Werbung

Dogmatiker

Personalie

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Manch früherer DDR-Bürgerrechtler hat eine erstaunliche Wandlung hinter sich. Einst gegen staatliche Repression protestiert, stellt sich mancher nun auf die Seite jener, die zwar den Freiheitsbegriff vereinnahmen, darunter aber keinesfalls das Recht auf die freie Entfaltung für jeden verstehen.

Siegmar Faust ist so einer, der die Freiheit inzwischen von rechts besetzt. Ende der 60er Jahre hätte er das wohl selbst nicht geglaubt: Da verstand er sich laut »Lausitzer Rundschau« noch als bekennender Marxist. Undogmatische Linke konnten im »Arbeiter- und Bauernstaat« auch politische Opfer werden. 1971 kam Faust wegen des Vorwurfs »staatsfeindlicher Hetze« in Untersuchungshaft und wurde zu viereinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt, von denen er 401 Tage in Isolationshaft verbrachte, weil er mit der illegal angefertigten Zeitung »Armes Deutschland« das »ND« satirisch veräppelte, als es noch den Zusatz »Zentralorgan« trug. Fünf Jahre später reiste er aus der DDR aus.

Nachdem er im Westen seinen Beschreibungen zufolge auf linke Dogmatiker traf, setzte bei Faust vermutlich seine politische Wende ein. Zwei Mal war er für kurze Zeit FDP-Mitglied, wie Faust Ende 2017 in einem Beitrag für das Magazin »The European« erklärte. Aus dem Text geht auch hervor, wie der 73-Jährige heute über die Freiheit denkt. So sei der »Kampf gegen Rechts« durch »totalitäres Denken« geprägt und zu »einem einträglichen Geschäft verkommen«. Er spricht von »Gutmenschen« und »Altparteien«. Das klingt nicht nur nach AfD, selbiger wandte sich Faust zuletzt immer stärker zu.

Dass er nun »bis auf Weiteres« keine Führungen mehr in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen durchführen darf, hat er Äußerungen in der »Berliner Zeitung« zu verdanken. Darin kritisierte er den Umgang der Justiz mit dem Holocaustleugner Horst Mahler und fragte mit Blick auf die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden: »Ist die Zahl sechs Millionen heilig?« Er verstehe ja, so Faust laut Zeitung, »dass die Verbrechen der Nazizeit noch weiter wirken. Aber irgendwann muss das mal ein bissel aufhören. Man darf es nicht übertreiben.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen