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Jesiden erhalten endlich Hilfe

Das Land zahlt der Organisation »Mission East« 495 000 Euro für Projekt im Sinjar-Gebiet

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Oft wird gefordert, Menschen vor Ort zu helfen, Flüchtlinge nah ihrer Heimat zu versorgen. Aber häufig dient das nur als Ausrede, um selbst keine Flüchtlinge aufnehmen zu müssen. Bei der Hilfe vor Ort geschieht dann überhaupt nichts. Anders geht das Land Brandenburg jetzt mit den Jesiden um. Die von der Terrormiliz IS brutal verfolgte Minderheit erhält zunächst im Nahen Osten finanzielle Unterstützung und dann auch noch in Brandenburg.

Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) ist Brandenburgs Beauftragter für Internationale Beziehungen und gerade von einer Informationsreise nach Irak und Kurdistan zurückgekehrt. Durch die irakische Hauptstadt Bagdad sei er mit Schutzweste und Helm zur deutschen Botschaft gefahren worden, erzählte Gorholt, um zu verdeutlichen, wie fragil die Sicherheitslage dort noch immer ist.

Am Freitag übergab der Staatssekretär in Potsdam der Hilfsorganisation »Mission East« einen Zuwendungsbescheid über 495 000 Euro. Das Geld soll für ein Gemeinschaftszentrum im Sinjar-Gebiet verwendet werden.

Jana Göpel erklärte, was unter anderem mit dem Geld geschehen sollte. Arbeitsvermittlung und Bewerbungstraining beispielsweise, sagte die Büroleiterin der Hilfsorganisation in Deutschland. Außerdem gibt es vom Land Brandenburg noch 93 400 Euro für ein geplantes Projekt in der Provinz Sulaimaniyaa. Dort sollen Vergewaltigungsopfer betreut werden. Details könne er leider nicht verraten, weil mit den Partnern Stillschweigen vereinbart worden sei, bedauerte Projektkoordinator Arvid Vormann. Er ist bei Wadi, einem Verein für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Weltweit gibt es eine Million Jesiden, darunter 100 000 in Deutschland. 450 000 Jesiden lebten 2014 - vor dem Angriff der Terrormiliz IS - im Sinjar-Gebiet. 350 000 von ihnen flüchteten, vornehmlich in kurdische Gebiete. Man weiß von 6417 Jesiden, die in Gefangenschaft geraten sind. Die Männer tötete der IS in der Regel sofort, die Jugendlichen bildete er zu Kindersoldaten aus, und die Frauen hielt er als Sklaven, wobei viele Frauen immer wieder vergewaltigt worden sind. Die Hälfte der Gefangenen befindet sich noch immer in der Gewalt der Terrormiliz oder gilt als verschollen, die anderen konnten mittlerweile aus den Fängen des IS flüchten oder befreit werden. Ständig kommen auch immer noch Jesidinnen und Jesiden frei.

Die vergewaltigten Frauen - rund 1200 Namen stehen in einer diesbezüglichen Kartei - sind schwer traumatisiert. 400 von ihnen nahm das Land Baden-Württemberg auf, für die übrigen 800 wird noch nach einer Lösung gesucht. Besonders tragisch ist das Schicksal jener Frauen, die durch Vergewaltigung schwanger wurden und Kinder zur Welt brachten. Diese Kinder gelten wegen der IS-Kämpfer, die ihre Väter sind, als Muslime. Sie stehen als solche außerhalb der streng konservativen jesidischen Gemeinschaft, in der Kinder offiziell nur aus Ehen zwischen Jesiden hervorgehen dürfen. Die Frauen und Kinder könnten deswegen nicht mehr integriert werden, habe ihm das weltliche Oberhaupt der Jesiden, Mîr Tashin, bestätigt, sagte Gorholt. Surik Djndeyan, dem Vorsitzenden des weltweiten jesidischen Parlaments, war allerdings die Feststellung wichtig, dass die Jesiden die vergewaltigten Frauen durchaus akzeptieren.

Es bleibt das Problem der Kinder. Darum will das Land Brandenburg zwei Gruppen aufnehmen, zusammen 60 betroffene Mütter und Kinder. Eine der Gruppen wird möglicherweise in Eberswalde untergebracht. Über den Ort für die andere könne er noch nichts sagen, bedauerte Gorholt.

Bereits 2016 beschloss der Landtag mit großer Mehrheit ein Hilfsprogramm für die Jesiden. Lange ging es damit nicht voran, doch endlich, seit einem halben Jahr, »spüren wir Bewegung in der Staatskanzlei«, würdigte die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige (LINKE).

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