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Jobcenter überfordert

Seit Jahren nimmt die Zahl der Langzeitarbeitslosen nicht ab

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Fast scheint es, als würde die Bürokratie die Jobcenter lähmen. Die Aufwendungen für Personal und Verwaltung steigen immer weiter an. Im vergangenen Jahr flossen 911 Millionen Euro in die Verwaltung der Jobcenter, die eigentlich für die Qualifizierung von Arbeitslosen vorgesehen waren. Das waren 147 Millionen Euro mehr als 2016. Rufe nach einer Entbürokratisierung werden lauter, etwa durch mehr Pauschalen und einheitliche Anrechnungsvorschriften. Die Arbeitslosengeld-Bescheide ufern nämlich aus, viele haben einen Umfang von mehr als 20 Seiten, damit sie gerichtsfest sind.

Diese Mittel fehlen letztlich bei der Förderung von Erwerbslosen. Zwar gibt es eine Belebung auf dem Arbeitsmarkt. Im April waren bundesweit rund 2,4 Millionen Menschen ohne Job - das waren rund 185 000 weniger als noch vor einem Jahr. Zudem gab es 784 000 offene Stellen. Davon können allerdings nicht alle gleichermaßen profitieren. Unter den Erwerbslosen tritt nämlich immer deutlicher eine Zwei-Klassen-Gesellschaft hervor. Auf der einen Seite gibt es die relativ jungen Freigestellten, oftmals gut qualifiziert, die nur für kurze Zeit Arbeitslosengeld I beziehen. Auf der anderen Seite befinden sich die Langzeitarbeitslosen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum mehr eine Chance haben. Seit Jahren schon stagniert ihre Zahl bei rund einer Million. Die Jobcenter tun sich offensichtlich schwer damit, diesen Menschen berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Dazu bräuchte es eine deutlich bessere Betreuung. Diese Kapazitäten haben Jobcenter im Moment aber nicht.

Die Bundesregierung setzt nun zu einer neuen Beschäftigungsoffensive an. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) stellte kürzlich Eckpunkte für einen sozialen Arbeitsmarkt vor, um »besonders arbeitsmarktfernen« Erwerbslosen Jobs zu verschaffen. Sein Mittel dafür sind Lohnzuschüsse für die Unternehmen, in den ersten beiden Jahren sollen die Löhne komplett erstattet werden. Vier Milliarden Euro will Heil dafür investieren. Rund 150 000 Menschen sollen davon bis 2021 profitieren und in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt werden. Insbesondere im ersten Jahr sollen Mitarbeiter der Jobcenter den (ehemaligen) Arbeitslosen und den Unternehmen beratend zur Seite stehen.

Welchen Stellenwert externe Organisationen wie Joblinge künftig bei der Arbeitsvermittlung einnehmen werden, ist derzeit nicht absehbar.

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