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Azubis stehen auf Gerechtigkeit

Ver.di sieht hohe Zustimmung Jugendlicher zu gewerkschaftlichen Grundwerten

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Junge Menschen mögen es fair und gerecht. So kann man die Ergebnisse der Ausbildungsbefragung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zusammenfassen, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. 99 Prozent der befragten Auszubildenden gaben demnach an, dass es ihnen sehr wichtig ist, dass es im Betrieb fair und gerecht zugeht. 91 Prozent von ihnen erwarten Gleichbehandlung bei der Arbeit. Für ihre Untersuchung ließ ver.di von Kantar Public, vormals TNS Infratest, 505 Auszubildende im Alter zwischen 16 und 27 Jahren befragen. Berücksichtigt wurden dabei alle Regionen, Betriebsgrößen und Branchen.

Rund vier von fünf Azubis sind demnach mit ihrer Ausbildung zufrieden. Neben Fairness und Gerechtigkeit sind ihnen dabei klar strukturierte Ausbildungsinhalte und konkrete Arbeitsaufgaben besonders wichtig. »Die Auszubildenden erwarten Strukturen, die ihnen Sicherheit und Halt geben«, sagt ver.di-Chef Frank Bsirske. Denn dort, wo die Arbeitsaufgaben unklar erschienen und von den Ausbildungsinhalten abwichen, wachse die Unzufriedenheit, und die Auszubildenden fühlten sich häufiger überfordert.

Indes passen Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammen. Jeweils gut ein Fünftel der Befragten gaben an, dass sie ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben müssen und unklare Arbeitsaufgaben gestellt bekommen. 44 Prozent bekommen zu häufig wechselnde Aufgaben gestellt und zwölf Prozent fühlen sich dadurch überfordert. »Überstunden gehören bereits in der Ausbildung zum Arbeitsalltag«, fügt Bsirske hinzu. So gab weniger als ein Drittel der Lehrlinge an, nur selten oder nie Überstunden machen zu müssen, fast jeder Vierte beklagte hingegen, einmal die Woche länger als vereinbart arbeiten zu müssen. Bei fast jedem Fünften sind es sogar zwei bis drei Tage pro Woche.

Auch bezüglich der Grundwerte gibt es offenbar Handlungsbedarf. Nur jeder vierte Lehrling gab an, dass Fairness und Gerechtigkeit in seinem Betrieb eingelöst seien. Immerhin 47 Prozent gaben an, dass diese Werte meist umgesetzt seien. Jeder Vierte jedoch vermisst die beiden Grundwerte gänzlich bei der Ausbildung. Meist liegt dies dann am Arbeitsklima, ungerechter Bezahlung und mangelnden Führungsqualitäten der Vorgesetzten. Dabei sind diese Ungerechtigkeiten meist in kleinen Betrieben ausgeprägter als in großen, und weibliche Auszubildende spüren sie mehr als ihre männlichen Kollegen. So gaben insgesamt 13 Prozent der Befragten an, dass die Gerechtigkeit in ihrem Betrieb unter dem Arbeitsklima leidet. Unter den weiblichen Auszubildenden waren es 19 und unter jenen in Kleinbetrieben 17 Prozent.

Was Bsirske und seine Gewerkschaftskollegen freuen kann: Viele Probleme sind weniger stark ausgeprägt in Betrieben mit Tarifbindung. So sehen 63 Prozent der Lehrlinge mit Tarifvertrag das Ziel der Gleichbehandlung in ihrem Betrieb als erfüllt an, während es nur 48 Prozent der Azubis ohne Tarifvertrag sind. Auch das Arbeitsklima ist in tarifgebundenen Unternehmen mit 83 Prozent häufiger harmonisch als in Unternehmen ohne Tarifbindung, wo der Wert bei 71 Prozent liegt.

»Tarif wirkt also«, so Bsirske, demzufolge die Azubis in hohem Maße den zentralen gewerkschaftlichen Werten zustimmen. Woran er aber zu knabbern hat: Lediglich zwei Drittel der befragten Azubis halten Gewerkschaften noch für einen unverzichtbaren Bestandteil der hiesigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. 14 Prozent sehen sie als überholt an und 20 Prozent sind in dieser Frage unschlüssig. »Das ist ein klarer Auftrag für uns als Gewerkschaft, zusammen mit den jungen Beschäftigten an diesen Themen zu arbeiten und Azubis als Gewerkschaftsmitglieder zu gewinnen«, sagt Bsirske.

Seine Gewerkschaft hat deshalb am Montag unter dem Motto »Gute Ausbildung« eine bundesweite Aktionswoche gestartet. In deren Rahmen will ver.di Jugendliche in über 700 Ausbildungsbetrieben aufsuchen und in Kontakt mit ihnen kommen. »Als Gewerkschaftsmitglied stehst du stärker und sicherer im Arbeitsleben. Wir hätten dich gerne bei uns«, fordert der ver.di-Vorsitzende dabei die Jugendlichen in einer kleinen Broschüre auf, Gewerkschaftsmitglied zu werden. Immerhin kann seine Organisation schon jetzt »tendenziell steigende« Neumitgliederzahlen unter Jugendlichen verzeichnen.

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