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Bizarres Gerangel um Gipfeltreffen

Nordkorea zeigt sich trotz Absage gesprächsbereit und Donald Trump ändert seine Meinung abrupt

  • Von Olaf Standke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ob der Wert der Gipfel-Gedenkmünze nun wieder steigt? Der Souvenirshop im Weißen Haus hatte den Preis für das Zierstück zum abgeblasenen Spitzentreffen zwischen Donald Trump und Kim Jon Un deutlich gesenkt, damit es nicht zum Ladenhüter werde. Doch so abrupt wie der US-Präsident den Gipfel am Donnerstag absagte, so überraschend verkündete er keine 24 Stunden später den Rücktritt vom Rückzieher. Erst hatte er die »produktive« Reaktion Pjöngjangs auf seinen Affront begrüßt und auf Twitter von einer »warmherzigen und produktiven Erklärung« Nordkorea geschrieben. Und dann sagte er vor Journalisten in Washington, dass das Treffen doch noch am 12. Juni stattfinden könnte. »Wir würden das gerne machen«, betonte Trump. Man rede gerade mit der anderen Seite. »Wir werden sehen, was geschieht. « Und: »Jeder spielt Spiele.«

Trump hatte schon in seinem bizarren Schreiben an Kim die Gesprächstür offen gelassen: »Zögern Sie nicht, mich anzurufen oder schreiben Sie«, hieß es da unter Negierung üblicher diplomatischer Formeln. »Wir haben die Absicht, uns mit den USA jederzeit und egal auf welche Weise zusammenzusetzen«, antwortete einen Tag später der Erste Vizeaußenminister Nordkoreas, Kim Kye Gwan.

Russlands Präsident Wladimir Putin reagierte wie UN-Generalsekretär Antonio Guterres oder die Bundesregierung mit Bedauern auf das Gipfel-Aus. Sie forderten wie die Regierungen in Frankreich, China, Japan und Südkorea die Fortsetzung des Dialogs, um eine »seltene historische Chance« zu Entspannung nicht zu verspielen. Die »Washington Post« wirft Trump vor, er habe den zugegeben schwierigen Prozess »impulsiv platzen zu lassen, ohne sich die Mühe zu machen, die möglichen Konsequenzen zu kalkulieren«. Aber wird das nun bei einem zweiten Anlauf besser?

Abrüstungsexperten weisen darauf hin, dass Denuklearisierung für Pjöngjang immer ein mehrstufiger Prozess auf Augenhöhe und langfristiges Ziel war und ist. Trump dagegen wollte wieder alles gleich und nur nach seinem Gustos - und er agierte einmal mehr ultimativ, bis hin zur offenen Drohung Richtung Kim mit dem Schicksal des libyschen Machthabers Gaddafi. Wie schon bei seiner Aufkündigung des Iran-Atomabkommens sei der US-Präsident »als Meister des Störens und Zerstörens aufgetreten«, so Wolfgang Ischinger. Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Den Beweis, dass seine Unberechenbarkeit mehr Erfolg bringe als ernsthafte Verhandlungen und politische Kompromisse, blieb er schuldig.

Das gilt auch nach der jüngsten Volte. Hatte Trump doch noch wenigen Stunden zuvor erklärt, auch künftige Gespräche mit Kim sollten vor dem Hintergrund einer Politik des »maximalen Drucks« und der Sanktionen gegen Nordkorea stattfinden. Wie schrieb doch Joel Wit, Gründer einer renommierten Nordkorea-Website »In einem Wettbewerb, wer der unberechenbarste Führer ist, schlägt Präsident Trump Kim Jong Un um Längen.« Mit Agenturen

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Das Blättchen Heft 19/18