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Zockereien vor dem Aus

Der neue Chef der Deutschen Bank will vor allem das Investmentbanking eindampfen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ungewöhnlich lebhaft verlief das diesjährige Aktionärstreffen der Deutschen Bank. Am Vortage war durchgesickert, dass sich der neue Boss Christian Sewing nicht mit dem geplanten Streichkonzert seiner Vorgänger zufrieden geben will. Die Deutsche Bank soll durch einen umfangreichen Stellenabbau ihre Kosten kräftiger senken. An die 10 000 Jobs sollen gestrichen werden, bestätigte Sewing am Donnerstag auf der Hauptversammlung in der Messe Frankfurt. Damit müsste mehr als jeder zehnte Beschäftigte die Bank verlassen. Wenn es nach Sewing geht, schon bis Ende 2019.

»Deutschland braucht ein weltweit handlungsfähiges und respektiertes Spitzeninstitut«, zitierte Sewing in seiner Rede aus dem Brief eines Managerkollegen an ihn. Dazu wolle er »offensichtliche Sachen« ändern, die seine Vorgänger kaum angepackt hätten. Eine solch harsche Kritik an früheren Vorständen ist ungewöhnlich. Sewing hatte Anfang der Woche schon seinen Chefvolkswirt vorgeschickt, um mit der Ära Josef Ackermanns abzurechnen. Der Schweizer und seine Nachfolger hatten die Bank auf angelsächsisches Investmentbanking getrimmt. Sewing will von solchen Zockereien nun nichts mehr wissen.

Der neue starke Mann an der Spitze der Bank will den »Maschinenraum«, die Informationsverarbeitung, stärker automatisieren, aus dem Amerikageschäft teilweise aussteigen und das vor allem in Deutschland umstrittene Investmentbanking zurückbauen. Allein hier sollen eine Milliarde Euro pro Jahr an Kosten eingespart werden. Insgesamt will Sewing den angesichts der schwächelnden Einnahmen extrem hohen Kostenblock von 23,9 auf 22,0 Milliarden Euro runterfahren. 500 Millionen Euro will der Deutsche-Bank-Chef im Geschäft mit Privatkunden einsparen. Dazu beitragen soll die Zusammenlegung mit der Postbank. Diese hatte bereits angekündigt, Filialen zu schließen und Stellen zu streichen.

Sewings Kostensenkungsprogramm geht vor allem zu Lasten von Arbeitsplätzen. Die Zahl der Vollzeitstellen soll bis Ende kommenden Jahres von 97 000 auf »deutlich unter 90 000« reduziert werden. »So sozialverträglich wie möglich.« Laut der Gewerkschaft ver.di ist das letzte Wort dazu noch lange nicht gesprochen. Verhandlungen mit Betriebsräten sollen erst im Sommer beginnen.

Die Bilanz der Bank hält Sewing zwar für so stark »wie selten zuvor«. Doch Stabilität bedeutet wenig, wenn die Kosten zu hoch und die Einnahmen zu gering sind. Im Investmentbanking gingen die Erträge in den ersten drei Monaten um 20 Prozent zurück - während sie bei Konkurrenten wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley in ähnlichen Umfängen stiegen. Beim Börsenwert schneidet die frühere Nummer eins in Europa unter den größten Banken der Welt mit Rang 76 heute unter ferner Liefen ab.

Der nach vielen schlechten Jahren umstrittene Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner ließ von der Hauptversammlung vier neue Mitglieder in das Kontrollgremium wählen. Nach Einschätzung von Finanzanalysten allesamt Kandidaten, die Achleitner nicht gefährlich werden dürften. Doch mit dem eingefleischten »Deutsch-Banker« Sewing dürfte nach drei Führungswechseln auch Achleitner seine letzte Patrone verschossen haben.

Kosten reduzieren allein wird nicht reichen. Sewing will sich auf Deutschland und Europa konzentrieren, auf Privat- und Firmenkunden - auf Kosten des Investmentbankings. Zockereien mit Wertpapieren auf eigene Rechnung stehen damit vor dem Aus. Doch wo und wie er neues Geschäft und Gewinne herkriegen will, bleibt nebulös.

Das gilt auch für das Schicksal der Postbank, die in das Privatkundengeschäft des Mutterhauses integriert werden soll. Schätzungsweise 6000 Jobs stehen auf der Kippe; ein Teil der Beschäftigten ist nur von der Deutschen Post »ausgeliehen«. Attraktiver für Kunden wird die Bank durch Stellenabbau aber nicht.

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