Von der Bildungskatastrophe zur Bologna-Reform

1968 wollte die Studentenbewegung die sozialen Bildungsprivilegien schleifen. Unbeabsichtigt stimmten sie darin mit jenen überein, die unter «Reformen» Maßnahmen zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Konkurrenzkampf sahen

  • Von Gerhard Schweppenhäuser
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Zwei Jahre nach 1968 erschien Agatha Christies letztes Buch «Passenger to Frankfurt». Studenten in Europa und den USA werden darin, so die Ausgangslage im Buch, durch Herbert Marcuses Bücher zur Gewalt aufgehetzt. Ein Agentenpärchen vom Geheimdienst der Königin von England findet heraus, dass die Studentenrevolte Teil einer Weltverschwörung ist. Deren Ikone ist ein langhaariger Jüngling. Er sieht aus wie ein Wagner-Tenor, lullt die Jugend mit Pop-Gesang ein und gilt als Sohn von Hitler, der vor Kriegsende nach Südamerika entkommen ist. Ob das stimmt, lässt die Autorin offen. So oder so: Der studentische Tumult führt ins Chaos. Nur die smarten Agenten ihrer Majestät können die Zivilisation noch vor dem Untergang bewahren.

Christies Alterswerk wirkt reichlich irre. Aber nicht nur dort wird die Geschichte erzählt, dass die Frankfurter Schule die Studentenrebellion ausgelöst habe. Weiter geht’s meist in zwei Varianten: In der Version ...


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