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Prima Inselabenteuer mit der Deutschen Bahn

Schleswig-Holstein: Das Chaos im Sylter Nahverkehr geht in eine neue Runde - und beschäftigt inzwischen auch das Bundesverkehrsministerium

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Wieder einmal gibt es nichts als Ärger im Bahnverkehr von und nach Sylt. Das Thema schlägt Wellen bis ins Bundesverkehrsministerium. Ihm sei deutschlandweit kein anderer Streckenabschnitt bekannt, auf dem es solch ein Desaster auf der Schiene gebe, wird Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) im Bundesverkehrsministerium zitiert. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) kündigt derweil an, er prüfe, die seit Februar über die Bahn verhängten monatlichen Strafzahlungen, die bereits von 250 000 auf momentan 350 000 Euro angehoben wurden, nochmals zu erhöhen.

Seit November 2016 wird die Bahnfahrt von und nach Sylt zur nervenaufreibenden Geduldsprobe. Erst gab es folgenschwere Kupplungsschäden an Waggons und strukturelle Probleme bei der Reparatur dieser Defekte. Dann fehlten Ersatzwagen, die vorhandenen waren veraltet und verdreckt, für behinderte Menschen gab es starke Einschränkungen. Zudem mangelte es wegen technischer Probleme an Lokomotiven, die Informationspraxis der Bahn war häufig schlecht.

Aktuell wird auf dem eingleisigen Abschnitt der sogenannten Marschbahn zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie auf dem Reststück vom Festland auf die Insel Sylt am Gleisbett gearbeitet. Es geht um zahlreiche Risse oder Lagefehler der Schienen, die bis zum 7. Juni behoben werden sollen. Dazu sind nachts Fräsmaschinen im Einsatz, welche betroffene Schienenstellen abschleifen sollen. Bis alle markanten Schienenstücke ausgebessert sind, dürfen besagte Abschnitte aus Sicherheitsgründen nur mit 20 Stundenkilometern durchfahren werden. Sonst passieren Züge diese Strecken mit Tempo 100 bis 140.

Diese Geschwindigkeitseinschränkungen haben den gesamten Fahrplan durcheinander gebracht. Seit dem Pfingstwochenende kam es zu diversen Zugausfällen und Verspätungen. Betroffen sind Fernzüge mit Autoverladung und Regionalbahn, Leidtragende sind sowohl Urlauber als auch Berufspendler. 70 Prozent der Beschäftigten auf der Nordseeinsel pendeln zwischen nordfriesischem Festland und dem Eiland, weil es in Westerland, List, Hörnum, Kampen oder Morsum keinen für Normalverdiener bezahlbaren Wohnraum mehr gibt.

Durch die Störungen im Fahrplan ist für viele Berufstätige an einen geregelten Alltag nicht mehr zu denken. Einzelhändler, Handwerksbetriebe und Dienstleister beklagen zunehmend Personalsorgen, weil bereits Mitarbeiter wegen des Bahnchaos gekündigt haben. Deshalb ist Sylts Bürgermeister Nikolaus Häckel ungehalten. »Wir sind völlig abgehängt«, beklagt er sich angesichts der chaotischen Zustände. Eine Weichenstörung im Raum Elmshorn hat für weitere Probleme bei der Marschbahn geführt. Zudem musste die Bahn einräumen, dass sie sich mit Software-Problemen herumschlägt, weshalb auf der Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt viele Züge nur mit sechs Waggons statt der benötigten zehn auf die Reise geschickt werden können. Für den Abschnitt Elmshorn - Hamburg heißt es ferner, zusätzlich einmal mehr umzusteigen.

»All das macht unseren Tourismus kaputt«, ärgert sich Häckel, der sich zuletzt viele Beschwerden von Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen anhören musste, wo es in diesem Jahr zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder einwöchige Pfingstferien gab. Beim Verlassen der Insel zu Ferienende gerieten die Gäste aus NRW in einen vierstündigen Stau bei der - an den Notfahrplan angepassten - Autoverladung. Auf dem 14 Kilometer langen, eingleisigen Abschnitt zwischen Klanxbüll und Niebüll müssen Züge je nach Richtung aktuell ständig Wartezeiten in Kauf nehmen, um den Gegenverkehr abzuwarten.

Die Forderung nach einem dringend nötigen zweispurigen Ausbau der Strecke bis nach Sylt ist inzwischen im Bundesverkehrsministerium angekommen, eine entsprechende Ausweisung im Bundesverkehrswegeplan wird erwartet. Bis zur Umsetzung vergehen aber erfahrungsgemäß zehn Jahre. Im Verkehrsministerium regte man daher den Bau einer längeren Überholspur als Zwischenlösung an. Bürgermeister Häckel dazu: Das sei doch lediglich eine Beruhigungspille.

Die Deutsche Bahn kommt aus ihrer Serie von Pleiten, Pech und Pannen auf dieser Strecke jedenfalls nicht heraus. Die Pünktlichkeit der Züge lag im Mai bei rund 68 Prozent, laut Vertrag soll sie 93 Prozent betragen. Der Anteil der Zugausfälle soll zudem nicht höher als ein Prozent sein. Auch diese Marke verfehlt die Bahn.

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