haben, müssen sich fragen lassen, warum sie es zugelassen haben, dass Zuckerberg das Parlament so zu einer, zu seiner Bühne werden lassen konnte. Die Abgeordneten waren nicht Herren im eigenen Hause.«

Den PR-Kampf habe Zuckerberg zwar gewonnen, er unterschätze aber die Macht der EU, meint dagegen der Blogger und Journalist Sascha Lobo in seiner Kolumne auf spiegel.de. Die Anhörung sei war »ein Desaster für Facebook« gewesen. »Zuckerberg hätte kaum eine bessere Vorlage liefern können für eine aggressive Regulierung durch die EU.« Den für Facebook gefährlichsten Fehler habe Zuckerberg beim Thema Monopol gemacht. Lobo zitiert zur Begründung die Reaktion des Fraktionsvorsitzenden der konservativen Partein, den CSU-Abgeordneten Manfred Weber. Dieser sagte: »Ich glaube an Märkte und Regeln, aber ich möchte auch alle Arten möglicher Monopole stoppen. Deshalb denke ich, es ist Zeit, die Zerschlagung des Facebook-Monopols zu diskutieren.« Das sei »vielsagend konkret«, meint Lobo. Die EU werde deshalb »zwingend früher oder später ein Exempel an Facebook statuieren«.

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