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Ordentlich Wut im Bauch

Eltern, Kinder und Erzieher wollen am Samstag gegen die Kitakrise protestieren

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mamas, Papas, Babys, Kleinkinder und Erzieher: Sie alle wollen am Samstag gemeinsam durch das Regierungsviertel in Mitte ziehen, um auf die Kitakrise aufmerksam zu machen. »Unsere Hoffnung ist, dass möglichst viele Eltern unserem Aufruf folgen, um der Kitakrise endlich zu der Priorität zu verhelfen, die sie verdient«, sagt Katharina Mahrt von der Elterninitiative »Kitakrise«, die die Demonstration organisiert. Starten soll der Protestzug um 10 Uhr am Dorothea-Schlegel-Platz vor dem Bahnhof Friedrichstraße. Enden soll die Veranstaltung mit einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Die Initiatoren erwarten rund 1 800 Teilnehmer.

Kinderfreundlich, aber lautstark soll der Protest auf die Straße getragen werden. Die Eltern haben ordentlich Wut im Bauch. »Die Gruppen in den Kitas und Schulen sind übervoll«, sagt Demoinitiatorin Mahrt. Derzeit einen Kitaplatz zu finden, sei quasi unmöglich. Während die Arbeitsbedingungen für die Erzieher unhaltbar seien, würde die Qualität der Betreuung immer weiter abgesenkt, erläutert Mahrt die Misere. »Der Senat kann dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen.«

Aktuellen Berechnungen zufolge fehlen in Berlin 3000 Kitaplätze. Häufig werden die Kindergruppen überbelegt, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Dagegen laufen die Eltern Sturm. Sie fordern Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf, die Erzieher besser zu bezahlen und durch eine Fachkräfteoffensive schnell mehr Personal zu gewinnen. Auch wollen die Eltern einen besseren Betreuungsschlüssel, der verhindert, dass die Kindergruppen zu groß werden.

Zudem fordern die Eltern staatliche Bürgschaften und eine intensivere Förderung beim Neubau von Kitas sowie ein zentrales Kitaplatz-Suchsystem.

Unterstützt wird die Demonstration der Elterninitiative vom Landeselternausschuss (LEA) und der Bildungsgewerkschaft GEW. »Berlin kann es sich nicht leisten, seine Erzieher so schlecht zu bezahlen«, sagt die GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik. Die Gewerkschaft fordert eine monatliche Lohnsteigerung von 500 Euro für Erzieher sowie eine vergütete Ausbildung. »Gute Bildung gibt es nur mit guten Arbeitsbedingungen«, sagt Siebernik. Verständnis für den Unmut der Eltern kommt auch von der politischen Opposition. »Es ist eine Katastrophe, dass so viele Berliner Eltern von der chaotischen Situation an den Kitas betroffen sind«, sagt der familienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Roman Simon dem »nd«. Seine Fraktion hat einen Sieben-Punkte-Plan mit Sofortmaßnahmen gegen den Kitamangel aufgestellt. »Wir müssen unbedingt den Erzieherberuf aufwerten«, fordert Simon.

Deswegen setzt sich die CDU für eine vergütete Ausbildung und für eine Eingruppierung der Erzieher in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes ein. Damit würden die Erzieher je nach Erfahrungsstufe mindestens 400 Euro im Monat mehr bekommen. Zudem soll der Senat große Kitas motivieren, Verwaltungskräfte einzustellen. »Die pädagogischen Fachkräfte würden damit mehr Zeit für die Betreuung der Kinder bekommen«, sagt Simon.

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