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Wenige Riesenwindparks statt Wildwuchs überall

Mecklenburg-Vorpommern: Partei Freier Horizont legte überraschendes Alternativ-Konzept vor - Landesenergieminister zeigt sich skeptisch

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Schwerin. Im Ringen um einen verträglichen Ausbau von Windparks in Mecklenburg-Vorpommern setzt die Partei Freier Horizont auf ein Alternativkonzept: Wenige Riesenwindparks statt vieler, über das gesamte Land verstreuter Anlagen. Der in dieser Woche in Schwerin vorgestellten »Cluster-Lösung« zufolge sollen in jeder der vier Planungsregionen jeweils ein bis zwei Zentralstandorte für die Errichtung von Windrädern bestimmt werden. »Wir erreichen mit einer solchen Konzentration eine Konfliktminimierung und kommen weg vom bisherigen Flickenteppich«, begründete Vorstandssprecher Heiko Böhriger den überraschenden Vorstoß.

Die Idee lehne sich an das Prinzip der Großtagebaue an, bei denen betroffene Bewohner der Region für die damit verbundenen Belastungen und Einschränkungen Entschädigungen erhielten und andernorts ökologischer Ausgleich geschaffen werde. »Das hätte auch positive Wirkungen für das gesamte Landschaftsbild«, argumentierte Böhriger. Berechnungen der Partei Freier Horizont zufolge könne mit einer solchen »Cluster-Lösung« durch den Wegfall vieler Abstandsflächen zu Schutzgebieten oder Siedlungen bis zu 70 Prozent der Fläche für Windkraft-Eignungsgebiete im Land eingespart werden.

Landesweit wird derzeit über die Ausweisung dieser Eignungsgebiete beraten. Anwohner bereits existierender oder geplanter Windparks setzen sich aber zunehmend zur Wehr, so dass der Planungsprozess und der Neubau von Windparks nur schleppend vorangeht. »An unserer Grundsatzkritik an den Ausbauplänen der Landesregierung halten wir fest«, betonte der Landesvorsitzende von Freier Horizont, Norbert Schumacher. Das von seiner Partei vorgelegte Konzept könne aber zur Schadensbegrenzung beitragen, da der Wildwuchs von Einzelstandorten beendet werde und dann weniger Menschen von den Nachtteilen der Windkraftnutzung wie Infraschall und Schlagschatten betroffen wären. Schumacher räumte ein, dass dies mit einer deutlich höheren Belastung für andere erkauft werde.

Landesenergieminister Christian Pegel (SPD) begrüßte, dass sich auch Windkraft-Skeptiker an der Suche nach den besten Lösungen für die Gewinnung von Ökostrom beteiligten. Doch zeigte er sich skeptisch zur Realisierbarkeit ihres Vorschlags. »Gäbe es solch riesige zusammenhängende Windeignungsflächen - jetzt Cluster statt Mega-Windeignungsgebiete genannt -, wie sie der Freie Horizont vorschlägt, hätten die ortskundigen Gremien der Planungsverbände sie längst als gut geeignet ausgewiesen«, erklärte Pegel. Nach seinen Angaben soll insgesamt ein Prozent der Landesfläche für den Bau von Windenergieanlagen ausgewiesen werden. Bisher seien es 0,7 Prozent.

Pegel forderte die Partei Freier Horizont auf, »ortsgenau« Vorschläge für die von ihr favorisierten Groß-Windeignungsgebiete zu machen. An der Mecklenburgischen Seenplatte etwa müsse diese Fläche knapp 55 Quadratkilometer groß sein. »Es gibt keine solch großen Flächen, in denen keine Menschen leben und sich keine wertvollen Naturräume mit geschützten Tierarten befinden«, betonte der Minister. Zudem werde vor Ort die Diskussionen zu vier Mega-Windeignungsgebieten nicht unkritischer ausfallen als Diskussionen derzeit. Pegel hatte mehrfach gewarnt, die angestrebte Energiewende durch zusätzliche Beschränkungen zu gefährden.

In Mecklenburg-Vorpommern drehten sich nach Branchenangaben Ende 2017 rund 1900 Windräder. Die Turbinenleistungen summierten sich auf gut 3200 Megawatt. Das entspricht in etwa fünf Kohlekraftwerken von der Größe des Kraftwerks in Rostock. dpa/nd

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