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Eine S-Bahn für die Arbeiter

Die Politik verspricht dem Rolls-Royce-Standort Dahlewitz eine bessere Verkehrsanbindung

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Welche Auswirkungen der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der EU, auf seinen britischen Rolls-Royce-Konzern haben wird, ist Alastair McIntosh noch unklar. Aber der Deutschlandchef von Rolls-Royce versichert am Freitag in Dahlewitz: »Wir haben einen guten Standort hier. Wir sind auf Wachstumskurs, egal was kommt.« Für alle Fälle hat McIntosh neben der britischen inzwischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Er fühle sich wohl in der Bundesrepublik, erzählt er.

Mit einer festlichen Veranstaltung in einer der Werkshallen am Eschenweg 11, mit einem Buffet und kurzen Ansprachen feiert Rolls-Royce am Freitag das 25-jährige Bestehen seines Standorts Dahlewitz. Der zu diesem Termin angereiste Vorstandsvorsitzende Warren East hebt bei dieser Gelegenheit hervor, Dahlewitz sei der einzige Rolls-Royce-Standort »in Germany«, der über alle Genehmigungen verfügt, die notwendig sind, Flugzeugtriebwerke für große Passagiermaschinen zu entwickeln, zu testen und herzustellen.

Jüngstes Erzeugnis der Tüftler in Dahlewitz ist allerdings eine kleinere Variante von Turbinen, ein Triebwerk vom Typ »Pearl«, gedacht für Buinessjets, zu Deutsch: Geschäftsflieger. Vor einer Woche wurde das neue Triebwerk »Pearl« in Genf präsentiert, in Dahlewitz werden die Arbeiter es künftig montieren.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gratuliert. Er kann sich noch erinnern, dass hier an der Autobahnabfahrt Rangsdorf eine Viehweide gewesen ist. Als 1993 Rolls-Royce kam und investierte, sei dies eine mutige Entscheidung gewesen. Denn die Jahre nach der Wende, als ehemalige volkseigene Betriebe reihenweise pleitegingen und die Massenarbeitslosigkeit immer schlimmere Ausmaße annahm, waren auch eine Zeit, in der Konzerne, ehe sie in Ostdeutschland ein Wagnis eingingen, ihre Produktion lieber gleich in osteuropäische oder asiatische Billiglohnländer verlegten. Doch Rolls-Royce habe Vertrauen in Dahlewitz und damit in Brandenburg und ganz Ostdeutschland gesetzt, meint der Ministerpräsident. Das habe sich dann als »gute Wahl« herausgestellt. Der Standort habe eine »fantastische Entwicklung« genommen, schwärmt Woidke. Die Verkehrsanbindung lasse jedoch zu wünschen übrig, weiß der Politiker. Da verspricht er nun Abhilfe und konkret eine Verlängerung der Strecke der Berliner S-Bahn von der bisherigen Endstation Blankenfelde über Dahlewitz bis Rangsdorf.

Als er das sagt, klatschen insbesondere die Beschäftigten in ihrer blauen Arbeitskluft. Lehrling Malene Gutsche beispielsweise hat es noch gut. Sie fährt morgens nur 15 Minuten mit dem Auto zum Werk. Andere Kollegen aus Berlin nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel und benötigen viel länger, weil sie in Blankenfelde in den Bus umsteigen müssen, der nur alle 30 Minuten kommt. Fährt die S-Bahn durch, wäre das eine große Erleichterung, und Malene Gutsche würde ihr Auto stehen lassen und die S-Bahn nehmen, weil der Weg zur Arbeit dann viel »entspannter« wäre, wie sie sagt.

In den nächsten Jahren soll daraus etwas werden. Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) kann das Datum der Fertigstellung allerdings nicht vorhersagen. Vor 2025 wird es wahrscheinlich nichts. Aber möglicherweise lassen sich die Planungen beschleunigen. Vorsorglich sei das Land eingeschritten, weil die Deutsche Bahn Flächen am Bahnhof Rangsdorf veräußern wollte. Das Verkehrsministerium habe signalisiert, dass das Gelände für die S-Bahn gebraucht werde. Bei dem Projekt gehe es nicht nur um die Beschäftigten von Rolls-Royce, sondern auch um die Berufspendler nach Berlin, erklärt Schneider. Davon abgesehen könnten die Gewerbegebiete von Dahlewitz perspektivisch noch vergrößert werden.

Rolls-Royce begrüßt diese »wichtige Weichenstellung«, nennt sie eine »gute Nachricht für die Menschen und die Umwelt«. Deutschlandchef McIntosh sagt dazu: »Wir profitieren von der Nähe zu Berlin. Berlin profitiert von der Nähe zu uns. Das wird mit der S-Bahn-Anbindung noch besser.«

Zu den Kunden des Konzerns zählen weltweit mehr als 400 Fluggesellschaften und die Luftstreitkräfte von 160 Staaten. In Dahlewitz werde im Moment aber ausschließlich für die zivile Luftfahrt gearbeitet, heißt es. Einzige Ausnahme: Die Bundeswehr lässt an diesem Standort die Maschinen der Regierungsstaffel warten, die etwa Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Terminen bringt. Früher entwickelte Rolls-Royce in Dahlewitz auch Triebwerke, die in Militärflugzeuge eingebaut wurden. 50 000 Menschen in 50 verschiedenen Ländern sind bei Rolls-Royce beschäftigt. 2800 davon verdienen sich ihren Lebensunterhalt in Dahlewitz. Der Brexit werde nicht dazu führen, dass laufende Projekte abgebrochen werden, versichert der Konzern.

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