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  • Deutsche Meisterschaft im Basketball

Gefühlt schon ganz oben

Die Basketballer des FC Bayern München haben bislang kaum Titel gewonnen, doch ihr Selbstbewusstsein wächst

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Marko Pesic kann sich noch gut an seine Zeit in der Hauptstadt erinnern. Es war die Blütezeit von Alba Berlin rund um die Jahrtausendwende, als er selbst noch Basketball spielte und reihenweise Titel gewann. Sieben Meisterschaften in Serie feierten die Berliner, die Niederlagen fast schon als Beleidigungen auffassten. Pesic ist mittlerweile Sportdirektor beim FC Bayern München - auch ein Klub, der das Selbstverständnis eines Serienmeisters verinnerlicht hat, allerdings nur im Fußball. Pesic würde dies gern auf die Basketballer übertragen, doch »dafür fehlen uns noch die Argumente. Auch bei Alba hat sich das damals erst mit den Erfolgen entwickelt. Die haben wir noch nicht, deshalb müssen wir erst einmal Demut zeigen«, sagte Pesic am Donnerstagabend.

Seit acht Jahren pumpt der Münchner Fußballverein viele Millionen in seine Basketballabteilung, doch außer einem Meistertitel (gegen Alba 2014) und einem Pokalsieg (auch gegen Alba 2018) sprang nichts Zählbares heraus. Gut für die Bayern, dass auch in der aktuellen Finalserie um die deutsche Meisterschaft der Gegner wieder Alba Berlin heißt. Und so war auf dem Parkett am Donnerstag auch keinerlei Münchner Zurückhaltung erkennbar, eher der Wille, nach der überraschenden Heimniederlage in Spiel eins zu zeigen, wer hier Chef ist. So eilten die Bayern den Berlinern in Spiel zwei gleich im ersten Viertel davon. Vom 9:26-Rückstand erholte sich Alba nicht mehr. Am Ende stand es 69:96, und München hatte die Serie zum 1:1 ausgeglichen. »Das war der FC Bayern, den wir kennen. Wir haben 40 Minuten lang den Rhythmus kontrolliert. Diesmal wollten wir zuerst zuschlagen, sodass die Berliner grübeln, wie sie uns stoppen können. In München war das noch andersherum«, sagte Flügelspieler Nihad Djedovic.

Seine Kollegen und Trainer sprachen danach auch viel von Kontrolle und Dominanz, keine Spur von Demut also, höchstens von Vorsicht, frühere Fehler in Spiel drei am Sonntag in München nicht zu wiederholen. »Wir sind noch nicht Meister und dürfen nicht wieder so viele unerklärliche Dummheiten machen wie im ersten Spiel«, so Djedovic.

Der 28-Jährige spielte wie Pesic selbst mal für Berlin. Heute behauptet er zwar, dass die Chancen auf den Titel »zwischen beiden Mannschaften bei 50:50 stehen«. Andererseits zeigt er sich dann davon überzeugt, dass seine Bayern die Berliner jederzeit besiegen könnten, wenn sie nur weiterhin so dominant auftreten wie am Donnerstag in der Arena am Ostbahnhof: »Die Alba-Spieler sind ein bisschen zu euphorisch wegen ihrer guten Saison, aber sie sind auch noch jung. Wir dagegen wissen, was wir zu tun haben.«

Dieses Wissen haben sich die Münchner im Viertelfinale angeeignet, als sie gegen Frankfurt beim Stand von 1:2 schon kurz vor dem Saisonende standen. Doch sie drehten die Serie noch, warfen danach im Halbfinale den Meister Bamberg raus und strotzen nun vor Selbstvertrauen. »Die Bayern haben eine tolle Reaktion gezeigt, sehr aggressiv verteidigt und offensiv sehr fokussiert gespielt. Die Berliner konnten dem heute nichts entgegensetzen«, sagte der Bundestrainer Henrik Rödl. Vor allem sein Nationalspieler Danilo Barthel dominiert direkt unter den Körben für die Bayern. »Er war noch mal etwas besser und spielt insgesamt überragend«, lobte Rödl den Center, der Bayerns bester Punktesammler der Finalserie ist.

Barthel und seine Kollegen haben den Vorteil, solche Situationen zu kennen. »Da hilft nicht der beste Trainer, der beste Präsident oder der beste Verein. Da kann nur die Mannschaft selbst die schwierigen Situationen lösen, und das hat sie heute geschafft«, sagte Marko Pesic. In diesem Lob fürs Team hatte er auch gleich noch die Überzeugung versteckt, dass er den FC Bayern München längst ganz oben im deutschen Basketball verortet. Die Spieler müssten das eben nur noch umsetzen.

Alba ist in seinem eigenen Reifeprozess noch weit von diesem Stadium entfernt. Seit Jahren mimen die Berliner den Außenseiter, finanziell - und dadurch auch sportlich - chancenlos gegen die Bayern und Bamberg. Plötzlich aber haben sie eine junge Mannschaft zusammen, die das Potenzial zum Meister hat; das zeigte nicht zuletzt der Auswärtssieg in München am vergangenen Sonntag.

Doch der brachte viele Spieler offenbar dazu, erstmals darüber nachzudenken, dass sie wirklich den Titel gewinnen könnten. Ergebnis dessen war nun eine Mannschaft, die nervös agierte. Offene Dreipunktwürfe - sogar Freiwürfe in Serie - fielen nicht mehr so selbstverständlich durch den Ring wie in den Wochen zuvor. Zu oft ging der Ball schon im Dribbling verloren, was zu leichten Punkten für die Münchner führte. »Bayern hat eine sehr hohe Intensität an den Tag gelegt. Da haben wir nicht gut dagegengehalten«, sagte Albas Trainer Aito Reneses nach dem Spiel, in dem er oft ratlos an der Seitenlinie stand, ganz so, als ob er nicht verstand, was da gerade in seine Spieler gefahren war. Nun muss er sie bis zum Spiel drei an diesem Sonntag in München wieder erden. Viel Zeit hat er dafür nicht: »Zum Glück ist die Serie erst zu Ende, wenn ein Team drei Siege hat.«

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