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  • Politik
  • Widerstand gegen Donald Trump

Trump - ein Super-GAU

Friedrich Schorlemmer über einen US-Präsidenten, dem wir uns entgegenstellen müssen

  • Von Friedrich Schorlemmer
  • Lesedauer: 7 Min.

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Was während der Olympischen Winterspiele vor Monaten als anrührende Geste des südkoreanischen Präsidenten und Nordkoreas »Führer« Kim Jong Un hoffnungsvoll begann, ist zum medialen propagandistisch-populistischen Coup verkommen. Wer in den Singapur-Gipfel hohe praktisch-politische Erwartungen setzt, wird absehbar tief stürzen. Das war Show und keine Politik. Show - statt Politik. Was soll die Welt von einem Präsidenten erwarten, der einerseits noch vor Wochen mit einem totalen Vernichtungskrieg gegen Nordkorea drohte und unmittelbar vor dem Singapur-Gipfel alle sechs Freunde der westlichen Welt auf eine noch nie dagewesene Weise brüskierte? Drei Sekunden habe er gebraucht, um festzustellen, dass Kim Jong Un ein »guter Mann« sei...

Manche brauchen in der westlichen Welt sehr lange, ehe sie verstanden haben, welch einem Selbstdarsteller sich die Welt ausgeliefert hat. Wer sich von der seit einigen Tagen um sich greifenden Friedens- und Versöhnungseuphorie anstecken lässt, dem steht ein böses Erwachen bevor, denn was fast 70 Jahre Trennung und Feindseligkeit hinterlassen haben, das lässt sich nicht mit einem so pompösen wie substanzarmen Gipfel lösen. Den Koreanern steht ein langer Weg zueinander bevor, der Geduld, Beharrlichkeit, Augenmaß, Niederlagetoleranz, Realitätswahrnehmung, Mitgefühl, politische wie menschliche Weisheit auf allen Seiten braucht - also all das, was diese beiden Staatenlenker gerade nicht zur Verfügung haben. Es treffen zwei Kulturen in einem bitter, bitter geteilten Land aufeinander, dem sehr zu wünschen ist, dass es menschlich, politisch, ökonomisch mutig und sehr allmählich wieder zueinander kommen kann, bis sich niemand mehr vor Krieg und Verwüstung fürchten muss, im Süden nicht, im Norden nicht, in der Region nicht.

Ungehobelt, unberechenbar, unhöflich. Trump. Die gesamte politische Weltarchitektur bringt er durcheinander. Ausgang offen. Böse Überraschungen jederzeit möglich. Gefährliche Problemwahrnehmungsverweigerungen. Geht's noch schlimmer? Dieser Mann mit den goldenen Haaren und seinen goldenen Zimmern ist für einen differenzierenden, problembewussten und abwägenden Gedanken gänzlich unzugänglich. Fake News treten unverschämt an die Stelle überprüfbarer Wahrheit. Dieser Möchtegern-Präsident mit größenwahnsinnigem Denken über sich selbst kann offensichtlich nur in Ja oder Nein, Großartig oder Unfähig reden und denken. Seine Selbstinszenierung kennt keine Grenzen. Von gutem Geschmack mag man gar nicht reden. Die zugeschriebenen Superlative nach oben und nach unten sind unbegrenzt. Wer hochgelobt wurde, wird im nächsten Moment abschätzig als Schwächling, als Unfähiger oder als Unaufrichtiger geschasst. Dieser Waffennarr hat eine in ihrer Gefährlichkeit kaum zu unterschätzende Machtbasis in der Rüstungsindustrie sowie in der Waffenlobby NRA. Da mögen noch so viele Schüler durch Amokläufer erschossen werden - er bleibt offen-sichtlich unberührt. Zudem hat er ein geradezu erotisches Verhältnis zu den Waffen, die er etwa den Saudis verkauft hat.

Trump lenkt die Weltpolitik zurück zu archaischem Denken, statt in der globalisierten Welt die Abhängigkeiten voneinander zu erkennen und diese zu einem gegenseitig fruchtbaren Verhältnis zu bringen. Trump betrachtet alle menschlichen Austauschbeziehungen, das Leben im Einzelnen wie die gesamte Weltpolitik, als einen einzigen Deal, in dem die USA den größtmöglichen Gewinn für sich herausholen müssten. Er demonstriert je nach Laune Verachtung der anderen, vor allem all derer, die er als schwach etikettiert oder die ihm offen zu widersprechen wagen.

Selbst langjährige und treue Freunde US-Amerikas trifft der Bannstrahl seiner gefürchteten Tweets. Der da schlecht schlafen kann, liegt vermutlich so aufgekratzt wie einsam in seinem Bette und vergnügt sich an der weltweiten Aufmerksamkeit für seine kurz gefassten und viel zu kurz gedachten Nachrichten von dem Weltgrößten aller Zeiten.

Archaisches Denken ist, verhaltensbiologisch gesprochen, ein Revier verteidigendes Denken, Fühlen und Verhalten, gerichtet gegen jede gegenseitig nützliche Kooperation. So steht heute Macht gegen das Recht, der Protektionismus gegen den freien Handel. Trump ist ein Unglück für die Welt und es ist nur noch zu hoffen, dass er irgendwie fällt, ohne dass damit die ganze Welt in den Strudel gezogen wird.

Wie pervers, also verdreht, ist eine Welt, in der Stimmen laut werden, ihm doch den Friedensnobelpreis zu verleihen. Auch dieser Preis soll offenbar noch zerrüttet werden.

Wir müssen dringend zurück zu international verlässlichen Regeln in einer fragilen, multipolaren und globalisierten Welt, die das mitverantwortliche, gleichberechtigte und gleichgeachtete Verhalten der Völker zueinander und zur gesamten Schöpfung braucht. Aber da steht nun einer an der Spitze einer sogenannten Supermacht der Welt, der den Klimawandel für eine chinesische Erfindung hält, die sich bloß gegen die USA richten würde. Und er konnte verhindern, dass das Klimaproblem oder die Verschmutzung der Weltmeere (Plastik!) überhaupt thematisiert wurde. Dieser Immobilienmogul ist auch zudem von wechselnden Phobien getrieben, wenn man sich nur einmal die früheren Äußerungen über den durchgeknallten Kim Jong Un und seine jetzige sogenannte - medial hochgepuschte - koreanische Friedensstrategie verdeutlicht. Wem von beiden soll man anschließend glauben, was wird verbindlich sein?

Und wir Deutschen stehen auch ziemlich schlecht da. Wir haben einen schlechten Ruf, weil wir so »erfolgreich« sind. Und statt selber auch konkurrenzfähige und gute Autos zu produzieren, werden die Deutschen verantwortlich dafür gemacht, dass sich US-amerikanische Autos schlechter verkaufen lassen.

Was ist das für eine Welt? Eine Welt, die von einem »Trump«ler beherrscht, ja an der Nase herumgeführt wird. Das Maß ist voll. Dieser Präsident, dem Prinzipien nichts gelten, außer ein prinzipiell selbstbezogenes Denken und Handeln, wird zur Weltgefahr. Wenn die Devise »America first« sich auf das Denken aller Nationen auf diesem Planeten ausweiten sollte, dann sind selbst große Kriege wieder nahe. Und ein »begrenzter Atomkrieg« würde mit Sicherheit zum unbegrenzten Unheil werden. Oder sollen wir all sein Geschwätz von gestern vergessen und uns stattdessen auf das neueste Geschwätz aus seinem Twitter-Account empört, gelassen oder belustigt einlassen? Nicht zu vergessen, dass er in großsprecherischem Tonfall, darin konkurrierend mit Kim Jong Un, die Bemerkung fallen lässt: »Wozu haben wir Atomwaffen, wenn wir sie nicht einsetzen?« Und wer hat den größten roten Knopf? (Welchen Größten? Geht’s noch anzüglich-primitiver?) Auf dieser Denk- und Sprachebene vollzieht sich gegenwärtig US-amerikanische Politik, die bisher geltende Regeln, Formate und zivilisierte Verhaltensweisen in den gegenseitigen Beziehungen in der Welt über den Haufen wirft. Er wirft in der Folge alles über den Haufen, auf den Haufen. Uns alle.

Wir brauchen ein Amerika ohne Trump. Und das heißt, wir brauchen ein Amerika - aus den USA heraus, aber auch weltweit -, das dieser Politik gegenüber ein klares und unmissverständliches Nein sagt und nichts anderes einfordert als die Erfüllung der Werte, aus denen die Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg heraus entstanden sind. Aber wann wird, fragen sich viele besorgt, dieser manische Twitterer auch noch dieses Völkergremium zersprengen? Die US-Amerikaner sollten wissen, dass wir mit unserem Widerspruch und Widerstand gegen Trump nicht eine Abkehr von Amerika meinen. Wohl aber die Abkehr von einem Weg, der in die Sackgasse führt. Luther sprach 1524 so Klartext, dass selbst Donald Trump verstehen könnte, was gemeint ist. »Soll man denn zulassen, dass lauter Flegel und Grobiane regieren, wenn man's sehr wohl besser machen kann? Das ist jedenfalls ein barbarisches, unvernünftiges Vorhaben. Da lasse man lieber doch gleich Säue und Wölfe zu Herren machen und über die setzen, die nicht darüber nachdenken wollen, wie sie von Menschen regiert werden. Ebenso ist es auch eine unmenschliche Bosheit, wenn man nicht weiter denkt als so: Wir wollen jetzt regieren. Was geht es uns an, wie es denen gehen wird, die nach uns kommen? Nicht über Menschen, sondern über Säue und Hunde sollten solche Leute herrschen, die beim Regieren nichts mehr suchen als ihren Vorteil oder ihre Ehre...«

Donald Trump macht die Länder dieser Welt zum Spielball seiner Launen. Er hat offenbar eine Lust daran, andere zu verunsichern. Die Unberechenbarkeitserfahrung mit diesem Herrn wird zum Herrschaftsprinzip, das globale Dimensionen hat und jeden Einzelnen von uns betreffen wird. Alle - längst gefällten - Entscheidungen stehen unter Trumps Twitter-Vorbehalt. Er ist auf den Wogen einer nationalistisch-populistischen Stimmungsdemokratie Präsident geworden und er ist von Tag zu Tag mehr fixiert auf sich und seinen »Ruhm in der Weltgeschichte.« Auf solchen Ruhm kann die Welt gut verzichten!

Friedrich Schorlemmer war Prediger an der Schlosskirche zu Wittenberg und einer der wichtigsten Vertreter der Friedens- und Umweltbewegung der DDR.

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