Werbung
  • Berlin
  • Tourismus-Streit in Berlin

Schluss mit Müll, Dreck, Kotze

Neues Tourismuskonzept der Grünen soll Anwohnerinnen und Anwohner in den Kiezen entlasten

  • Von Lola Zeller
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Verdrängung, Lärmbelästigung, Dreck und die Vermarktung des Kiezes - das seien die Probleme durch den Tourismus in den letzten Jahren in Berlin, sagt Thoralf Barth, Aktivist der Initiative »Bizim Kiez«. An den Hotspots Berlins werde durch die Gastronomie-Monostruktur und den nicht regulierbaren Ferienwohnungsmarkt Druck auf den Wohnraum und die Gewerbeflächen ausgeübt. Der Lautstärkepegel in solchen Straßen liege bereits im ungesunden Bereich zwischen 66 und 70 Dezibel, so Barth. Auch sauber gehe es nicht zu: »Müll, Dreck und Kotze - genauso liegt es da auf der Straße.« Schlussendlich gehe es um Gewinnmaximierung im Berliner Wohnbereich anstatt um die Bedürfnisse der Menschen im Kiez. »Anwohnerinnen und Anwohner werden kontrolliert allein gelassen«, kritisiert Barth die Politik.

Ilse Helbrecht, Professorin für Kultur- und Sozialgeographie an der Humboldt-Universität Berlin, gibt dem stadtpolitischen Aktivisten Recht. »Es gab eine Politik des organisierten Wegschauens.« Das habe sie durch wissenschaftliche Studien auch belegen lassen. Doch der rot-rot-grüne Senat versucht es besser zu machen durch das neue Tourismuskonzept, das im April verabschiedet worden ist. Ihm zugrunde liegt eine Studie, entwickelt durch die Humboldt-Innovation GmbH und die dwif-Consulting GmbH, an deren Erarbeitung Helbrecht beteiligt war. »Jede Maßnahme, die das Erleben für Besucherinnen und Besucher erhöht, muss auch gleichzeitig die Lebensqualität für die Berlinerinnen und Berliner erhöhen« - das sei das Leitbild des fertigen Papiers, sagt Hellbrecht.

Ein weiteres Ergebnis der Studie sei die Erkenntnis, dass Tourismus nicht von Stadtpolitik zu trennen ist. »Tourismusentwicklung muss man zusammendenken als Querschnittsthema in der Stadtentwicklung«, sagt Helbrecht. Etwa die Hälfte der nächtlichen Besucherinnen und Besucher, beispielsweise in der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain oder im Wrangelkiez in Kreuzberg, wohnten nämlich selbst in Berlin. »Wir reden gar nicht mehr von Touristinnen und Touristen, sondern wir reden von touristischen Praktiken«, sagt Helbrecht.

Das neue Tourismuskonzept soll zu einem Maßnahmenkatalog und konkretem Fahrplan für die künftige Politik führen, erklärt Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe (Grüne). »Das sind die wichtigsten Leitlinien, die wir uns vorgenommen haben: Dezentralität, Stadtverträglichkeit, Lebensqualität für Anwohnerinnen und Anwohner und Touristen und Touristinnen gleichermaßen«, sagt Pop. Da das Konzept nun schon so früh in der Legislaturperiode beschlossen worden ist, könne man auch direkt zur Umsetzung kommen. Zum Beispiel seien elf neue Stellen für das Ordnungsamt in Friedrichshain-Kreuzberg zur Verfügung gestellt worden, die der Bezirk einsetzen kann, wo er möchte. Zum Beispiel, um dafür zu sorgen, dass die Vorschriften zum Lärmschutz von den Gastrobetrieben eingehalten werden. Das scheint jedenfalls ein starkes Interesse unter den Anwohnerinnen und Anwohner vorhanden zu sein, die sich im Publikum äußern.

Außerdem, so Pop, habe man Mittel für mehr öffentliche Toiletten in der Stadt freigegeben, um ein geplantes Toilettenkonzept zu verwirklichen. Der Wirtschaftssenatorin ist vor allem der Punkt der Dezentralität wichtig. Dabei gehe es darum, Touristinnen und Touristen, auch innerstädtischen, von den Außenbezirken zu überzeugen. »Wir wollen die Ballung aus der Innenstadt, die es zurzeit gibt beim Tourismus, entzerren.« Pop sagt weiter: »Wir sind davon überzeugt, dass unsere Bezirke alle was zu bieten haben.« Viele dieser Bezirke hätten ein starkes Interesse an mehr Tourismus. Zur Unterstützung werde es daher in jedem Bezirk Tourismusbeauftragte geben, kündigte die Wirtschaftssenatorin an. Das sei »ein totales Novum«.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen