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Kreuzberger Synagogenneubau rückt näher

SPD-Fraktionschef Raed Saleh stellte das Kuratorium für den Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer vor

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Pläne für den Wiederaufbau der historischen Synagoge am Fraenkelufer in Kreuzberg werden konkreter. Am Dienstag stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende und Initiator des Projekts, Raed Saleh, das achtzehnköpfige Kuratorium vor.

Für die Jüdische Gemeinde zu Berlin sitzt der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe in dem neuen Gremium. Als Vertreterin der Fraenkelufer-Gemeinde ist Nina Peretz gesetzt. Die Politologin und gläubige Muslimin Pinar Cetin ist für die islamische Seite mit dabei. Für das Land Berlin ist der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) in dem Synagogen-Kuratorium vertreten. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann (Grüne) übernimmt die Koordinierung im Bezirk. Darüber hinaus unterstützen der LINKEN-Politiker Gregor Gysi, Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sowie Vertreter muslimischer und christlicher Gemeinden das Vorhaben als Kuratoriumsmitglieder. Die Verlegerin Friede Springer ist Ehrenbotschafterin.

»Mit diesem Kuratorium, das eine Menge Power ausstrahlt, können wir jetzt in die Realisierungsphase des Vorhabens gehen«, sagte Initiator Saleh. Er freue sich, dass so viele verschiedene Vertreter aus Politik und Gesellschaft das Projekt Synagogenbau unterstützen. »Der Wiederaufbau der Kreuzberger Synagoge macht deutlich, dass jüdisches Leben 2018 in Berlin willkommen ist«, sagte Saleh.

Das historische Gemeindehaus am Fraenkelufer entstand 1916 nach den Entwürfen des Berliner Architekten Alexander Beer. Mit seinen 2000 Plätzen zählte das Gotteshaus zu den größten Berlins. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 sowie durch Bombeneinschläge während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt. 1958 wurde der Großteil der noch stehenden Hausteile abgerissen. Der bis heute bestehende Seitenflügel des Gebäudes steht unter Denkmalschutz und wird von der Synagogengemeinde als Gebetsstätte genutzt.

Projektinitiator Saleh sieht den Wiederaufbau der Synagoge als einen wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog im multikulturellen Bezirk Kreuzberg »jenseits jeglicher Lippenbekenntnisse«. Pinar Cetin stimmte dem Sozialdemokraten zu. »Für mich als Muslimin ist es wichtig, am Wiederaufbau einer Synagoge mitzuwirken«, sagte die 36-Jährige, die Mitglied in der Sehitlik-Moscheegemeinde in Neukölln ist. Das Synagogen-Projekt bezeichnete sie als »Chance für eine konkrete muslimisch-jüdisch-christliche Zusammenarbeit«.

Das frisch ernannte Kuratorium wird seine Arbeit nach der parlamentarischen Sommerpause im September aufnehmen. Das Gremium hat die Aufgabe, einen Zeitrahmen festzulegen und einen Finanzierungsplan für das Bauvorhaben zu erarbeiten. Nach Plänen des Berliner Architekten Kilian Enders wird der Wiederaufbau der Synagoge rund 20 Millionen Euro kosten und fünf bis sieben Jahre dauern. Der Architekt setzt sich für einen weitestgehend originalgetreuen äußeren Wiederaufbau in klassizistischen Formen ein. Um den geschichtlichen Bruch der Zerstörungen deutlich zu machen, soll das Gebäude allerdings heller werden als sein Vorgänger.

Wie der Wiederaufbau der Synagoge im Einzelnen finanziert werden soll, ist noch unklar. »Ich stelle mir eine Mischung aus Landes- und Bundesmitteln sowie Spenden beispielsweise von der Lottostiftung und von Unternehmen vor«, sagte Saleh.

Der Vorsitzende der »Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus« (KigA) Dervis Hizarci will auch im Kiez ordentlich die Spendentrommel rühren. »Das Gotteshaus am Fraenkelufer soll für alle Kreuzberger eine Herzenssynagoge werden«, sagte Hizarci. Sein Verein unterstützt das Bauprojekt als Beitrag zum Dialog zwischen den Kulturen. »Die Sichtbarkeit jüdischen Lebens ist das effektivste Mittel gegen Antisemitismus.«

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