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Einen Tag lang im Mittelpunkt

Internationaler Kindertag: Dietmar Bartsch will sich nicht mit der Armut von Minderjährigen in Deutschland abfinden

  • Von Dietmar Bartsch
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der 1. Juni ist Kindertag. Heute finden an vielen Orten, in Kitas, Schulen und anderen Kindereinrichtungen Kinderfeste statt. Das ist gut so. »Kinder sind unsere Zukunft.« Ein beliebter Satz, auch in der Politik. Stimmt immer. Sagt aber nicht, wie diese Zukunft aussieht und wie sie gestaltet wird. Das aber ist eine Schlüsselfrage unserer Zeit, weil damit im Kern die Frage beantwortet wird, wie wir zusammen leben wollen.

Ich sitze in meinem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern in einer Runde mittelständischer Unternehmer. Wir diskutieren über die Entwicklung der hiesigen Wirtschaft, die Stärkung von Arbeitnehmerrechten, die sich sortierende ehemals »Große Koalition« in Berlin. Große Augen schauen mich an, als ich der Runde die Arbeit des »Netzwerkes gegen Kinderarmut« vorstelle: Kinderarmut in Deutschland? Gibt’s doch nicht wirklich, alles Statistik! Doch, Kinderarmut gibt es! Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut, in Ostdeutschland ist fast jedes vierte Kind von Armut betroffen. Das sind insgesamt 2,7 Millionen Kinder! Eine brandmarkende Zahl! Ein Skandal! Ein Armutszeugnis für unser reiches Land! Ja, es ist ein Erfolg unseres »Netzwerkes gegen Kinderarmut«, dass im Koalitionsvertrag das Thema Kinderarmut erstmals eine relevante Rolle spielt. Aber traurige Wahrheit ist: Wer als Kind arm lebt, wird häufig auch als Erwachsener arm sein. Wer als Kind und Erwachsener in Armut lebt, ist öfter krank und stirbt früher.

Auch Deutschland hat sich zur UN-Kinderrechtskonvention bekannt. Doch was folgt daraus konkret für die tägliche Politik? Erstmalig wurden am 20. November 1989 Rechte des Kindes völkerrechtlich festgeschrieben. Ziel war es, die Lage aller Kinder auf der Welt zu verbessern: Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, Ruhe, Freizeit, Spiel, auf ein Höchstmaß an Gesundheit. Die Vertragsstaaten haben sich verpflichtet, alle geeigneten Gesetzgebungsmaßnahmen zur Verwirklichung der in diesem Übereinkommen anerkannten Rechte zu treffen. Wie kann es dann aber sein, dass in Deutschland 2,7 Millionen Kinder von Armut betroffen sind?

Sicher, die Situation von Kindern ist weltweit sehr unterschiedlich. In manchen Ländern ist sie so katastrophal, dass Tausende Kinder verhungern. Ja, die Kinder in Deutschland haben anders als in vielen Ländern der Welt das Glück, in Frieden aufwachsen zu können. Und doch ist Armut in einem so reichen Land wie Deutschland etwas, das Kinder hart trifft. Schon frühzeitig werden arme Kinder aussortiert und ausgegrenzt: von weiterführenden Schulen, von Sportvereinen, von Kultureinrichtungen, vom gemeinsamen Urlaub mit der Familie, von gesunder Ernährung, vom gesunden Wohnumfeld. All das wirkt im negativsten Sinne nachhaltig. Es gelingt nur Wenigen, dieser Spirale zu entkommen.

Ich will nicht wegschauen, wenn für ein Kind Türen der Zukunft verschlossen werden, nicht wegschauen, wenn eine Gesellschaft Armut nicht mehr erkennt, als Normalität akzeptiert und so de facto die Spaltung unserer Gesellschaft vorangetrieben wird. Ich lade alle ein, ebenfalls nicht zuzusehen, sondern sich einzubringen! Als Fraktionsvorsitzender im Bundestag kann ich meinen Beitrag leisten. Viele andere tun das engagiert, wie es zum Beispiel bei der Familiendemonstration »Es reicht für uns alle!« am 12. Mai in Berlin sichtbar war. Ich habe gesehen, mit welcher Vehemenz, welcher Kreativität und Leidenschaft sich dort Menschen für die Zukunft ihrer Kinder einsetzen. Unendlicher Respekt und Dank hierfür! Aber wir müssen mehr und lauter werden in dieser Frage. In Deutschland muss eine Kindergrundsicherung durchgesetzt werden!

Ich wurde von alleinerziehenden Müttern angesprochen, die mir dankten, dass ich »mein politisches Gewicht« für das Thema Kinderarmut einsetze, und ich reagiere beschämt auf dieses Lob. Es sollte selbstverständlich sein, dass in der Politik die Interessen der Schwächsten am energischsten wahrgenommen werden, ohne dass diese laut rufen müssen.

Wir stehen erst am Anfang eines Kampfes für gleiche Rechte und Zukunftschancen von allen Kindern und Jugendlichen. Sonntagsreden helfen keinem Kind, nur Taten und konkrete Maßnahmen. Kinder und Jugendliche brauchen eine starke Lobby! Jedes Kind hat ein Recht auf eine glückliche, geborgene Kindheit, in der es möglichst viele seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln kann. Das gilt nicht nur am Kindertag.

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