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  • Nationalmannschaft vor der WM

Ein andermal

Joachim Löw streicht Sané, Leno, Tah und Petersen aus dem Kader für die Fußball-WM

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 3 Min.

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Tja, wie willst du es machen? 27 Mann, alles gute Leute, und du musst trotzdem vier von ihnen aussieben. Und egal wen es trifft, es gibt stets gute Gegenargumente: Denn der eine hat Verdienste und Erfahrung, der andere die schnellsten Beine und den größten Mut. Der eine wächst auf dem Rasen über sich hinaus, der andere sorgt dafür im Team für den rechten Ausgleich. Also am besten nicht beirren lassen und entscheiden - ohne weitere Diskussionen.

So hielt es auch Bundestrainer Joachim Löw in Eppan, als er am Montagvormittag verkündete, welcher Spieler das DFB-Trainingslager noch verlassen muss, weil für ihn kein Platz mehr im WM-Aufgebot des Deutschen Fußball-Bundes ist. Bernd Leno, Jonathan Tah, Nils Petersen und Leroy Sané - in dieser Reihenfolge verkündete Löw die Namen jener unglücklichen Vier, die er bei der WM am Ende für verzichtbar hielt.

Die Sensation Sané hatte er sich dabei für den Schluss aufgehoben und zuvor schon angekündigt, dass er keine Fragen zu seinen Entscheidungen beantworten werde. »Es gibt sicherlich deutlich schönere Tage im Leben eines Bundestrainers, wenn man vier so tolle Spieler nach Hause schicken muss, die es verdient gehabt hätten, dabei zu sein«, hatte Löw vorweg geschickt. Die Enttäuschung der Spieler sei sehr, sehr groß; Löw verglich es mit einem Check-in zum Flug nach Moskau, wo man am Flugschalter erfahre, dass man doch nicht einsteigen dürfe. Er sei weiterhin von den überragenden Fähigkeiten aller vier Spieler überzeugt.

Dennoch sticht neben Torwart Leno, Verteidiger Jonathan Tah - beide aus Leverkusen - und dem Freiburger Nils Petersen Manchester-City-Jungstar Sané deutlich heraus: Der 22-Jährige hat sich im zweiten Jahr unter Pep Guardiola zum absoluten Stammspieler gemausert. 14 Tore und 19 Vorlagen gelangen dem ehemaligen Schalker in 49 Pflichtspielen. In der Premier League wurde er gar zum Besten Nachwuchsspieler der Saison gekürt. 50 Millionen hatte Man City einst für den Wechsel des Hochbegabten nach England gezahlt, mittlerweile würde so ein Deal 90 Millionen Euro kosten. Und so einen nimmt Löw nicht mit?

Ja, genau und bei Lichte betrachtet, ist die Entscheidung weniger überraschend, als es den Anschein hat. In der Nationalelf nämlich wusste Sané nie zu überzeugen, auch in seinem zwölften Länderspiel am Samstag mal wieder nicht, als die DFB-Auswahl in Klagenfurt gegen Österreich mit 1:2 den Kürzeren zog. Noch keinen Treffer erzielte Sané für den DFB. Bei seinem ersten großen Turnier, der EM 2016, soll Sané nicht mit übermäßigem Fleiß im Training geglänzt haben. Sané durfte nur elf Minuten mitspielen. Für den Confed Cup 2017 sagte Sané ab, unterzog sich lieber einer bereits lange anstehenden Nasen-OP.

Auch bei seinen darauffolgenden Länderspieleinsätzen blieb Sané blass, vor allem das verlorene Länderspiel gegen Brasilien in Berlin (0:1), das als WM-Härtetest galt, dürfte sein Standing beim DFB-Trainerteam nicht verbessert haben. Sané, der vor allem in Bedrängnis und in Eins-zu-eins-Situationen zu genialen Taten fähig ist, konnte auch in diesem Match nie soviel von seinem Können aufbieten, wie er üblicherweise in der Premier League zu leisten imstande ist. Nach einer Stunde musste er in Berlin vom Platz, für ihn kam Julian Brandt zum Einsatz, jener 22-jährige Leverkusener Confed-Cup-Sieger, dem Löw am Ende nun auch den Vorzug bei der WM gab.

»Es ist wichtig, als Trainer das Große und Ganze zu sehen und beim Turnier variabel agieren zu können«, sagte Joachim Löw am Montag in Südtirol. Für Sané, von dem am Montag kein Kommentar zu hören war, sei beim DFB in der Zukunft noch alles möglich. Nicht aber 2018 - da signalisiert Löw mit dem Verzicht auf seinen Jungstar den 23 Nominierten deutlich: Wer nicht richtig mitzieht, ist ganz schnell draußen. Er entscheidet - ohne weitere Diskussionen.

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