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  • Protest vor der Fußball-WM

Moskau: 2000 gegen politische Verfolgung

Familien machen auf fortwährende Inhaftierung von Antifaschisten aufmerksam/ »Netzwerk« soll Anschläge auf Turnier geplant haben

  • Von Ute Weinmann, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Etwa 2000 Menschen fanden sich am Sonntag auf einer Kundgebung im Moskauer Stadtzentrum ein, um gegen Repression und Willkür in Russland zu demonstrieren. Zahlreiche Rednerinnen und Redner aus ganz unterschiedlichen, teilweise sogar entgegengesetzten politischen Spektren, versuchten sich an einer Zustandsbeschreibung. Den Anfang machten Angehörige von verhafteten Anarchisten, später ging das Mikrofon auf der Bühne an Prominente wie den 88-jährigen Dissidenten und Menschenrechtler Sergej Kowaljow oder die Schriftstellerin Ljudmila Ulizkaja über. Immer wieder fiel die Jahreszahl 1937 als Ausgangspunkt - gemeint ist der »Große Terror«, von dem sich je nach Interpretation die heutige russische Gesellschaft weit entfernt habe oder sich aber mit wachsender Geschwindigkeit wieder annähere. Dass sich rote und schwarze Fahnen vor dem Hintergrund schwarz-gelb-weißer Flaggen russischer Nationalisten wiederfinden, ist dem Umstand geschuldet, dass rechte wie linke Gruppen gleichermaßen politischer Verfolgung ausgesetzt sind.

Swetlana Ptschelinzewa sprach auf der Kundgebung als Vertreterin eines Elternkomitees. Ihr Sohn Dmitrij sitzt seit Oktober 2017 in Untersuchungshaft und neben ihm noch vier weitere Antifaschisten in Pensa und drei in St. Petersburg. Gegen sie laufen Ermittlungen wegen angeblich geplanter Terroranschläge während der am Donnerstag beginnenden Fußballweltmeisterschaft. Ein ganzes Netzwerk sollen die jungen Männer aufgebaut haben - deren Verbindung untereinander hauptsächlich darin besteht, dass sie ein Faible für das taktische Geländespiel Airsoft hegen und sich als Antifaschisten und teilweise Anarchisten verstehen. Wiktor Filinkow, Dmitrij Ptschelinzew, und Ilja Schakurskij wurden nach ihrer Festnahme und später in Haft u.a. mit Elektroschocks schwer misshandelt, um Geständnisse zu erpressen. Alle drei haben mittlerweile ihre anfänglichen Aussagen zurückgezogen und versuchen, über ihre Anwälte rechtliche Schritte gegen die folternden Angehörigen des Inlandsgeheimdienstes FSB einzuleiten. Damit hatten die Ermittler wohl nicht gerechnet.

Im April strahlte der Sender NTV, bekannt für seine Oppositionelle diffamierenden Beiträge, eine Sendung über das »Netzwerk« aus. Zwei der Mütter gaben auf Druck des FSB Interviews, wobei sie vor laufender Kamera ihre Söhne beschuldigen sollten, an der angeblichen Terrorverschwörung beteiligt zu sein. Das würde ihren Söhnen vor Gericht zugute kommen, hieß es. Kürzlich wollte der Sender RT mit den Antifaschisten in Pensa sprechen, erhielt jedoch eine Absage. Mitte Juni stehen dort die nächsten Haftprüfungstermine an. J

ulij Bojarschinow aus St. Petersburg, der ebenfalls dem »Netzwerk« angehören soll, wurde zwar nicht gefoltert, aber seine Haftbedingungen lassen die Vermutung zu, dass er großem psychischen Druck ausgesetzt ist. Er wurde in einer Zelle untergebracht, die für 116 Personen ausgelegt, jedoch überbelegt ist, so dass nicht einmal für alle ein eigener Schlafplatz zur Verfügung steht - keine Seltenheit in russischen Gefängnissen.

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