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  • Raumfahrer Alexander Gerst

Mit 26 Millionen PS

Alexander Gerst und seine Kollegen auf dem Weg zur ISS

  • Von Thomas Körbel, Baikonur
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zum Abschied bleibt ein Feuerschweif als Gruß am Firmament. Rasch verdichtet er sich zu einem kleiner werdenden Punkt am Himmel über der kasachischen Steppe. Nach zweieinhalb Jahren anstrengendem Training ist Alexander Gerst, Deutschlands populärster Astronaut, zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet. Mit einer Sojus-Rakete hob »Astro-Alex« am Mittwoch vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur ab.

Zuvor genoss er noch einmal Alltägliches: »Eben aufgestanden und zum letzten Mal in 6 Monaten geduscht«, twittert er, später dann: »Ziehen unsere Raumanzüge an und testen sie auf Lecks.« Vor vier Jahren war er schon einmal auf der ISS, als Bordingenieur. »Es ist einfacher, wenn man zum zweiten Mal fliegt, denn man hat die großen Unbekannten nicht.«

Die Sonne brennt. Wer Glück hat, sieht auf dem Weg zum Startkomplex ein Kamel am Straßenrand. »Beobachten desinteressierte Kamele am Wegesrand«, twittert er Stunden vor dem Start. »Stimmung in der Crew ist super.« Beim Verlassen des Kosmonautenhotels strahlt »Astro-Alex« und winkt in seinem blauen Overall in die Menge. Sehr glücklich wirkt er, nun, da es endlich wirklich losgeht.

Seine zweite Reise zu den Sternen beginnt an der historischen Startrampe 1, von der aus Juri Gagarin 1961 als erster Mensch den Kosmos erkundete. Viel Lärm, Feuer und Rauch, dann befördert die Sojus-Rakete die Crew mit 26 Millionen PS ins All. Schon nach neun Minuten ist das Raumschiff im Weltraum - fast 28 000 Kilometer pro Stunde schnell.

Aus zwei Kilometern Entfernung blicken die Familien der Raumfahrer, Branchenexperten und die Weltpresse auf die Rampe. Auch Gersts engste Freunde und Verwandte haben die weite Reise angetreten, um ihren »Forscher und Entdecker« zu begleiten. »Auf seinem Weg, der längst nicht abgeschlossen ist, haben wir ihn immer unterstützt«, teilt die Familie mit.

Ein besonderer Gast beim Start ist Sigmund Jähn. Gerst hat den 81-jährigen »guten Freund« eingeladen. »Er ist aus meiner Sicht einer der fähigsten Leute, die wir hatten«, sagt Jähn über Gerst. Im August 1978 flog der DDR-Bürger mit einer Sojus zur Raumstation Salut 6 - und wurde der erste Deutsche im All. In den 40 Jahren seit Jähns Mission hat sich viel geändert. Die Technik ist automatisierter, digitaler, ausgereifter. Jähn sagt: »Die Leute werden immer klüger. Der Alexander Gerst ist ein treffendes Beispiel. Ein äußerst fähiger junger Mann, ein gestandener Wissenschaftler.«

Bis Freitag ist Gerst mit dem Russen Sergej Prokopjew und der US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor im Raumschiff »Sojus MS-09« unterwegs zur ISS. 34-mal wird die Crew die Erde umrunden, bis sie am Raumlabor andockt. Ein gutes halbes Jahr soll der 42-Jährige in der ISS leben, experimentieren und - als erster Deutscher überhaupt - im Herbst auch das Kommando übernehmen.

Als Wissenschaftler erwartet den promovierten Geophysiker Gerst ein strammes Programm. Für rund 300 Experimente soll das halbe Jahr im All reichen. 41 Forschungsprojekte steuert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bei. Gerst soll in der Schwerelosigkeit unter anderem an Künstlicher Intelligenz und an den Eigenschaften planetarer Magnetfelder forschen. »Wenn Alex Commander ist, hat er weniger Zeit«, sagt Volker Schmid vom DLR. Als Kommandant ist er vor allem für die Sicherheit der Crew im Notfall verantwortlich. Schmid will deshalb als Leiter von Gersts Mission »Horizons« so viele Aufgaben wie möglich umsetzen, bevor Gerst das Ruder übernimmt.

Gersts Heimatort Künzelsau in Baden-Württemberg feierte den Flug seines Ehrenbürgers am Mittwoch mit einem Stadtfest. dpa/nd

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