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Die Hölle im Hintergrund

Zum »Sachsenburger Dialog« erscheint die bislang umfangreichste Studie über das frühe KZ

  • Von Hendrik Lasch, Frankenberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im Juli 1935 hetzte die sächsische NSDAP-Gauzeitung »Freiheitskampf« gegen »Rassenschänder«. Der Artikel enthielt eine unverblümte Warnung an jüdische Männer, die Beziehungen mit »artvergessenen« deutschen Frauen eingingen: Man werde ihnen »im Konzentrationslager Sachsenburg Gelegenheit geben zu lernen«, wie sie sich »aufzuführen« hätten.

Nein, es war kein Geheimnis. Auch ausländische Zeitungen berichteten über das Lager, das die Nazis im Mai 1933 zunächst auf der Burg Sachsenburg eingerichtet und kurz darauf in eine Spinnerei am Ufer der Zschopau verlegt hatten. Bis 1937 wurden dort Tausende NS-Gegner, aber auch Zeugen Jehovas und »Vorbeugehäftlinge« interniert und misshandelt. Es war das »bedeutendste und am längsten betriebene frühe KZ in Sachsen«, schreiben Bert Pampel und Mike Schmeitzner, die Herausgeber des Sammelbandes »Konzentrationslager Sachsenburg 1933 - 1937«, der an diesem Samstag im Rahmen des »9. Sachsenburger Dialogs« im sächsischen Frankenberg vorgestellt wird.

Diejenigen, die seit Jahren an dem Gedenken teilnehmen und sich in der Lagerarbeitsgemeinschaft oder der Initiative »Klick« engagieren, wissen um die Rolle von Sachsenburg im NS-System. Die breite Öffentlichkeit indes blickt auf große Lager wie Buchenwald, Sachsenhausen oder Dachau; die Erinnerung an die frühen KZ sei so »in den Hintergrund gedrängt« worden, heißt es in dem Band. Zu Unrecht, wie die Lektüre des 463 Seiten starken Buches klarmacht, das 25 Aufsätze von 19 Autoren enthält und in Kooperation der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und des Hannah-Arendt-Instituts entstand. In Lagern wie Sachsenburg seien Wachtruppen ausgebildet und Erfahrungen in Organisation und Bewachung gesammelt worden; es sei quasi eine »Brücke« zu den späteren, großen KZ.

Die Publikation verleiht den Bestrebungen Nachdruck, in Sachsenburg eine würdige Gedenkstätte einzurichten. Ein in der DDR-Zeit entstandener, einseitig ausgerichteter Gedenkort wurde vor Jahren beseitigt, fand aber trotz großen Engagements von Ehrenamtlichen nie adäquaten Ersatz. Immerhin gelang es 2012, Sachsenburg in das novellierte sächsische Gedenkstättengesetz aufzunehmen. Es folgten aber langwierige Debatten um die Trägerschaft, die Eigentumsverhältnisse wichtiger Gebäude auf dem in Privatbesitz befindlichen Gelände und ein Konzept.

Inzwischen ist klar, dass eine künftige Gedenkstätte von der Stadt Frankenberg getragen wird, zu der Sachsenburg heute gehört. Deren Stadtrat hat sich vergangene Woche erstmals mit dem Konzept für den Gedenkort befasst, das Ende 2017 von der Lehrerin Anna Schüller erarbeitet wurde. Sie war lange Zeit in der Initiative »Klick« engagiert und ist jetzt Vorstandschefin des im Mai neu gegründeten Vereins »Geschichtswerkstatt Sachsenburg«, in dem Freiwillige ihre Kräfte bündeln wollen. Mitte Mai hatte das Konzept eine erste wichtige Hürde genommen und war vom Stiftungsrat der Gedenkstättenstiftung gebilligt worden.

Schüller merkt an, dass ihr Konzept mehrere Varianten enthält. Welche letztlich umgesetzt wird, muss der Stadtrat entscheiden, der sich mit der Frage am 20. Juni abschließend befasst. »Davon ist auch abhängig, welche finanziellen Mittel im Detail benötigt werden«, sagt sie. Für das Land betonte die zuständige Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD), dass erforderliche Mittel »in den Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2019/20 angemeldet« worden seien. Politiker von LINKE und Grünen hatten nach der Entscheidung im Stiftungsrat noch gerügt, es sei damit keine Förderzusage verbunden.

Schüller betont, man sei der Gedenkstätte »ein ganzes Stück näher gekommen«, auch wenn es »ein weiter Weg« bleibe. Gehen sollte man ihn. Die neue Studie sieht in Sachsenburg nicht weniger als einen »zentralen Ort in der Erinnerungslandschaft an die NS-Diktatur in Sachsen«.

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