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Stimmung und Beton aufgeheizt

Demonstration vor dem Landtag fordert mehr Geld für mehr Qualität in den Kitas

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Sonne brennt und auf dem hitzeflimmernden Platz vor dem Potsdamer Landtag geht es am Mittwoch laut und heftig zu. Die freien Träger von Kindertagesstätten hatten zu einer Protestdemonstration aufgerufen. Sozusagen mit Kind und Kegel sind Vertreter von Kitas aus dem ganzen Land nach Potsdam geeilt. Die Demonstranten veranstalten einen Lärm, dass man kaum sein eigenes Wort versteht.

»Cottbus steckt noch im Stau«, ruft eine Moderatorin und kündigt die zusätzliche Teilnahme von Frankfurt (Oder), Bernau und Angermünde an. Sie gibt noch wetterbedingte Verhaltenstipps: Viel trinken, auf die Kinder achten und die wenigen schattige Plätze immer mal für andere freigeben. Rund 1000 Erzieherinnen, Eltern und Kinder haben sich eingefunden. Mit Liedern wie »Wenn Mutti früh zur Arbeit geht«, »Butzemann« und »Kam ein kleiner Teddybär« bringt sich die Versammlung in Stimmung. Von der Bühne wird ermuntert: »Applaus für die Clowns.« Bänke, Pavillons, Schattenspender und Ständer sind aufgestellt, Obst und Wasser wird gereicht. Das Ganze wirkt wie ein vorgezogener Kindertag im Schatten der alten Potsdamer Fachhochschule, die unterdessen weiter abgerissen wird.

Organisiert wurde der Protest von der Arbeiterwohlfahrt. Es beteiligen sich unter anderem das Deutsche Rote Kreuz, die Volkssolidarität und die Unternehmensgruppe Fröbel. Eingefunden haben sich Kitas mit Namen wie »Hasenhaus«, »Max und Moritz«, »Drushba« und »Matrjoschka«.

»Verbesserte Bedingungen für die Bildung unserer Kinder«, fordert ein Plakat. Der Vorsitzende des Paritätischen Landesverbandes Andreas Kaczynski mahnt eine gute Betreuung und Erziehung für jedes Kind an, »so lange es diese benötigt beziehungsweise so lange es seine Familie benötigt«. Das Personal in den Kitas dürfe nicht jeden Tag mit einer Notsituation in den Randzeiten konfrontiert werden. »Das muss die Ausnahme bleiben.«

Die Landtagsabgeordnete Marie-Luise von Halem (Grüne) assistiert Kaczynski. Was das Verhältnis von Erzieherinnen und Kindern betreffen, rangiere Brandenburg im Bundesvergleich weit hinten, erinnert sie.

Judith Fischer, die eine Kita der Volkssolidarität in der Potsdamer Waldstadt leitet, erklärt, das Land Brandenburg wolle für ein Kind am Tag lediglich 7,5 Stunden Betreuung finanzieren - »aber manche Kinder sind in der Woche 40 oder 50 Stunden bei uns«, sagt sie. Der Betreuungsschlüssel habe sich verbessert, bestätigt Fischer, doch stehe er zumeist nur auf dem Papier. Im vergangenen Jahr seien bei ihr vier Erzieherinnen in Rente gegangen. »Wir konnten es gerade so ausgleichen.« Ohne die beiden Azubis, die 20 Stunden in der Woche zur Verfügung stehen, könnte sie die Aufgaben in ihrer Kita nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen.

Nicht einverstanden mit Art und Zielrichtung des Trubels ist die Landtagsabgeordnete Gerrit Große (LINKE). Sie hat den Organisatoren der Demonstration vorgeworfen, die kleinen Kinder zu instrumentalisieren. Dass das Land nur 7,5 Stunden Betreuung finanzieren wolle, bezeichnet Große als »Märchen«. Doch angesichts der oft schwierigen Personalsituation hat sie für Frust durchaus Verständnis. Auch wenn das Land einiges erreicht und die Personalsituation für die Kitas auf eigene Kosten verbessert habe: Das Verhältnis von einer Erzieherin für fünf Kinder in der Krippe und einer Erzieherin für elf Kinder im Kindergarten sei lediglich ein rein rechnerisches. Dinge wie Krankheit, Urlaub oder Fortbildungen sorgen dafür, dass die Kitagruppen in Wirklichkeit größer sind, als der statistische Wert aussagt.

»Wenn die Erzieherinnen permanent überarbeitet sind, dann wirkt sich das auf unsere Kinder aus, dann bringt uns das auch nichts«, beschwert sich die Mutter eines Kindes, das eine Kita in Potsdam besucht. Auf die Frage, ob sie sich nicht über die ab Herbst eingesparten Elternbeiträge freue, sagt sie: »Ich verdiene so wenig, da muss ich keinen Beitrag leisten. Von der Beitragsbefreiung habe ich also nichts.«

Am Nachmittag beschließt der Landtag mit großer Mehrheit, die Elternbeiträge für das letzte Kitajahr vor der Einschulung ab September abzuschaffen. Es gibt nur eine Gegenstimme und die AfD enthält sich. Alle übrigen Abgeordneten sind dafür. Es sei ein wichtiger Tag, denn das Land nehme Kurs auf die Entlastung der Eltern, sagt SPD-Fraktionschef Mike Bischoff. Dem Ziel des Protestes, einer höheren Betreuungsqualität, wolle er sich nicht völlig verschließen. »Wir werden noch eine Schippe drauflegen«, verspricht er. Dass dies nicht genüge, macht CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben klar. Doch er bemerkt realistisch: »Wir werden nicht jeden Wunsch erfüllen können.«

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